Handwerkspräsident kritisiert VW-Chef | Wirtschaft | DW | 01.01.2018
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Dieseldebatte

Handwerkspräsident kritisiert VW-Chef

Der Ärger über den Volkswagen-Chef und seine Kehrtwende in Sachen Dieselsubventionen ebbt nicht ab. Besonders heftige Kritik äußert der Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer (Artikelbild) hat Forderungen von VW-Chef Matthias Müller nach Auslaufen der Dieselsubventionen kritisiert. "Uns wurden diese Fahrzeuge auch mit dem Argument verkauft, dass der Diesel weniger verbraucht und der Kraftstoff günstiger ist. Wenn Hunderttausende daraufhin ein entsprechendes Fahrzeug gekauft haben, und dann der größte Hersteller für die Abschaffung der Dieselsubvention plädiert, dann ist das erstaunlich kundenfeindlich", sagte Wollseifer dem "Tagesspiegel" (Dienstag). Um Fahrverbote zu vermeiden, seien Nachrüstungen erforderlich. "Mit Software-Updates ist es nicht getan, wir brauchen entsprechende Katalysatoren und den flächendeckenden Einsatz von Harnstofftechnik."

Wenn es "ganz dicke kommt" dürften künftig auch Handwerker bei bestimmten Wetterlagen nicht in bestimmte Städte fahren, sagte der Handwerkspräsident weiter. "Dann können sie die Städte nicht mehr versorgen." Im Handwerk stehe ein Betrieb "für Fehler und Mängel gerade und bringt das in Ordnung. Nichts anderes erwarten wir von den Autoherstellern". Konkret hatte VW-Chef Müller eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen vorgeschlagen. "Das Geld könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden.  Abstriche bei den Dieselsubventionen, dafür Anreize für Elektroautos, wären das richtige Signal. Das würden wir aushalten, ohne gleich Existenzängste haben zu müssen."

Weniger Diesel-Zulassungen in Frankreich

In Frankreich verlieren inzwischen Diesel-Autos den Spitzenplatz bei Neuzulassungen - ihr Marktanteil ist erstmals seit dem Jahr 2000 unter 50 Prozent gerutscht. Gut 47 Prozent der im vergangenen Jahr neu zugelassenen Personenwagen haben einen Dieselmotor, wie der französische Autohersteller-Verband CCFA mitteilte. Der Anteil der Benziner lag knapp über dem der Selbstzünder. 2016 waren noch mehr als 52 Prozent der Neuwagen in Frankreich Diesel-Fahrzeuge, 2012 sogar mehr als 70 Prozent.

Das Land hatte den Diesel über Jahre bei den Steuern bevorzugt. Vor dem Hintergrund des VW-Abgasskandals und der Feinstaub-Debatte hatte die Regierung aber begonnen, diese Vorteile abzubauen. Der französische Automarkt legte im vergangenen Jahr insgesamt um 4,7 Prozent zu, gut 2,1 Millionen Pkw wurden neu zugelassen.

Nach Einschätzung des Automobil-Experten Ferdinand Dudenhöffer entsteht auf dem deutschen Automarkt eine Blase wegen dauerhaft hoher Preisnachlässe. Vor allem mit ihren Diesel-Eintauschprämien hätten die Hersteller die Rabatte im Jahr 2017 auf bislang nicht gekannte Höhen getrieben, schreibt der Direktor des CAR Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen in einer aktuellen Rabattstudie.

Nach Abebben der jüngst noch verlängerten Rabattwelle werde es schwer werden, weitere Neuwagen zu verkaufen, warnte Dudenhöffer die Industrie. In einem gesättigten Markt erzeugten hohe Rabatte keine zusätzliche Nachfrage, sondern allein Vorzieheffekte, die man im Laufe des Jahres spüren werde. Nach Marktbeobachtungen des Instituts werden einzelne Modelle wie beispielsweise der Ford Focus mit einem offen beworbenen "Umweltbonus" von mehr als 40 Prozent in den Markt gedrückt, wenn dafür ein älteres Dieselfahrzeug eingetauscht wird.

Der Umwelteffekt durch die aus dem Verkehr gezogenen Alt-Diesel sei nicht geeignet, die befürchteten Fahrverbote in einzelnen Städten zu verhindern, schreibt Dudenhöffer. Sein Institut  geht davon aus, dass bis zu 1,15 Millionen Autos eingetauscht und aus dem Verkehr gezogen werden könnten, gut sechs Prozent des Diesel-Bestandes. Ihnen stünden aber schon 1,3 Millionen neu zugelassene Diesel-Fahrzeuge entgegen, die trotz Euro-6-Norm mehrheitlich hohe Mengen Stickoxide ausstießen. Die Diesel-Prämien blieben daher "Verkaufsförderaktionen mit einem wenig messbaren Nebeneffekt".

tko/ww  (dpa, afp)

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