Grüne in Niedersachsen gegen Luftballons | Aktuell Deutschland | DW | 12.09.2019
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Umweltschutz?

Grüne in Niedersachsen gegen Luftballons

Niedersachsens Grüne wollen, dass bei Feierlichkeiten keine bunten Ballons mehr in den Himmel aufsteigen. Tiere könnten die Reste fressen, mahnte die Landeschefin Anne Kura.

Demonstration March for Europe in Berlin (picture-alliance/dpa/Silas Stein)

EU-Fans lassen in Berlin Luftballons fliegen: ein No-Go für die Grünen (Archivbild)

Niedersachsens Grünen-Chefin Anne Kura hat klargestellt, dass sie kein grundsätzliches Verbot von Luftballons verlangt. "Wir fordern kein generelles Luftballonverbot. Luftballons auf Kindergeburtstagen im Wohnzimmer sind völlig okay und machen Spaß", sagte Kura der Deutschen Presse-Agentur. "Mir geht es tatsächlich darum, dass, wenn man gasgefüllte Luftballons steigen lässt, die auf jeden Fall in der Natur landen und dann von Vögeln gefressen werden, die daran qualvoll verenden."

Kura hatte das Thema zuvor im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auf die Agenda gesetzt. Vögel und andere Tiere, die die weichen Ballonreste fräßen, würden "dann mit vollem Magen" verhungern, so Kura. Luftballons aus Naturlatex seien deswegen keine wirkliche Alternative.

Anne Kura

Anne Kura

 "Auf der einen Seite steht das kurze schöne Bild von bunten Ballons in der Luft, auf der anderen das von verendeten Vögeln", meint Kura. "Initiativen wie die aus Gütersloh helfen auch, das Bewusstsein für ungewollte Folgen unseres Handelns zu schärfen."

Kura hat sich bei ihrem Vorstoß von der Stadt Gütersloh in Nordrhein-Westfalen inspirieren lassen. Dort soll bei städtischen Veranstaltungen auf den Massenstart von gasgefüllten Luftballons verzichtet werden. Bei privaten Feiern sind Ballons weiterhin erlaubt. Der Gütersloher Beschluss von Anfang September sieht zudem vor, dass in Genehmigungen zur Überlassung öffentlicher Flächen eine Auflage aufgenommen wird, die den Ballonaufstieg untersagt. In Einzelfällen, die auf höherrangigem Recht beruhen, etwa bei Demonstrationen, könne der Aufstieg von Ballons aber nicht verhindert werden, heißt es. 

Wahlkampf Grüne Baden-Württemberg (picture-alliance/dpa/M. Murat)

Im Wahlkampf 2013 hatten sich die Grünen für einen verpflichtenden fleischlosen Tag ausgesprochen und Empörung, Hohn und Spott ausgelöst

Das niedersächsische Umweltministerium wies Forderungen nach einem Ballon-Verbot umgehend zurück. Luftballons, die in den Himmel aufsteigen,  hätten die Menschen schon immer mit Träumen und Hoffnungen verbunden. "Warum sollten wir ihnen diese Gefühle nehmen?", sagte ein Ministeriumssprecher der Zeitung. "Ein Ballonverbot rettet die Welt ganz bestimmt nicht."

Auch die liberale FDP kritisierte den Vorstoß der Grünen. "Der Überbietungswettbewerb der Verbote geht weiter", erklärte der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer. Er warf den Grünen eine "Öko-Radikalisierung" vor, die immer mehr Menschen in die Arme der AfD treibe.

Die EU hatte im März ein künftiges Verbot von Einweggeschirr und anderen Wegwerfprodukten aus Kunststoff beschlossen. Auf ein Verbot, etwa bei Kindergeburtstagen Luftballons fliegen zu lassen, verzichtete das Europaparlament. Allerdings sollen Kennzeichnungen mit Hinweisen für eine möglichst umweltschonende Entsorgung vorgeschrieben werden.

uh/stu (afp, dpa)