Hitziger Streit um Mindestlohn bestimmt TV-Dreikampf | Aktuell Deutschland | DW | 02.09.2013
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Aktuell Deutschland

Hitziger Streit um Mindestlohn bestimmt TV-Dreikampf

Grüne, Linke und FDP haben es nicht leicht, neben Kanzlerin Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Steinbrück Aufmerksamkeit beim Wähler zu bekommen. Beim Dreikampf vor laufender Kamera drehten sie umso heftiger auf.

Mit engagierten und scharfen Wortgefechten über Mindestlohn, Rente und Steuern haben die Spitzenkandidaten von Grünen, Linken und FDP um unentschlossene Wähler gekämpft. Die Fraktionschefs von Grünen und Linken, Jürgen Trittin und Gregor Gysi, empfahlen sich am Montag in der ARD-Sendung "Der TV-Dreikampf" mit eindringlichen Forderungen für einen flächendeckenden Mindestlohn und mehr steuerliche Gerechtigkeit als Alternative. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hielt entgegen: "Das Beste ist es, dass wir die Wirtschaft in Gang halten."

Das Spitzenpersonal der kleinen Parteien legte sich ins Zeug in der Sondersendung des 1. Deutschen Fernsehens: Anders als beim eher zahmen TV-Duell vom Sonntag zwischen Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel und dem SPD-Bewerber Peer Steinbrück schenkten sich Trittin, Gysi und Brüderle nichts. Die drei Politiker debattierten sehr emotional, fielen sich andauernd ins Wort und übertönten sich gegenseitig.

Haare schneiden für 4,50 Euro

Grünen-Fraktionschef Trittin wies darauf hin, dass es auch in anderen europäischen Staaten wie Großbritannien und den Niederlanden längst gesetzliche Mindestlöhne gebe. Dagegen gebe es in Deutschland nach wie vor Friseure, "die für 4,50 Euro die Haare schneiden". Zugleich werde vom Staat Geld ausgegeben, um den Menschen den Lohn aufzustocken. Durch Mindestlöhne ließen sich daher vier Milliarden Euro an Lohnsubventionen für Aufstocker einsparen.

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Zuerst TV-Duell, dann Dreikampf

Der Fraktionschef der Linken, Gysi bezifferte den Anteil der Menschen mit Niedriglöhnen sogar auf 25 Prozent, da zu den acht Millionen regulär Erwerbstätigen noch weitere sieben Millionen mit Mini-Jobs hinzukämen. "Die Würde des Menschen verlangt, dass sie in Vollzeitarbeit einen Lohn bekommen, von dem sie leben können", so Gysi. Wirtschaftsprobleme dürften nicht über den Ausbau der sogenannten prekären Beschäftigung gelöst werden.

Für die FDP verwies ihr Fraktionschef Brüderle dagegen darauf, dass in den vergangenen Jahren fast zwei Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden seien. Ein einheitlicher Mindestlohn sei falsch, weil es regional unterschiedliche Lebenserhaltungskosten gebe und auch die Lage in den verschiedenen Branchen unterschiedlich sei. Zudem warnte Brüderle vor dem Verlust von Arbeitsplätzen durch Mindestlöhne: "Wenn die Kehrmaschine billiger ist, dann haben die Menschen den Job nicht."

Großes Interesse

Den Redewettstreit der beiden Spitzenkandidaten Merkel und Steinbrück hatten rund 18 Millionen Fernsehzuschauer verfolgt. Einen neuen Schlagabtausch zwischen Merkel und Steinbrück wird es bereits an diesem Dienstag geben und zwar im Bundestag. Das deutsche Parlament debattiert in einer Generaldebatte über die Lage in Deutschland.

haz/SC (dpa, afp, ARD)

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