Hat Russland noch mehr Marschflugkörper? | Aktuell Welt | DW | 10.02.2019
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INF-Vertrag

Hat Russland noch mehr Marschflugkörper?

Sie waren der Grund für den Ausstieg der USA aus dem INF-Abrüstungsvertrag: Marschflugkörper vom Typ SSC-8 in russischer Hand. Nach Informationen der "FAS" besitzt Moskau davon mehr als bislang bekannt.

Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) unter Berufung auf einen ungenannten westlichen Geheimdienstbeamten berichtet, soll es neben einem Ausbildungsbataillon auf dem südrussischen Testgelände Kapustin Jar und einem Bataillon in Kamyschlow östlich von Jekaterinburg noch zwei weitere Stationierungsorte von Marschflugkörpern des Mittelstreckensystems SSC-8 geben: das nordossetische Mosdok und Schuja nahe Moskau. Über Schuja haben die Vereinigten Staaten ihre NATO-Partner gemäß dem Bericht erstmals in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres informiert.

Jedes der vier Bataillone verfüge über vier Startfahrzeuge auf Rädern, die jeweils vier Raketen mit sich führten, schreibt die Zeitung weiter. Folglich besitze Russland mindestens 64 SSC-8, die entweder mit einem konventionellen oder mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt werden können. Die Reichweite des Marschflugkörpers mit Atomsprengkopf betrage 2350 Kilometer. Mit einem konventionellen 500 Kilogramm schweren Sprengkopf seien es 2000 Kilometer, so die Zeitung.

Angeblich nur 480 Kilometer Reichweite

Aus Sicht der NATO verstößt das Waffensystem gegen den INF-Abrüstungsvertrag, den die USA aus diesem Grund gekündigt haben. Russland, das einen Verstoß gegen die Bestimmungen des INF-Vertrages bestreitet, setzte das Abkommen daraufhin ebenfalls aus.

Der Vertrag war 1987 vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow unterzeichnet worden. Er untersagt den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern. Russland behauptet, sein Waffensystem komme nur 480 Kilometer weit.

Gemäß der derzeitigen Aufstellung liegen das östliche und nördliche Europa in Reichweite des Systems, ebenso wie Mitteleuropa einschließlich Deutschlands. Im Krisenfall könne das System jedoch rasch gen Westen verlegt werden und ganz Europa mit Ausnahme Portugals bedrohen, schreibt die "FAS" weiter.

Furcht vor neuem Wettrüsten

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plädiert angesichts des Scheiterns des INF-Abrüstungsvertrags dafür, sich alle Optionen offen zu halten, auch die der Nachrüstung. "Ich setze darauf, dass sich Amerikaner und Russen am Ende einigen werden. Ich finde es aber falsch, dass einige den Gedanken der Nachrüstung von vornherein ausschließen. Das würde unsere Verhandlungsposition schwächen", sagte Altmaier der "Welt am Sonntag".

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte sich mehrfach gegen eine Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa ausgesprochen. Experten sehen in der Aufkündigung des INF-Vertrags ein mögliches Startsignal für ein neues Wettrüsten. 

gri/nob (dpa, afp)

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