Gottes Stimme klingt anders | Deutschland evangelisch-katholisch | DW | 31.07.2020
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Deutschland evangelisch-katholisch

Gottes Stimme klingt anders

Von Gottes Stimme ist in der Bibel immer wieder die Rede. Aber nicht nur zu biblischen Zeiten teilte Gott sich den Menschen mit. Seine Stimme will auch heute gehört werden. Aber wie klingt sie?

Für die großen Gestalten der Bibel ist Gottes Stimme ein Wegweiser: König Salomo zum Beispiel bittet Gott bei seinem Regierungsantritt um ein „hörendes Herz“ (1. Könige 3, 5). Salomo baut auf die Stimme Gottes wie schon andere vor ihm: Abraham, der der Stimme Gottes folgt und aus seinem Heimatland auszieht oder Mose, der am Sinai steht und mit Gott spricht, als er die Steintafeln mit den 10 Geboten erhält.

Die Bibel geht davon aus, dass Menschen Gottes Stimme zu allen Zeiten wahrnehmen können.  Der Hebräerbrief formuliert es so: „Heute, wenn Ihr seine Stimme hört, verhärtet Eure Herzen nicht!“ (Hebräer 4,7).

Wer sein Herz hart macht gegenüber anderen oder sich selbst, erstarrt. Diese Erstarrung ist – besonders Körpertherapeuten wissen es - keineswegs nur eine geistige Haltung. Bis in tiefe Muskelschichten hinein können solche Verhärtungen wirken. Angst zum Beispiel kann sich im Körper festsetzen - und am Ende sogar Schmerzen verursachen.

Aber auch umgekehrt gilt: Wenn Angst sich lösen darf, zum Beispiel durch tröstende Gegenwart anderer, werden Menschen ruhiger. Vielleicht kehrt sogar innerer Frieden ein. Ist es vielleicht Gottes Stimme, die sich Gehör verschafft? Die mit ihrem Klang Erstarrtes zum Schwingen bringt und zurück ins Leben ruft? Wie mag die Stimme Gottes klingen? Und wie kann ich Gottes Stimme unterscheiden von den vielen anderen, die sich Gehör verschaffen wollen?

Klar ist eines: Wenn Gott spricht, kann dieser Augenblick mein Leben wenden. Und zwar so, dass sich etwas löst im Inneren.

Menschen sind in der Lage, eine besondere Stimme herauszufiltern und alle anderen Geräusche in den Hintergrund treten zu lassen. Diese Fähigkeit ermöglicht es uns, unsere Aufmerksamkeit zu fokussieren. Voraussetzung ist eine grundsätzliche Bereitschaft zum Hören. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn wenn ich mich nicht ansprechen lasse - wie soll ich zuhören können?

Davon möchte ich im Folgenden erzählen:

Katja und Hilde haben sich im Krankenhaus kennen gelernt, als sie wegen eines Brusttumors operiert werden mussten. Die beiden Frauen kamen sich näher und unterstützten sich gegenseitig in den folgenden Monaten, um mit den Folgen der Bestrahlung und Chemotherapie fertig zu werden. Irgendwann kehrten beide in ihren Alltag zurück. Der Kontakt wurde spärlicher und irgendwann verloren sich die beiden Frauen aus den Augen. Bis Katja eine SMS erhielt: „Kannst Du mich anrufen? Es geht mir nicht gut und ich würde gern mit Dir sprechen.“

Als Katja anruft, erwischt sie einen ungünstigen Zeitpunkt: Gerade ist Besuch gekommen, Hildes Sohn ist da mit dem Enkelkind. Einige Tage später ruft Katja erneut an. Sie erschrickt, als sie die Stimme der Freundin hört. Hildes Stimme klingt so schwach! Sie erzählt von einer erneuten Chemotherapie, die aber abgebrochen werden musste. Ein Palliativteam wird nun in die Behandlung eingebunden. Katja verschlägt es die Sprache. Was für eine Entwicklung!

Dann erzählt Hilde von ihrem Enkel: „Vier Monate alt ist er jetzt und so ein fröhlicher kleiner Kerl! Es ist einfach herrlich, wenn ich ihn im Arm habe! Wenn er mich dann anlacht, wird alles andere unwichtig!“ Dabei bekommt ihre Stimme plötzlich einen anderen Klang. Sie wird freier, stabiler und gewinnt an Resonanz. Dieser freie Klang bleibt, auch als sie von den nächsten Schritten erzählt, die jetzt notwendig werden.

Hilde wird einen schweren Weg zu Ende gehen, darüber sind sich beide Frauen im Klaren. Aber Hilde geht ihn nicht ohne Trost. Sie schöpft Kraft aus der Nähe zu Menschen, die sie lieben. Das Lächeln ihres Enkels tut gut, wenn die Angst stärker wird. Die Erinnerung an solche kostbaren Augenblicke begleitet sie und wärmt sie.

„Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast Du Dir eine Macht zubereitet“, heißt es im

8. Psalm. Der Beter hört darin die Stimme Gottes. Denn sie lockt mit aller Kraft ins Leben und überwindet die Angst.