Hochwasser im Osten vor neuen Rekordständen | Aktuell Europa | DW | 04.06.2013
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Aktuell Europa

Hochwasser im Osten vor neuen Rekordständen

Das Hochwasser droht die Ausmaße der "Jahrhundertflut" von 2002 anzunehmen. Insbesondere an der Elbe und ihren Nebenflüssen im Osten Deutschlands verschärft sich die Situation. In Bayern fließt das Wasser langsam ab.

Merkel beim Überflug der Hochwassergebiete zwischen Dresden und Pirna (Foto: dpa)

Hochwasser Meißen Elbe

"Wir rechnen mit einem Pegelstand von neun Metern plus X", warnte das sächsische Innenministerium vor großflächigen Überschwemmungen entlang der Elbe. Bevölkerung und Behörden müssten sich auf eine vergleichbare Situation wie vor elf Jahren einrichten.

In Dresden mussten zahlreiche Anwohner ufernaher Wohngebiete ihre Häuser bereits verlassen. Die Elbbrücke "Blaues Wunder" wurde gesperrt. Auch in Pirna liefen erste Evakuierungen. In einigen Bereichen der Altstadt wurde der Strom abgeschaltet. In Meißen stieg die Elbe mit 7,89 Metern bereits über die Höhe der Hochwasserschutzwand und überflutete die Altstadt.

Bitterfeld droht die Überflutung

Kritisch ist die Lage auch Elbe abwärts in Sachsen-Anhalt, wo Rekord-Pegelstände an Saale und Mulde erwartet werden. In Bitterfeld droht die Überflutung der Stadt, Tausende müssen ihre Wohnungen räumen. Es sei nicht klar, wann und wie stark Wasser aus dem Goitzschesee in die Stadt eindringen werde. Die Gefahr sei groß, weil im sächsischen Löbnitz ein Deich gebrochen sei, teilten die Behörden mit. Die Autobahn A9 wurde bei Dessau in Richtung Berlin auf eine Spur verengt, um Sandsackbarrikaden zu errichten. In Halle ist die Lage nach Angaben eines Stadtsprechers bereits "dramatisch". Dort hat der Pegel der Saale stellenweise die Marke von 7,50 Metern überschritten. Die Universität der Stadt stellte laut Medienberichten den Lehrbetrieb ein und rief die Studenten auf, beim Hochwassereinsatz zu helfen. Auch Brandenburg richtet sich auf eine Flutwelle ein.

Das Hochwasser der Elbe in Meißen (Foto: dpa)

Land unter in Meißen

Leichte Entspannung an der Donau

In Thüringen und manchen Regionen Bayerns scheint das Schlimmste überstanden zu sein. Kritisch ist die Lage weiterhin in Regensburg und im Landkreis Deggendorf. In Passau, wo am Montagabend ein historischer Donau-Höchststand von 12,89 Metern erreicht wurde, sank der Pegel deutlich. Die Schäden sind aber nicht zu übersehen: Geschäfte, Hotels, Restaurants und Wohnhäuser stehen metertief im Wasser, in der Stadt fehlt es an Strom und Trinkwasser. Im oberbayerischen Rosenheim begannen die Aufräumarbeiten.

Tausende von Helfern von Feuerwehr, Rettungsdiensten, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr sind gemeinsam mit Freiwilligen in den Hochwassergebieten weiter im Einsatz. Sie schütten Dämme auf, füllen Sandsäcke, holen Flutopfer aus überschwemmten Orten und Häusern und helfen bei den Aufräumarbeiten.

Vor-Wahlkampf an der Wasserfront

Die Hochwasser-Regionen in Süd- und Ostdeutschland sollen unbürokratische Soforthilfe erhalten. Das sicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel (Artikelbild beim Überflug der Hochwassergebiete im Osten) den Menschen bei Besuchen den besonders betroffenen Orten Pirna in Sachsen und Greiz in Thüringen zu. In Passau hatte Merkel zuvor angekündigt, dass der Bund 100 Millionen Euro Soforthilfe für die gesamten Hochwassergebiete in Deutschland zur Verfügung stelle. Außerdem werde der Bund auf jeden Euro, den die jeweilige Landesregierung zur Bewältigung der Hochwasserfolgen ausgebe, einen Euro drauflegen, sagte Merkel in Pirna. Sie wisse, dass es mit der Summe womöglich nicht getan sei. "Wenn die Pegel dann zurückgehen, dann werden wir auch noch mal beraten, wie wir dann weiter vorgehen", sagte die CDU-Chefin.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sprach sich für schnelle Unterstützung der Opfer der Hochwasser-Katastrophe aus. Es müsse nun "auch um konkrete Hilfsangebote gehen, um die Schäden zu begleichen", sagte Steinbrück bei einem Vortrag an der Freien Universität Berlin.

Die FDP will Mittel der staatlichen Förderbank KfW zum Wiederaufbau in den von der Flut betroffenen Regionen einsetzen. Es gehe darum, Programme der Kreditanstalt umzumünzen und auf die Unternehmen in den Flutgebieten zuzuschneiden, sagte Fraktionschef Rainer Brüderle. Die Linkspartei forderte, zur Beseitigung der Flutschäden die Schuldenbremse aufzuheben.

Zittern in Österreich

Auch die Nachbarländer Tschechien und Östrerreich kämpfen weiter gegen die Fluten. Die Moldau erreichte in Prag ihren Höchststand. Am Dienstagmorgen rauschten nach Behördenangaben 3210 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Fluss hinab - normal sind 150. Mobile Schutzwände bewahrten die Prager Altstadt vor einer Überschwemmung, sie hielten dem Druck der Fluten stand. Das steigende Grundwasser bedrohte aber die historischen Bauten. Der U-Bahn-Verkehr blieb eingestellt. In fast allen Teilen des Landes gilt der Notstand.

An der Donau in Ober- und Niederösterreich stiegen die Pegelstände noch am Nachmittag weiter und erreichten ähnliche Werte wie beim Jahrhunderthochwasser 2002. Unklar ist, ob die mobilen Schutzwände und Dämme halten und ob die Höhe ausreicht. "Das wird eine Zentimeterpartie", hieß es den Tag über immer wieder. In Gemeinden ohne umfassenden Hochwasserschutz wie Klosterneuburg, Melk und Emmersdorf in Niederösterreich überflutete das Wasser weite Teile der Ortschaften. Europaweit starben bislang mindestens 15 Menschen infolge der Unwetter.

qu/mak (dpa, afp)

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