Handelsstreit: China holt zum Gegenschlag aus | Wirtschaft | DW | 04.07.2018
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Strafzölle

Handelsstreit: China holt zum Gegenschlag aus

China will auf angedrohte US-Maßnahmen mit Gegenzöllen reagieren. Ab Freitag sollen Gegenzölle auf US-Güter im Wert von 34 Milliarden Dollar erhoben werden. Die Furcht vor einer neuen Weltwirtschaftskrise wächst.

Der Zollstreit zwischen China und den USA droht in einen Handelskrieg umzuschlagen. Die Volksrepublik will ab Freitag Zölle auf US-Güter im Wert von 34 Milliarden Dollar erheben, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfuhr. Sie sollen am 6. Juli um 0.00 Uhr chinesischer Zeit in Kraft treten. Dies wäre Beobachtern zufolge eine Art Vergeltungsschlag, denn US-Präsident Donald Trump hat seinerseits bereits für Freitag Zölle auf Güter aus dem Reich der Mitte in gleichem Umfang angekündigt.

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Zugleich stoßen die USA mit ihrer protektionistischen Linie international immer stärker auf Widerstand: Zahlreiche Staaten haben bei der Welthandelsorganisation (WTO) die US-Zollpläne für die Einfuhr von Autos und Autoteilen kritisiert. Mehr als 40 Länder, darunter alle 28 EU-Staaten, warnten Teilnehmern zufolge am Dienstag vor einer Störung des Weltmarkts und einer Bedrohung für das System der WTO. Japan habe erklärt, zusätzliche Zölle auf Autos könnten eine Spirale von Gegenmaßnahmen auslösen und zu einem Zusammenbruch des auf Regeln basierenden internationalen Handelssystems führen. Russland erklärte den Angaben zufolge, die USA büßten ihre Reputation als verlässlicher Handelspartner ein. Der US-Diplomat verwies darauf, dass die Angelegenheit schon formell bei der WTO vorgebracht worden sei.

Trump greift WTO an, Merkel mahnt Trump

Nach den bereits geltenden Zöllen auf Stahl und Aluminium hat US-Präsident Trump der EU mit Einfuhrzöllen auf Autos und Autoteile von 20 Prozent gedroht. Trump kritisiert ein Ungleichgewicht in der Branche. Der US-Präsident hat die WTO wiederholt angegriffen und sie beschuldigt, die USA über den Tisch zu ziehen. Falls sich dies nicht ändere, würden die USA "etwas unternehmen", sagte er am Montag, ohne Details zu nennen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Auseinandersetzungen der EU mit den USA trügen Züge eines Handelskonflikts. "Es lohnt sich alle Mühe, diesen Konflikt zu entschärfen, aber dazu gehören zwei Seiten", sagte Merkel weiter und verwies auf eine anstehende Reise von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in die USA. Das gute Funktionieren der Weltwirtschaft hänge von guter Zusammenarbeit ab.

Nervöse Weltfinanzmärkte

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Was ist ein Handelskrieg?

Die Angst vor einem Handelskrieg mit den USA setzt unterdessen den asiatischen Börsen zunehmend zu. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 0,3 Prozent auf 21.717 Punkte nach. Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte außerhalb Japans fiel um 0,4 Prozent. Anleger am deutschen Aktienmarkt hat wegen des weltweit schwelenden Handelsstreits der Mut verlassen. Der Deutsche Aktienindex geriet erneut unter Druck. Hinter der zunehmenden Nervosität an den Märkten steht die Furcht, dass ein eskalierender weltweiter Handelskonflikt den Aufschwung gefährden könnte. Französische Regierungsberater warnen bereits vor den Folgen eines ausgewachsenen globalen Handelskrieges, der eine Rezession wie nach der Weltfinanzkrise auslösen könnte.

Anleger macht auch die seit Wochen fortschreitende Abwertung der Landeswährung Yuan zunehmend nervös. Seit Mitte Juni hat die auch als Renminbi bekannte Währung rund vier Prozent abgewertet. Am Dienstag versuchte die Notenbank, verbal zu beruhigen. Am Mittwoch stabilisierte sich die Devise daraufhin. Der Dollar verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 6,6009 Yuan. "Die Notenbank hat zur Bremse gegriffen und zumindest für den Augenblick kehrt wieder etwas Ruhe ein - auch dank der Hilfe größerer Staatsbanken, die der Währung mittels Dollar-Verkäufen auf die Beine helfen", sagte Stratege Stephen Innes vom Handelshaus Oanda. "Allerdings wird der Yuan weiter unter Druck stehen, bis es einen Kompromiss im Handelskonflikt gibt." Doch genau danach sieht es derzeit nicht aus.

hb/ul (rtr)

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