Grünen-Chefin Annalena Baerbock: Kurs aufs Kanzleramt | Deutschland | DW | 19.04.2021
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Bundestagswahl

Grünen-Chefin Annalena Baerbock: Kurs aufs Kanzleramt

Parlamentarierin, Völkerrechtlerin, Familienmensch, Ex-Leistungssportlerin: All das ist die Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock. Jetzt wurde sie Kanzlerkandidatin ihrer Partei.

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Wer ist Annalena Baerbock?

Gleich zu Beginn ließ Annalena Baerbock keinen Zweifel darüber aufkommen, wen die Grünen da Anfang 2018 zur Parteivorsitzenden wählen sollten: Mit schwarzer Lederjacke schritt die Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg zum Rednerpult auf dem Wahlparteitag in Hannover und hielt eine leidenschaftliche, kämpferische Bewerbungsrede. Ein Satz daraus wurde in den Tagen und Wochen danach besonders häufig zitiert: "Wir wählen heute nicht die Frau an Roberts Seite, wir wählen die neue Bundesvorsitzende!", rief Baerbock unter dem tosenden Beifall der Delegierten. Am Ende wurde sie klar in das Amt der Grünen-Chefin gewählt.

Annalena Baerbock freut sich am 27.01.2018 mit einem grünen Adler über ihre Wahl zur Bundesvorsitzenden bei einer außerordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Hannover (Niedersachsen).

Kämpferisch mit schwarzer Lederjacke und grünem Adler: Wahl zur Bundesvorsitzenden im Januar 2018

Sie hat Wort gehalten: Zu Beginn weniger bekannt als Robert Habeck, ihr Partner an der Grünen-Spitze, hat sich die heute 40 Jahre alte Baerbock schnell ein eigenes Profil erarbeitet: Als Klimaexpertin der Fraktion; als versierte Außenpolitikerin; als mutige Streiterin gegen Populismus und Ausländerfeindlichkeit. Als das erfolgreiche Duo der Grünen fast zwei Jahre später, im Winter 2019, auf einem Parteitag in Bielefeld bestätigt wurde, erhielt Baerbock satte 97 Prozent der Stimmen. Der "Mann an ihrer Seite", der Ko-Vorsitzende Habeck, kam auf 90 Prozent.

"Das wäre schon ein kleiner Stich ins Herz!"

Das ist das Bild, das sich von Annalena Baerbock eingeprägt hat: Entschlossen, mutig, ehrgeizig, selbstbewusst. Ende März dieses Jahres sagte sie in einem gemeinsamen Interview mit Habeck im Nachrichtenmagazin "Spiegel", sollte am Ende Habeck und nicht sie Kanzlerkandidat werden, dann sei das für sie "schon ein kleiner Stich ins Herz". Bei aller Harmonie an der Spitze, denn: "Wenn man Ehrgeiz hat, will man natürlich zeigen: Ich kann das."

Bundesdelegiertenkonferenz Bündnis 90/Die Grünen 21.11.2020 in Berlin: Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, unterhalten sich beim digitalen Bundesparteitag der Grünen nach der Rede des Vorsitzenden im sogenannten Wohnzimmer.

Harmonisches Duo: Mit Habeck und Baerbock sind die Streitigkeiten in der Grünen-Spitze Geschichte

Ehrgeizig war Baerbock schon immer: Als Jugendliche war die 1980 in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover Geborene Leistungssportlerin. Bei deutschen Meisterschaften im Trampolinspringen belegte sie dritte Plätze. Und ging als 16-jährige für ein Jahr in die USA. Später studierte sie unter anderem öffentliches Recht in Hannover. An der renommierten "London School of Economics and Political Science"  machte sie einen Abschluss in Völkerrecht. Baerbock kann Interviews in fließendem Englisch geben - auch im Jahr 2021 keine Selbstverständlichkeit unter deutschen Politikern.

In die bisherige Zeit ihres Vorsitzes bei den Grünen fallen konstant gute Umfragewerte von um die 20 Prozent im ganzen Land, dazu Wahlerfolge bei den Europawahlen und bei Landtagswahlen. Immer noch Nachholbedarf besteht für die Grünen im Osten Deutschlands. Aber auch da ist Baerbock gut positioniert: Sie lebt schon lange mit ihrem Mann und zwei Kindern in Potsdam unweit Berlins.

Die neuen Bundesvorsitzenden Robert Habeck (r) und Annalena Baerbock gehen am 27.01.2018 bei der außerordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Hannover (Niedersachsen) auf die Bühne.

Sie wird's: Robert Habeck hat das Nachsehen im Kampf um die Kanzlerkandidatur der Grünen.

Für früheren Kohleausstieg und Tempolimit

Baerbock hat wie Habeck wenig Berührungsängste auch mit konservativen Politikern. Seit die beiden an der Spitze der Grünen stehen, ist immer wieder über eine mögliche Koalition von CDU, CSU und Grünen nach der Bundestagswahl 2021 spekuliert worden. Aber Baerbock, die in den Grünen als erstklassig vernetzt gilt, legt deutlichen Wert auf eine eigene, grüne Programmatik. Sie ist dafür, die Kohleverstromung in Deutschland wesentlich früher als 2038 zu beenden, was Kurs der gegenwärtigen Regierung ist. Sie ist für ein Tempolimit auf Autobahnen von 130 Stundenkilometern. Sie ist gegen höhere deutsche Verteidigungsausgaben, auch wenn wichtige Partner wie die USA und auch CDU und CSU das vehement fordern. In ihrem Wahlprogramm sprechen sich die Grünen für wesentlich energischere Schritte beim Klimaschutz aus, was sicher nicht zuletzt auf die Klima-Expertin Baerbock zurück zu führen ist. Potentielle Konfliktpunkte mit dem möglichen Koalitionspartner Union gibt es also genug.

Green Deal der Europäer mit den USA

Im Gespräch mit der DW freute sich Baerbock im Januar 2021 zwar auch über den neuen US-Präsidenten Joe Biden und seine Rückkehr ins Pariser Klimaschutzabkommen. Zugleich formulierte die Grünen-Chefin aber auch klare und konkrete Erwartungen: "Papier allein ist geduldig. Das haben wir in den letzten Jahren erlebt. Deswegen muss diese Situation jetzt von uns Europäern, von der deutschen Bundesregierung, dafür genutzt werden, die Vorschläge, die die US-Administration gemacht hat für eine klimaneutrale Zusammenarbeit, jetzt auch wirklich umzusetzen. Wir müssen uns mit eigenen Vorschlägen eines europäisch transatlantischen "Green Deal" jetzt auf den Weg machen."

Im Wahlprogramm haben die Grünen sich nicht wie in weiten Teilen ihrer Vergangenheit dazu bekannt, am ehesten Bündnisse mit den Sozialdemokraten anzustreben. Rechnerisch wäre nach den Umfragen sowieso nur eine Koalition mit den Linken und der SPD möglich, wenn überhaupt. In Potsdam, dem Wohnort von Annalena Baerbock, kommt es bei der Bundestagswahl auf jeden Fall zu einem brisanten Duell: In der Hauptstadt Brandenburgs ist Baerbock die grüne Kandidatin. Und für die SPD tritt Vize-Kanzler und Finanzminister Olaf Scholz an. Und der ist Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten.

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