Handelskonflikt sorgt für Nervosität | Wirtschaft | DW | 04.04.2018
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Welthandel

Handelskonflikt sorgt für Nervosität

Nach dem letzten Zollgefecht zwischen China und den USA mehren sich die mahnenden Worte. US-Autokonzerne rufen die Streithähne zum Dialog auf und ein US-Währungshüter warnt vor Börsen-Schwankungen.

Angesichts des eskalierenden Handelsstreits zwischen den USA und China haben die beiden größten amerikanischen Autobauer General Motors und Ford die beiden Regierungen zum Dialog aufgerufen. GM äußerte die Hoffnung, dass die USA und China jeweils eine starke Autoindustrie wertschätzten und die gegenseitige Abhängigkeit in der Branche verstünden. Ford forderte eine Zusammenarbeit, damit die Probleme zwischen den beiden Wirtschaftsmächten einvernehmlich gelöst werden könnten.

China hatte am Mittwoch als Reaktion auf höhere US-Zölle Gegenmaßnahmen angekündigt. So werden für Autos, Sojabohnen oder bestimmte Flugzeuge aus den USA höhere Abgaben fällig. Ab wann die neuen Zölle gelten sollen, ist offen.

"Ein Topf voll Gold."

Auch aus Sicht des US-Währungshüters James Bullard wird der Handelsstreit negative Folgen für die amerikanische Wirtschaft haben. Der Präsident des Fed-Ablegers von St. Louis warnte auf einer Veranstaltung in Little Rock im US-Bundesstaat Arkansas vor weiteren Schwankungen am Aktienmarkt. Er rechne mit Folgen für einzelne Unternehmen, da China auf bestimmte Wirtschaftzweige abziele. Bullard ist dieses Jahr bei den Zinssitzungen der Federal Reserve nicht stimmberechtigt. Er verteidigte aber auch Trumps Zollentscheidungen. Der US-Präsident habe starke Überzeugungen bei dem Thema und sei entschlossen, für die USA bessere Handelsvereinbarungen zu erreichen, sagte Bullard. "Und das bedeutet eine holprige Reise für uns alle, während diese Verhandlungen weitergehen."

Lawrence Kudlow - Trumps zukünftiger Wirtschaftsberater (Reuters/B. McDermid)

Larry Kudlow: Trump ist Anhänger des freien Handels

Donald Trumps neuer Chef-Wirtschaftsberater Larry Kudlow hält es für möglich, dass die US-Strafzölle gegen China nicht in Kraft treten werden. Kudlow, der vor wenigen Tagen Gary Cohn im Amt nachfolgte, sagte Reportern in der Einfahrt des Weißen Hauses, der US-Präsident sei letztlich ein Anhänger des freien Handels. Trump wolle das Problem so schmerzlos wie möglich lösen. Zu Chinas Ankündigung, seinerseits Strafzölle zu verhängen, sagte Kudlow dem Fernsehsender Fox Business: "Wir sollten nicht überreagieren, mal sehen, wie das alles ausgeht. Am Ende dieses ganzen Prozesses, dem Ende des Regenbogens, steht ein Topf voll Gold."

Deutsche Investoren verschreckt

Wegen Bedenken gegenüber dem Abschottungskurs der US-Regierung sinkt einem Zeitungsbericht zufolge die Investitionsfreude deutscher Unternehmen in Nordamerika. 2018 wollten 35 Prozent der im Ausland aktiven Firmen dort neu investieren, im Vorjahr waren es noch 37 Prozent, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 5000 Unternehmen berichtete. "Die neue US-Administration sorgt für Verunsicherung", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der Zeitung. "Der protektionistische handelspolitische Kurs könnte internationale Produktionsketten kappen."

Video ansehen 26:00

"Game of Trade" - Handelspolitik als Spiel

Am Aktienmarkt hat die nächste Etappe im Handelsstreit nur eine kleine Wunde hinterlassen. Während des Tages hatte der Deutsche Leitindex Dax seine Vortagesverluste zwar zwischenzeitlich bis auf 1,75 Prozent ausgeweitet, erholte sich dann aber merklich und schloss 0,37 Prozent tiefer bei 11 957,90 Punkten. An der tonangebenden Wall Street drehte der Leitindex Dow Jones Industrial nach zeitweiligen Verlusten von mehr als 2 Prozent in Plus und schloss mit einem Aufschlag von 0,96 Prozent bei 24 264,30 Punkten.

Sojapreis fällt deutlich

Der Agrarsektor spürt jedoch die Auswirkungen. Besonders stark betroffen war der Handel mit Sojabohnen. Der Preis für ein Scheffel zur Lieferung im Mai fiel um bis zu 5 Prozent unter 10 US-Dollar. Ein Scheffel Sojabohnen entspricht einer Menge von gut 27 Kilogramm. China ist derzeit der größte Abnehmer von US-Soja. Als weltweit größter Produzent und Konsument von Schweinefleisch verbraucht China Unmengen an Sojabohnen, die unter anderem für Tierfutter verwendet werden. Von dem Handelsstreit profitieren könnten brasilianische Soja-Exporteure. Sie hatten bereits im vergangenen Jahr am meisten Soja nach China geliefert. Neben Sojabohnen zielen die angekündigten chinesischen Einfuhrzölle auch auf andere Agrarprodukte wie Mais, Weizen und Baumwolle ab, deren Preise gerieten ebenfalls deutlich unter Druck.

nm/kle (dpa, rtr)

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