Griechenland will an den Kapitalmarkt zurück | Wirtschaft | DW | 08.02.2018
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Eurokrise

Griechenland will an den Kapitalmarkt zurück

Das Euro-Krisenland Griechenland hofft, sich nach dem Sommer wieder selbst finanzieren zu können. Erstmals seit 2010 hat das Land nun eine Staatsanleihe mit siebenjähriger Laufzeit an den Markt gebracht.

Das Ziel Griechenlands, sich bald wieder selbst zu finanzieren, sei in sichtbare Nähe gerückt, sagte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici bei einem Treffen mit dem griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos in Athen: "Ich komme in einem wichtigen Moment für Griechenland. Der Ausgang aus dem (Spar)Programm unter sehr guten Bedingungen ist sichtbar."

Nun hat Griechenland trotz der weltweiten Börsenturbulenzen die Rückkehr an den Kapitalmarkt gewagt. Das schuldengeplagte Land brachte eine rund drei Milliarden Euro schwere Anleihe mit einer Laufzeit von sieben Jahren an den Markt.

Günstiger als erwartet

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Die Rendite liegt bei 3,5 Prozent, ursprünglich war mit 3,75 Prozent gerechnet worden, berichtet die griechische Finanzpresse unter Berufung auf Kreise der staatlichen Schuldenagentur. Investoren müssen sich also mit weniger zufrieden geben, was Griechenland Geld spart.

"Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur wieder Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können, sondern dass wir es auch unter Bedingungen können, die nicht ideal sind", sagte Finanzminister Euclid Tsakalotos in Athen. Einem Regierungsvertreter zufolge hatte Griechenland von Investoren mehr als doppelt so viel Geld angeboten bekommen. Im Tagesverlauf hatte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras bereits erklärt, die Transaktion laufe gut und die Nachfrage sei hoch.

Eigentlich wollte die Regierung die Konditionen für die Anleihe bereits am Dienstag festlegen. Doch da waren die Aktienkurse an den weltweiten Börsen abgestürzt und die Nervosität von Anlegern hatte zugenommen.

Auf der Suche nach guter Rendite

Griechische Anleihen werden von den großen Ratingagenturen mit der Note "B" oder schlechter bewertet, haben also Ramsch-Status. Zahlreiche Investoren hätten sich nun von der relativ hohen Rendite von 3,5 Prozent anlocken lassen, sagte ein Hedgefonds-Manager, der seinen Namen nicht nennen wollte.

"Griechenland hat zwar Fortschritte gemacht, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand nun investiert im Glauben, dass die Probleme langfristig gelöst sind." Viele Anleger seien in dem niedrigen Zinsumfeld einfach nur auf der Suche nach einer höheren Rendite und spekulierten auf schnelle Gewinne.

Die Emission gilt als Testballon, bevor das Land im Sommer das Rettungsprogramm verlässt und sich wieder eigenständig refinanzieren will. Im August läuft das derzeitige Hilfsprogramm der internationalen Gläubiger in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro aus. Seit 2010 ist Griechenland nicht mehr in der Lage gewesen, sich dauerhaft und zu guten Konditionen am Kapitalmarkt Geld zu leihen; seither wurden drei internationale Hilfsprogramme aufgelegt.

Psychologisch wichtige Signale

Im Juli 2017 war dem Land ein erster Testlauf für die angestrebte Rückkehr an den Kapitalmarkt gelungen. Damals hatte das Finanzministerium mit Anleihen insgesamt drei Milliarden Euro bei einer Laufzeit von fünf Jahren eingesammelt. Der Zinssatz betrug damals effektiv 4,625 Prozent. Das ist viel verglichen mit den Zinskonditionen von solventen Staaten, aber relativ wenig für griechische Verhältnisse.

Solange das derzeitige Hilfsprogramm noch läuft, hat Griechenland keinen akuten Geldbedarf. Gleichwohl ist das Platzieren neuer Anleihen ein psychologisch wichtiges Signal, das der Regierung außerdem beim Aufbau eines zusätzlichen Finanzpolsters hilft.

EU-Währungskommissar Moscovici wies bei seinem Besuch in Athen darauf hin, dass die Gläubiger und die Regierung in Athen noch klären müssen, unter welchen Bedingungen Griechenland im August wieder selbstständig an die Märkte werde gehen können. Zudem sei noch unklar, wie der griechische Schuldenberg abgebaut werden könne.

Madrid Finanzviertel Alternativschnitt (picture alliance/Robert Harding World Imagery)

Das Finanzviertel in der spanischen Hauptstadt Madrid

Spanien zahlt Kredite vorzeitig zurück

Spanien, das zwischen 2012 und 2013 Hilfsgelder zur Rettung seiner Banken erhalten hatte, ist da deutlich weiter und zahlt ausstehende Kredite beim Euro-Rettungsschirm ESM vorzeitig zurück. Die spanische Regierung werde zum bereits siebten Mal Gelder, die sie im Zuge des Banken-Rettungsprogramms erhalten hatte, vor Ablauf der Frist überweisen, teilte der Europäische Stabilitätsmechanismus in Luxemburg mit.

Diesmal handele es sich um eine Summe von fünf Milliarden Euro. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hatte 2012 und 2013 etwa 41 Milliarden Euro vom ESM zur Rekapitalisierung der Geldinstitute erhalten. Ende 2013 hatte Spanien das ESM-Rettungsprogramm verlassen. 

Von ehemals fünf Ländern, die Hilfen aus dem Schutzschirm und von dessen Vorgänger EFSF in Anspruch genommen haben - Griechenland, Irland, Portugal, Zypern, Spanien - stehen mittlerweile vier wieder auf eigenen Beinen, Griechenland soll Ende August folgen.

bea/uh (dpa, reuters, afp)