Gute Ausbildung – nicht nur in der Stadt | Deutschlehrer-Info | DW | 30.05.2019
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Deutschlehrer-Info

Gute Ausbildung – nicht nur in der Stadt

Wer auf dem Land aufwächst, ist nicht so gebildet wie ein Städter? Dass das Unfug ist, zeigt das Ergebnis einer neuen Studie. Lokale Unterschiede gibt es in Deutschland trotzdem– selbst innerhalb einer einzigen Stadt.

Es gibt in Deutschland keine großen Bildungsunterschiede zwischen Stadt und Land. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Aktionsrates Bildung, die am 21. Mai 2019 veröffentlicht wurde. In der Untersuchung wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich der Wohnort auf die Bildung von Kindern, Jugendlichen und Berufstätigen auswirkt und welche bildungsbezogenen Unterschiede es zum Beispiel im Ost-West-Vergleich oder auf Länderebene gibt.

Das Fazit des von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ins Leben gerufenen Aktionsrates: Eine bildungsbezogene Benachteiligung ländlicher Regionen lasse sich nicht belegen. Zwar gebe es auf dem Land weniger Abiturientinnen und Abiturienten, dafür sei dort aber das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten größer. Auch das Vorurteil, dass Menschen auf dem Land weniger bildungsaffin sind, konnte durch die Studie nicht bestätigt werden: Denn die schulischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler auf dem Land seien durchschnittlich besser als die der Schülerinnen und Schüler in den Städten. Größere Bildungsunterschiede als zwischen Stadt und Land finde man dagegen oftmals innerhalb einer Stadt, so das Ergebnis der Studie.

Aus Sicht der Experten muss das Bildungssystem künftig flexibler auf die regionalen Bedingungen und die Bedürfnisse vor Ort reagieren. Der Aktionsrat empfiehlt deshalb für jeden Abschnitt im Leben eines Menschen konkrete Bildungsmaßnahmen. „Denn das jeweilige Bildungsangebot ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen und Fachkräfte“, betont vbw-Präsident Wolfram Hatz.

So sollten Grundschulen auf dem Land erhalten werden – zum Beispiel durch die Zusammenlegung von zwei Jahrgängen. In allen Kitas und Schulen sollte zudem verstärkt auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler und Schülerinnen geachtet werden. Wenn es dort viele Kinder mit sozialen Schwierigkeiten oder einer anderen Muttersprache gibt, sollten zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Über deren Einsatz sollten die Einrichtungen dann auch selbst entscheiden dürfen – etwa für mehr Personal oder Förderangebote. Zudem sollten Lehrer und Lehrerinnen besser für den Umgang mit Schülern geschult werden, die besonders gefördert werden müssen.

Hochschulen sollten noch häufiger Ableger außerhalb der Städte gründen – als Teil einer umfassenden und integrierten Regionalförderung durch Bund, Länder und Kommunen. Gemeinsam mit anderen Akteuren sollten sie versuchen, die Studenten nach deren Abschluss in der Region zu halten. An Berufsschulen könnte zum Beispiel darüber nachgedacht werden, berufsübergreifende „Grundbildungsjahre“ einzuführen. Eine wichtige Rolle spiele zudem auch der Ausbau digitaler Bildungsangebote – gerade in der Erwachsenenbildung. Zudem sollten Bildungsträger, politische Gremien und Verwaltungen in Bildungsfragen regionalspezifisch beraten werden.

sts (mit dpa)/ip

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