Große Sorge um inhaftierten Regisseur Senzow | Aktuell Europa | DW | 02.07.2018
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Menschenrechte

Große Sorge um inhaftierten Regisseur Senzow

Der ukrainische Filmemacher sitzt in einem russischen Straflager. Selbst sein Anwalt hat nach eigenen Angaben seit Wochen keinen Zugang mehr zu ihm.

Moskau Oleg Senzow Solidaritätsprotest (picture alliance/dpa)

Soldaritätskundgebung für den Filmemacher vor drei Wochen in Moskau

Am 50. Tag seines Hungerstreiks befindet sich der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher Oleg Senzow nach Angaben seines Anwalts in bedenklicher Verfassung. "Natürlich ist sein Zustand sehr ernst", sagte Senzows Verteidiger, Dmitri Dinse, der Nachrichtenagentur AFP.

Senzow, der in einem Straflager im Norden Russlands inhaftiert ist, war Mitte Mai in den Hungerstreik getreten. Er will diesen nach eigener Aussage erst beenden, wenn Russland alle ukrainischen Gefangenen freilässt.

Urteil: 20 Jahre Haft

Der Filmemacher war 2014 auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen worden. Die Behörden warfen ihm vor, Brandanschläge organisiert zu haben. Der heute 41-jährige Aktivist und Dokumentarfilmer wies dies stets zurück. Dennoch wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Ukraine Menschenrechtsbeauftragte Ljudmyla Denissowa Ex-Sozialministerin (picture-alliance/dpa/A. Maksimenko)

Die Menschenrechtsbeauftragte der Ukraine, Ljudmila Denissowa (Archivbild)

Sein Anwalt erklärte nun, er habe seit fast zwei Wochen keinen Zugang mehr zu seinem Mandaten gehabt. Auch der ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Ljudmila Denissowa war vergangene Woche der Zugang zu Senzow im Gefängnis verwehrt worden.

Stephen King setzt sich ein

Das Vorgehen Russlands gegen den Regisseur sorgte mehrfach für internationale Proteste. Der Europarat, die Gruppe der führenden Industriestaaten des Westens (G7), aber auch bekannte Persönlichkeiten wie der US-Autor Stephen King und mehrere russische Filmemacher forderten Senzows Freilassung.

Die Präsidenten Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, hatten Anfang Juni bei einem Telefongespräch einen Gefangenenaustausch in Erwägung gezogen. Bisher wurde dies jedoch nicht in die Tat umgesetzt.

23 Namen auf der Austauschliste

Die Vize-Präsidentin des ukrainischen Parlaments, Irina Geraschtschenko, veröffentlichte jetzt die Namen von 23 russischen Gefangenen in der Ukraine, welche die Regierung in Kiew gegen Senzow und weitere Gefangene in Russland austauschen würde. "Ich rufe Russland auf, (seine Bürger) zurückzunehmen und uns die Ukrainer zurückzugeben", erklärte sie.

Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sind seit mehreren Jahren extrem gespannt. Zum einen besetzte Russland im Frühjahr 2014 die Krim, zum anderen kämpfen im Osten der Ukraine regierungstreue ukrainische Truppen und prorussische Rebellen gegeneinander. In dem Konflikt wurden bereits mehr als 10.000 Menschen getötet. Auch die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sind hierdurch schwer belastet.

jj/stu (dpa, afp)

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