Heftiger Länder-Streit über Zentralabitur | Deutschlehrer-Info | DW | 25.07.2019
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Deutschlehrer-Info

Heftiger Länder-Streit über Zentralabitur

Die Diskussion bleibt ein Dauerbrenner: Sollen alle Abiturienten deutschlandweit das gleiche Abi schreiben? Nach einem Streit zwischen FDP und CSU ist die Debatte wieder einmal neu entfacht.

In der Diskussion über ein einheitliches Abitur in Deutschland hat sich die kommissarische SPD-Chefin Manuela Schwesig offen für eine Reform gezeigt: „Die Schulsysteme und auch die Schulabschlüsse der Länder müssen vergleichbar sein. Ein Zentralabitur wäre sicherlich eine Lösung dafür", sagte die Regierungschefin Mecklenburg-Vorpommerns dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Zumindest brauchen wir möglichst viele gemeinsame Standards."

Vergangene Woche hatte sich auch der aus Nordrhein-Westfalen stammende FDP-Chef Christian Lindner für ein Zentralabitur ausgesprochen und gesagt, er halte den Bildungswettbewerb zwischen 16 Bundesländern, so wie er praktiziert werde, für aus der Zeit gefallen. Eine böse Spitze kam daraufhin aus Bayern – der Freistaat ist gegen ein Zentralabitur, denn er hält sein Abitur für das anspruchvollste in Deutschland und befürchtet eine Aufweichung der Standards.

„Dass Christian Lindner ein Zentral-Abi fordert, ist verständlich, denn er selbst hat ja NRW-Abi", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wollen die beste Bildung für unsere Schüler und keinen deutschen Durchschnitt. Wir sind für Leistung und Wettbewerb und gegen sozialistische Gleichmacherei."

Die Debatte über ein einheitliches Abitur in Deutschland läuft seit Jahren und war im Frühjahr wieder in Gang gekommen, nachdem Schüler sich über zu schwere Mathe-Aufgaben beschwert hatten. Seitdem gibt es immer neue Wortmeldungen zu dem Thema.

Nach Ansicht des Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz, ist ein Zentralabi keine Lösung. Man habe in der KMK in den vergangenen Jahren bereits massive Anstrengungen zur Vereinheitlichung des Abiturs unternommen, sagte er. „Der (...) von allen Ländern genutzte gemeinsame Abituraufgabenpool, aus dem die Länder Aufgaben für das schriftliche Abitur entnehmen, hat sich bewährt." Die Aufgaben hätten vergleichbare Anforderungen und müssten deshalb nicht zwingend identisch sein.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hingegen mahnte zu mehr Reformgeist beim Abitur. Ein vergleichbares Abitur sei zum Vorteil aller Schüler. Es müsse aber nicht alles komplett identisch sein. Auch OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hatte sich mit deutlichen Worten für ein Zentralabi ausgesprochen: „Ein Abitur auf Landesebene macht genauso wenig Sinn, wie dass jeder Provinzfürst seine eigene Währung druckt", sagte er vor wenigen Tagen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Denn am Ende bewerben sich die Schüler um die gleichen Hochschulen und Ausbildungsplätze." Die OECD organisiert unter anderem die internationale Schul-Vergleichsstudie Pisa.

Bildung ist in Deutschland eine Angelegenheit der Bundesländer. Würde man Entscheidungen, die die Bildung betreffen, auf bundesweiter Ebene fällen wollen, wäre eine Grundgesetzänderung notwendig mit Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat – und die gibt es zurzeit nicht.

rh/ip (mit dpa)

 

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