Höhlenretter unter Hochdruck | Aktuell Asien | DW | 07.07.2018
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Jugendliche eingeschlossen

Höhlenretter unter Hochdruck

Die Lage ist brenzlig, keine Frage. Und der oft zitierte Wettlauf mit der Zeit erhöht den Druck noch einmal enorm. Beim Höhlendrama in Thailand sind alle denkbaren Optionen für eine Bergung höchst riskant.

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Höhlendrama in Thailand wird zum Wettlauf gegen die Zeit

Welches Risiko müssen und welches Risiko dürfen die Retter eingehen, um die Fußball-Teenager und ihren Trainer aus dem weitverzweigten Höhlensystem zu befreien? Über Stunden durch die überflutete Höhle zu tauchen, könnte lebensgefährlich für die geschwächten Jungen sein. Abwarten ebenfalls. Kein Zweifel: Der Missionsleiter, Provinzgouverneur Narongsak Osotthanakorn, ist in einer schwierigen Lage. Und eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Infografik Tham Luang Höhle Thailand DE

Derzeit gebe es ein Zeitfenster, berichtet er, das sich möglicherweise bald wieder schließt: "Jetzt und in den kommenden drei oder vier Tagen sind der Wasserstand, das Wetter und die Gesundheit der Jungen perfekt", sagt Narongsak mit Blick auf einen möglichen Rettungsversuch. "Wir müssen klar entscheiden, was wir tun können."

Die Lage ist bedrohlich, die Hygiene erbärmlich

Das Wasser in der überfluteten Höhle sei so weit wie möglich abgepumpt worden. Doch neue Monsunregen könnten den Pegel bis zum Zufluchtsort der Fußballer steigen lassen, befürchtet der Leiter der Rettungsaktion. Den zwölf Jungen und ihrem Trainer könnten dann weniger als zehn Quadratmeter Raum in der Höhlenkammer als Zufluchtsort bleiben. Dabei sind die hygienischen Zustände schon jetzt erbärmlich.

Außerdem bereitet die Atemluft den Helfern große Sorgen. Während der Sauerstoff knapp wird, steigt der Kohlendioxid-Gehalt. Von normal 21 Prozent ist der Sauerstoffanteil in der Höhle bereits unter 15 Prozent gesunken. Bei zwölf Prozent können Menschen bewusstlos werden, warnt Narongsak. Überdies könnten die Eingeschlossenen zu viel CO2 in ihren Blutkreislauf aufnehmen. Deshalb haben die Rettungskräfte eine kilometerlange Sauerstoffleitung in den Raum der Tham-Luang-Höhle verlegt, in dem die Gruppe festsitzt.

Und sie haben Löcher gebohrt. Mehr als hundert Rettungsschächte wurden in den vergangenen Tagen bereits angelegt, manche von ihnen bis zu 400 Meter lang. Doch kein einziger von ihnen hat die in etwa 600 Metern Tiefe unter der Erde vermuteten Fußballer bislang erreicht.  

Fußballtrainer bittet Familien um Verzeihung

Derweil sprechen die Kinder in handgeschriebenen Briefen ihren vor der Höhle ausharrenden Angehörigen Mut zu. Die Navy Seals veröffentlichten die Briefe auf ihrer Facebook-Seite. "Macht euch keine Sorgen, wir sind alle stark", schrieb einer der zwölf Fußballer. Und ein anderer: "Wenn wir hier rauskommen, wollen wir viele Sachen essen. Wir wollen nach Hause, so schnell wie möglich." 

Auch der Trainer hatte geschrieben und die Familien seiner Schützlinge um Verzeihung gebeten. Er versprach ihnen, sich bestmöglich um die Jungs zu kümmern. "Derzeit geht es ihnen allen gut", versicherte Ekapol Chanthawong. Er wurde in Thailand zwischenzeitlich stark kritisiert, weil er mit den Jungen in die Höhle gegangen war. Der Trainer bekam aber auch Lob, weil er den Jungen sein Essen abgab und sie in der Dunkelheit moralisch unterstützte.

Die Fußballer waren am Samstag vergangener Woche in die Höhle gegangen, kurz bevor diese durch anhaltende Monsunregen weitgehend überflutet wurde. Am Montag hatten die Rettungskräfte sie nach neuntägiger Suche unversehrt gefunden. Seitdem werden die Eingeschlossenen mit Lebensmitteln versorgt und ärztlich betreut.

rb/pg/jj (afp, ap, dpa)

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