Hälfte der Baumarten in Europa bedroht | Aktuell Europa | DW | 27.09.2019
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Umwelt

Hälfte der Baumarten in Europa bedroht

Klimawandel, Städtebau, Schädlinge und Krankheiten setzen den Bäumen und Sträuchern in Europa massiv zu. Besonders schlecht geht es den Arten, die es nur auf diesem Kontinent gibt.

Deutschland gewoehnliche Eberesche (picture-alliance/blickwinkel/M. Kuehn)

Die Eberesche ist in Deutschland vom Aussterben bedroht

Mehr als 40 Prozent aller Baumarten in Europa sind vom Aussterben bedroht. Für 42 Prozent der insgesamt 454 in Europa heimischen Arten besteht ein "erhöhtes Risiko", wie aus einer erstmals von der Weltnaturschutzunion (IUCN) veröffentlichten Roten Liste hervorgeht. Besonders bedroht sind demnach die 265 Baumarten, die in Europa endemisch, also nur hier zu finden sind. Von diesen sind 58 Prozent vom Aussterben bedroht.

In Deutschland geht es laut der Studie vor allem Ebereschen (Sorbus) schlecht. Einer der Autoren, David Allen, erläutert der Deutschen Presse-Agentur: "Die meisten sind bedroht, weil die Populationen sowieso klein sind oder durch die Umwandlung oder Schwächung ihrer Lebensräume."  

Rosskastanie (picture-alliance/blickwinkel/F. Hecker)

Blätter der Rosskastanie, in denen die Larven der Miniermotte heranwachsen

Schlecht sieht es auch für die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) aus. Sie gilt seit 2017 als "gefährdet". Die größte Bedrohung stellt neben einem Pilz die Balkan-Miniermotte dar. Sie breitet sich seit den 1980er Jahren von Südosteuropa über den ganzen Kontinent aus und hat kaum natürliche Feinde. Die Larven der Miniermotte wachsen in den Blättern heran und zerstören diese mit ihren Fraßgängen. Bis zu vier Generationen kann es in einem Jahr geben.  

Rosskastanien- oder Balkan-Miniermotte (Cameraria ohridella) (picture-alliance/imageBROKER)

Eine Balkan-Miniermotte - ihre Larven zerstören auf lange Sicht Rosskastanien

IUCN schätzt die Zahl der wilden Rosskastanien in Europa auf weniger als 10.000 Exemplare. Nicht berücksichtigt bei dieser Beurteilung sind die Bäume in Städten, Parks und Alleen.

Auch fast die Hälfte aller Straucharten bedroht

Die IUCN-Wissenschaftler erstellten gleichzeitig neue europäische Rote Listen für Weichtiere, Sträucher und Moose. Mehr als ein Fünftel der Weichtiere und Moose und fast die Hälfte aller Straucharten sind demnach bedroht.

Deutschland rotbluehende Rosskastanie (picture-alliance/dpa/A. Warnecke)

Eine rotblühende Rosskastanie in Berlin, die scheinbar noch gesund ist

Das liege vor allem an der Zerstörung der Wildnis, an eingeschleppten Arten, Agrarpraktiken und dem Klimawandel, heißt es. Die Fachleute weisen darauf hin, Weichtiere wie Schnecken spielten eine Schlüsselrolle beim Recyceln von Nährstoffen im Boden und seien eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere.

"Dieser Bericht zeigt, dass die Lage für viele übersehene und unterschätzte Arten prekär ist. Arten, die das Rückgrat des europäischen Ökosystems bilden und zu einem gesunden Planeten beitragen", betont Luc Bas, IUCN-Direktor des Europa-Büros. Er fordert, den Schutz dieser Arten zur Priorität zu machen.

se/qu (dpa, afp)