Griechische Regierung erwartet nächstes Jahr 100.000 Flüchtlinge | Aktuell Europa | DW | 18.12.2019
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Migration

Griechische Regierung erwartet nächstes Jahr 100.000 Flüchtlinge

Binnen sechs Monaten sind in Griechenland 45.000 Migranten angekommen. Daraus zieht die Regierung den Schluss, dass im kommenden Jahr 100.000 Migranten auf die Inseln übersetzen werden, meist aus der Türkei.

Griechenland Moria Flüchtlingslager in Lesbos (picture-alliance/AA/A. Mehmet)

Ein junger Mann öffnet sein Zelt im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos

"Die Krise ist aktuell und sie ist gravierend", sagte der Beauftrage der griechischen Regierung für die Erstaufnahme von Flüchtlingen, Manos Logothetis, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er kündigte an, dass die Regierung in Athen 2020 von den Inseln 10.000 Asylsuchende in Richtung Türkei abschieben wolle. Dafür wolle man zusätzliche 270 Asyl-Entscheider einstellen. Zudem würden neue Erstaufnahmelager auf jenen fünf Inseln gebaut, die die größte Last der Migrationsbewegung trügen. Logothetis fügte hinzu, die aktuelle Situation sei "deutlich kritischer" für Griechenland als im Jahr 2015. Damals seien die Flüchtlinge in andere EU-Staaten weitergezogen. Diesmal blieben sie auf den Inseln.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte kürzlich Deutschland angesichts der dramatischen Lage auf der Insel Lesbos zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge gedrängt. In der "Bild am Sonntag" bejahte er die Frage, ob Deutschland direkt Flüchtlinge aus Lesbos aufnehmen sollte.

Neue Flüchtlingswelle

Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 waren täglich tausende Menschen von der türkischen Küste nach Lesbos und zu anderen griechischen Ägäis-Inseln übergesetzt. Seit dem EU-Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der EU im März 2016 ist die Zahl der Neuankömmlinge auf den Inseln zwar deutlich zurückgegangen. Seit einigen Monaten erreichen allerdings wieder mehr deutlich mehr Menschen über die Ägäis europäisches Territorium.

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Grandi: "Lebensumstände dringend verbessern" (28.11.2019)

In den völlig überfüllten Registrierlagern auf den Inseln wird die Lage immer schwieriger. Die Zustände dort sind nach Berichten humanitärer Organisationen dramatisch. Nach jüngsten Angaben des zuständigen Ministeriums in Athen harren in den Lagern der Inseln mehr als 41.000 Menschen aus. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspakts im März 2016. Noch im April lebten auf den betroffenen Inseln nur 14.000 Migranten. Allein im Camp Moria auf der größten Insel Lesbos sind nach offiziellen Angaben derzeit fast 18.000 Menschen in Zelten und Containern untergebracht. Offiziell ist das Lager aber nur für rund 3000 Geflüchtete ausgestattet.

Weniger deutsche Beamte

Trotz der angespannten Lage schickte Deutschland in diesem Jahr deutlich weniger Beamte zur Hilfe für die griechischen Asylbehörden auf die Inseln, berichteten die Funke-Zeitungen unter Berufung auf das EU-Asylbüro EASO. Demnach entsandte der Bund 2019 insgesamt 80 Asylexperten unter anderem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf die griechischen Inseln, um bei der Registrierung der Flüchtlinge zu helfen. 2018 waren es laut EASO allerdings noch 124 Beamte aus Deutschland, 2017 sogar 130.

Das Bundesinnenministerium begründe dies damit, dass die "Entsendungsmöglichkeiten" unter anderem von "internen dienstlichen Verpflichtungen" abhängen würden, berichteten die Zeitungen. Zahlreiche administrative, logistische und weitere bilaterale Unterstützungsmaßnahmen etwa in Form von Sachleistungen seien der griechischen Seite zur Verfügung gestellt oder angeboten worden, wie das Ministerium auf Nachfrage erklärt habe.

kle/stu (afp, epd, dpa)     

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