#Hashtags! Überall! | Digitales Leben | DW | 02.10.2013
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Digitales Leben

#Hashtags! Überall!

Der Hashtag hat das Twitter-Universum verlassen und greift verstärkt in andere Kommunikationswege ein. Immer öfter wird er außerhalb von Twitter gesichtet. Muss man sich jetzt Sorgen machen?

Jetzt wachsen sie schon auf Wiesen. Obwohl sie eigentlich aus dem Internet kommen, genauer gesagt: von Twitter. Es sind die Rauten mit diesem tollen Namen: HASHTAG.

Als ich dieses Wort zum ersten Mal hörte, saß ich auf einer Internet-Konferenz in Stockholm. Ich wusste nicht, was es bedeutete, aber es klang cool. So gab ich mir auch nicht die Blöße, meinen Nachbarn zu fragen, was das war, sondern legte schnell einen Twitter-Account an und folgte dem Hashtag #sif. Schon rauschten auf meiner noch jungfräulichen Twitter-Timeline die Tweets an, die sich mit dem "Stockholm Internet Forum" beschäftigten.

Ich habe schnell gelernt. Bei #Twitter funktioniert das auch ziemlich gut: Gebe ich in der Suche #btw ein, finde ich alles, was zur Bundestagswahl getwittert wurde.

Richtig bekannt wurde die Raute Anfang des Jahres, als zwei Frauen beschlossen hatten, mit dem #Aufschrei eine Kampagne gegen Sexismus zu starten. Das Ding funktionierte und brachte den Begriff Hashtag sogar in die #Tagesschau. Selbst der Internetguru Sascha Lobo frohlockte, dass mit dem #Aufschrei nicht nur der Hashtag sondern auch eine ganze Debatte aus dem Netz in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei.

Und dann kommt die Bundeskanzlerin plötzlich mit dem #Neuland daher. Das Internet sei für uns alle noch Neuland, sagte sie in einer Pressekonferenz im Juni und löste innerhalb von Minuten einen neuen Top-Trend bei den Twitter-Themen aus. Mittlerweile ist der Hashtag #Neuland ein Bonmot unter den Twitterern geworden. Wer irgendwo das Wort "Neuland" in Verbindung mit dem # sieht, der weiß direkt: Hier geht es irgendwie um Politik und Internet. #Neuland ist ein Klassiker geworden. Es gibt keinen vergleichbaren Hashtag, der so viel Aussagekraft hat. Möglicherweise landet #Neuland in der nächsten Dudenauflage, mich würde es nicht wundern.

Der #facebook - #hashtag führt ins #nichts

Doch nicht nur auf Twitter wird fleißig gehashtagged. In allen sozialen Netzwerken findet man das # vor irgend einem Begriff. Bei Facebook macht es sich auch ganz gut, man wirkt so, als sei man ein echtes Mitglied der #Netzgemeinde und nicht nur irgend so ein Facebook-User, der sich mit seinen Freunden zum Feiern verabreden will.

So fand ich jüngst einen interessanten Facebook-Post: "Immer mehr junge Menschen #wandern - jedenfalls im #Supramonte. #Gola_Gorropu #Monte_Tiscali #Sardinien".

Beherzt klickte ich auf die Begriffe, Fenster öffneten sich und – nichts passierte. Schade, ich dachte, ich sehe jetzt ein paar Fotos oder bekomme Informationen über die markierten Begriffe. Nun, das funktioniert noch nicht, und so hoffe ich für den Urlauber auf Sardinien, dass er noch viele schöne Tags, pardon, Tage auf der Insel verbringen wird, ohne dass ihm die halbe Netzgemeinde auf den Berg folgt.

Ich selbst habe auch schon versucht, den einen oder anderen Hashtag auf Facebook zu platzieren. Es sieht nur wichtig aus, führt aber zu nichts weiter. Das hat sogar meine Tochter, die nun eine ausgewiesene #Digital #Native ist, erkannt: "Die kommen aus dem Twitter-Universum und haben da zu bleiben." Und fügt gleich ein lustiges Video hinzu, in dem zwei US-amerikanische Stars den Hashtag in ihre wörtliche Konversation einbetten und den Hashtag-Wahn damit auf die Spitze treiben. Wird die #Kommunikation der #Zukunft von #Hashtags beherrscht?

Ich glaube nicht. Gerade ist es zwar #cool, ihn überall in der digitalen Welt auszusetzen, aber Sinn macht er nur, wenn er funktioniert: Wenn der Hashtag angeklickt wird, führt er zu weiteren Inhalten, die mit diesem Begriff verbunden sind. Führt er ins Leere, oder wächst er gar auf einer Wiese, dann ist er ganz nett. Nicht mehr. Und nicht weniger.


Silke Wünsch, Redakteurin. Foto und Copyright Christel Becker-Rau

Silke Wünsch ist Redakteurin der Seite "Digitales Leben". Eines Tages wurde sie gefragt, ob sie diese Seite gerne betreuen möchte. Sie sagte: "Nun, ich bin bei Facebook und liebe hübsche Computer aus Cupertino, warum eigentlich nicht?" Und schon hatte sie den Job. An dieser Stelle schreibt sie über die schrägen Seiten des Digitalen Lebens, kommentiert das Treiben des Netzvolkes und wundert sich über die Skurrilitäten, die dieses komische Internet so spannend machen.

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