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Hedy Lamarr - Leinwandgöttin und Erfinderin

Alexandra Mölleken mit arte, ntv
16. August 2018

Sie war einer der schillerndsten Hollywood-Stars der 1940er Jahre. Doch kaum jemand weiß, dass Hedy Lamarr als Wissenschaftlerin Pionierarbeit im Mobilfunk leistete. Der Film "Geniale Göttin" erzählt ihre Geschichte.

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USA Filmschauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr
Bild: picture-alliance/Everett Collection

"Jedes Mädchen kann glamourös aussehen, dazu muss es nur stillstehen und dumm gucken", hat Hedy Lamarr einmal gesagt. Sie wusste, wovon sie redete, denn allzu oft reduzierte man sie auf ihre Schönheit. Doch die gebürtige Österreicherin wollte mehr. Sie wollte etwas hinterlassen und das tat sie - als Wissenschaftlerin. Auch wenn sie selbst nie viel über Erfindung gesprochen hat. 

Die Regisseurin Alexandra Dean erzählte in ihrer Dokumentation "Geniale Göttin" mit Hilfe von verloren geglaubten Sprachaufnahmen und Interviews mit Angehörigen, Freunden und Bewunderern die Lebensgeschichte Lamarrs. Ab dem 16. August ist der Film in den deutschen Kinos zu sehen.

Schon früh vor der Kamera

Hedy Lamarr, mit bürgerlichem Namen Hedwig Eva Maria Kiesler, wurde am 9. November 1914 als Tochter eines jüdischen Bankdirektors und einer Konzertpianistin in Wien geboren. Sie besuchte eine Privatschule und erhielt Klavier-, Ballett- sowie Sprachunterricht. Schon früh mischte sie im Filmgeschäft mit und spielte bereits in ihrem vierten Film "Man braucht kein Geld" eine Hauptrolle an der Seite der angesagten Schauspieler Heinz Rühmann und Hans Moser.

Erster Nackt-Skandal der Filmgeschichte

Hedy Lamarr österreichische Schauspielerin
Hedy Lamarrs Nacktszene in "Extase" rief sogar den Papst auf den Plan Bild: picture-alliance/Mary Evans Picture Library

Mit einer Nackt- und einer Orgasmusszene in dem Film "Ekstase" sorgte die 19-Jährige 1933 für einen Riesenskandal: So was hatte man auf der Leinwand noch nie gesehen! Selbst der Papst schaltete sich ein und verdammte das Werk öffentlich. In Nazi-Deutschland wurde der Film zunächst verboten und erst zwei Jahre nach seiner Premiere – deutlich gekürzt und als "jugendverderbend" gekennzeichnet – nur in einigen wenigen Kinos gezeigt.

Im gleichen Jahr heiratete Hedwig Eva Maria Kiesler den 14 Jahre älteren "Patronenkönig" Fritz Mandl. Er galt damals als einer der größten Waffenproduzenten Europas und machte unter anderem Geschäfte mit Adolf Hitler und Benito Mussolini. Mandl verlangte von seiner Braut, zum Katholizismus zu konvertieren. Er war extrem eifersüchtig und verbot ihr, weitere Filme zu drehen. Die Verbindung hielt nur vier Jahre, dann verließ Lamarr ihren Mann und auch ihre Heimat Österreich. Dieser ersten Ehe sollten später noch fünf weitere folgen, außerdem zahlreiche Affären.Von Österreich nach Hollywood

Hedy Lamarr in  "Dishonored Lady
Nicht nur im Film (hier eine Szene aus "Dishonored Lady") lagen die Männer Hedy zu Füßen Bild: picture-alliance/Mary Evans Picture Library

Nach Zwischenstopps in Paris und London landete sie in Hollywood, wo der MGM-Filmmogul Louis B. Mayer sie unter Vertrag nahm und "als schönste Frau der Welt" vermarktete. Aus Hedwig Eva Maria Kiesler wurde Hedy Lamarr: Der Künstlername war von der Stummfilmdiva Barbara La Marr entlehnt. Lamarr avancierte schnell zum Star; allerdings nicht wegen wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten, sondern wegen ihres Aussehens. Sie galt als Stilikone, Sexsymbol und Vorbild für viele Frauen weltweit. Ihr Konterfei war Vorbild für das Zeichentrick-Schneewittchen und Catwoman.

Mit dem Alter schwanden Lamarrs Rollenangebote, galt die Österreicherin doch hauptsächlich als schmückendes Beiwerk. Wegen ihres starken Akzents soll sie meist zum Schweigen verdonnert worden sein. Im Jahr 1958 drehte sie ihren letzten Film und erhielt zwei Jahre später einen Stern auf dem "Walk of Fame".Lamarr, die Technik-Revolutionärin

USA Hedy Lamarr | 1949
Lamar 1949 in dem Monumetalepos "Samson und Delilah" Bild: picture-alliance/United Archives

Das ist die eine Seite von Hedy Lamarrs Geschichte. Die andere zeigte eine kluge Frau mit fundiertem Technik-Wissen und großem Erfinder-Geist. Gemeinsam mit einem Freund, dem Komponisten George Antheil, der - wie Lamarr - ein leidenschaftlicher Gegner des Nationalsozialismus war, wollte die Schauspielerin die USA während des Zweiten Weltkrieges im Kampf gegen das Hitler-Regime unterstützen. Die beiden tüftelten an einer Technik, Torpedos mit einem sicheren Kommunikationssystem auszustatten. Denn Torpedos wurden über Funk gesteuert, daher konnte die Verbindung leicht gestört werden. Die Idee der beiden: Wenn Torpedo und Steuerelement ständig und immer genau gleichzeitig die Frequenz wechseln, ist die Verbindung schwerer von außen zu verfolgen - und damit schwerer angreifbar. Für ihr System verwendeten Lamarr und Antheil das Prinzip von Lochkarten, die normalerweise zum Steuern von automatischen Klavieren genutzt werden. Im Jahr 1942 erhielten die Erfinder ein Patent auf ihr geheimes Kommunikationssystem, das sie dem Militär kostenlos zur Verfügung stellten. Doch das lehnte ab: Lamarr solle lieber "Küsse gegen Kriegsanleihen" verkaufen. Erst Jahre später, während der Kuba-Krise 1962, kam das Frequenzsprungverfahren schließlich zum Einsatz - als Lamarrs und Antheils Patent längst abgelaufen war.

Heute dient Lamarrs und Antheils Erfindung als Grundlage für sämtliche Mobilfunk-Technologien von WiFi bis GPS. Sie hat den abhörsicheren Mobilfunk, drahtlose Netzwerkverbindungen und mobiles Internet erst möglich gemacht.

Anerkennung erst kurz vor ihrem Tod

Lange wurde Lamarrs Arbeit nicht gewürdigt. "Es ist für Frauen immer noch schwer, in der Technik anerkannt zu werden - gerade für eine Frau wie Hedy. Ihre Schönheit hat den Blick verstellt auf das, was hinter der Fassade steckt", sagte die Wissenschaftlerin Anja Drephal im Rahmen ihres Vortrages beim Hackerkongress "Chaos Communication Congress" 2016 in Hamburg und ergänzte: "Lamarr hat das WLAN nicht erfunden. Aber sie war trotzdem eine Vordenkerin ihrer Zeit."

Hedy Lamarr
Hedy Lamarr starb im Alter von 85 Jahren in FloridaBild: picture-alliance/AP Photo

Erst kurz vor ihrem Tod im Januar 2000 erhielt Lamarr die verdiente Anerkennung für ihre technischen Errungenschaften. Drei Jahre zuvor, im Jahr 1997, wurde sie von der amerikanischen Electronic Frontier Foundation (EFF) - einer gemeinnützigen Gesellschaft, die sich den Bürgerrechten im Internet widmet - für ihre Erfindung mit einem Pionier-Award ausgezeichnet.

Der Erfinderin Hedy Lamarr wird in dem Film "Geniale Göttin", der jetzt in den deutschen Kinos startet, ein Denkmal gesetzt. Unsere Bildergalerie erinnert an weitere Frauen, die mit ihren Erfindungen die Wissenschaft revolutioniert oder das Leben erleichtert haben.