Hauptangeklagter im Prozess um Pariser Anschläge freigesprochen | Aktuell Europa | DW | 14.02.2018
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Pariser Terroranschläge im November 2015

Hauptangeklagter im Prozess um Pariser Anschläge freigesprochen

Es ist eine überraschende Wende im Prozess um die Pariser Anschläge vom November 2015. Von den drei mutmaßlichen Komplizen der Pariser Attentäter kommt der Hauptangeklagte frei.

Frankreich Freispruch für Hauptangeklagten im Prozess um Pariser Anschläge | Jawad Bendaoud ARCHIV (Getty Images/AFP/B. Peyrucq)

Der mutmaßliche Komplize im Januar 2018

Der Hauptangeklagte Jawad Bendaoud ist vom Strafgericht der französischen Hauptstadt freigesprochen worden. Bendaoud hatte den Pariser Attentätern Abdelhamid Abaaoud and Chakib Akrouh eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Das Gericht sah aber keine Beweise dafür, dass er von den Anschlagsplänen gewusst habe. "Es gibt keine Beweise dafür, dass Jawad Bendaoud Terroristen Unterkunft gewährt hat", sagte die Vorsitzende Isabelle Prévost-Desprez nach dem Urteil. Die Anklage hatte gegen Bendaoud vier Jahre Haft wegen Unterstützung der Anschläge mit über hundert Toten gefordert. Der 31-jährige verurteilte Drogendealer aus der Pariser Vorstadt hob triumphierend die Arme, als die Richterin das Urteil verlas. Seine Festnahme damals wurde im Fernseher live übertragen. Noch vor den Kameras beteuerte er seine Unschuld.

Mit Bendaoud waren zwei weitere Männer angeklagt. Sie erhielten mehrjährige Haftstrafen. Das Pariser Strafgericht verhängte die Höchststrafe von fünf Jahren gegen einen Mittelsmann, der den Islamisten dabei half, ein Versteck zu finden. Für vier Jahre ins Gefängnis muss ein Cousin von Abdelhamid Abaaoud, dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, der die Pläne nicht anzeigte.
 

Prozess in Brüssel

Der mutmaßliche Planer der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, starb wenige Tage später bei einer Razzia in der Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis. Der einzige überlebende Mann, der verdächtigt wird, unmittelbar an den Anschlägen auf die Pariser Cafés und Restaurants und das Stadion Stade de France beteiligt gewesen zu sein, steht seit dem 5. Februar vor einem Brüsseler Gericht.

Die Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris erschütterten Frankreich und Europa. Die koordinierten islamistischen Attacken ereigneten sich quer durch die französische Hauptstadt an fünf verschiedenen Orten und an drei Orten in der Vorstadt Saint-Denis. Mehrere Selbstmordattentate am Freitagabend richteten sich gegen die Zuschauer eines Fußballspiels im Stade de France. Während eines Rockkonzerts im Bataclan-Theater wurden viele Menschen erschossen, als die Angreifer mit Maschinengewehren in die feiernde Menge feuerten. Auch Gäste zahlreicher Bars, Cafés und Restaurants warn Ziel der Terroristen.

Hunderte Menschen trauern vor dem Bataclan-Theater in Paris einen Tag nach dem verheerenden Terroranschlag auf die feiernden Besucher des Rockkonzerts. (Foto: Reuters/B. Tessier)

Angriff im Herzen Frankreichs: Trauernde am Bataclan-Theater einen Tag nach dem Anschlag

Nach Angaben der französischen Regierung wurden bei den Schusswaffenattentaten, dem Massaker mit Geiselnahme und Selbstmordanschlägen 130 Menschen getötet, 683 verletzt - mindestens 97 schwer. Auch sieben der Attentäter wurden durch ihre Attacken getötet. Die Anschläge reklamierte die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) für sich.

EU im Ausnahmezustnad

Die französische Regierung verhängte nach den Attentaten den Ausnahmezustand und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Der damalige Präsident François Hollande sprach von einem kriegerischen Akt und kündigte einen entschiedenen Kampf gegen den Terror an. Frankreich beantragte daraufhin als erstes Land der Europäischen Union den Beistand der anderen EU-Staaten im Rahmen der Regelungen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Grenzen im Schengen-Raum wurden geschlossen. Die europäischen Staaten sicherten ihre Solidarität zu.

sam/kle (AFP, APE)