Google stoppt Auswertung von Sprachaufnahmen | Aktuell Europa | DW | 01.08.2019
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Datenschutz

Google stoppt Auswertung von Sprachaufnahmen

Im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens hat der Internetriese zugesagt, Mitschnitte seiner Sprachassistenten in Europa nicht mehr von Mitarbeitern auswerten zu lassen - vorerst.

Google Home (picture-alliance/dpa/F. Duenzl)

Der intelligente Lautsprecher Google Home reagiert auf Fragen und Befehle

Google stoppt in Europa die Praxis, Aufnahmen seines Sprachassistenten Google Home auch von Menschen auswerten zu lassen. Der Internet-Konzern reagiert damit auf einen Vorstoß des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar. Wie dieser mitteilte, gilt der Stopp zunächst für drei Monate in der gesamten EU.

Caspar hatte ein Verwaltungsverfahren gegen den Internet-Konzern eingeleitet, um das Anhören der Mitschnitte durch Google-Mitarbeiter oder Dienstleister zu untersagen. Drei Monate sind die Frist, für die er maximal eingreifen kann, denn grundsätzlich zuständig für Google in Europa ist die irische Datenschutzbehörde. In dem Land hat Google seine EU-Zentrale. Die Hamburger Datenschutzbehörde ist für Deutschland zuständig, weil der Internetkonzern dort seine Deutschlandzentrale hat.

"Erhebliche Zweifel" an Einhaltung des Datenschutzes

Caspar regte ähnliche Maßnahmen der zuständigen Behörden auch gegen andere Sprachassistenten wie Amazons Alexa und Apples Siri an. In den vergangenen Monaten war bekanntgeworden, dass Amazon, Google und Apple bei ihren Sprachassistenten einen Teil der Aufnahmen auch von Menschen auswerten lassen, um die Genauigkeit der Spracherkennung zu verbessern. Zugleich hatte der Finanzdienst Bloomberg berichtet, dass Amazon-Dienstleister zum Teil auch die Seriennummern der Geräte und den Vornamen des Nutzers angezeigt bekämen.

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Caspar verwies speziell auf die vor einigen Wochen bekanntgewordenen Mitschnitte von Google-Home-Aufnahmen aus den Niederlanden. Wie sich durch den Bericht der Whistleblower gezeigt habe, ließen sich den aufgezeichneten Gesprächen zum Teil sensible personenbezogene Informationen aus der Privat- und Intimsphäre der Betroffenen entnehmen, so der Datenschützer. Zudem seien die Aufnahmen teilweise auch wegen fehlerhafter Aktivierung gestartet worden. Damit bekam Google Sätze mit, die gar nicht für den Sprachassistenten gedacht waren. Caspar erklärte, er habe "erhebliche Zweifel", dass der Google Assistant die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erfülle. Sie sieht unter anderem vor, dass Nutzer über die Verwendung ihrer Daten ausreichend informiert werden müssen, um zustimmen zu können.

Laut Google werden Audio-Fragmente anonymisiert

Bis zu den ersten Medienberichten war kaum öffentlich bekannt, dass auch Menschen die Aufnahmen der Sprachassistenten zu hören bekommen. Apple verweist allerdings schon länger in einem Sicherheitsdokument darauf, dass auch "eine geringe Anzahl von Transkriptionen" für die Verbesserung des Dienstes eingesetzt werden kann. 

Google hatte bereits nach dem Whistleblower-Bericht im Juli erklärt, dass es bei der Praxis darum gehe, das Verständnis unterschiedlicher Sprachen zu verbessern. Dafür würden nur rund 0,2 Prozent aller Sprach-Mitschnitte von Sprach-Experten ausgewertet. Die Audio-Fragmente würden anonymisiert und die Mitarbeiter seien angewiesen, nur an den Sprachassistenten gerichtete Sätze abzutippen.

ie/kle (dpa, afp)

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