Goldener Bär für einen Israeli in Paris | Filme | DW | 16.02.2019
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Berlinale

Goldener Bär für einen Israeli in Paris

Die Jury hat entschieden: "Synonymes" des israelischen Filmemachers Nadav Lapid ist der beste Film der 69. Berlinale. Der Silberne Bär für einen Film, der neue Perspektiven öffnet, ging an eine deutsche Regisseurin.

Es war kein berauschender Wettbewerbs-Jahrgang, da sind sich die Kritiker weitgehend einig. Einer der Filme, die auffielen, bekommt von der Jury nun den Goldenen Bären: "Synonymes" von Regisseur Navad Lapid erzählt die Geschichte von Yoav (Tom Mercier), einem jungen Israeli, der - frisch aus dem Militärdienst entlassen - durch Paris streunt und versucht, seine Heimat hinter sich zu lassen. Dabei ist er durchaus radikal: Er weigert sich, Hebräisch zu sprechen, durchquert Paris rastlos, impulsiv - stets begleitet von einem französischen Wörterbuch voller Synonyme.

Die Geschichte hat autobiographische Züge und ist der vierte Spielfilm des 43-Jährigen. Schon seine früheren Filme, wie "Policeman"(2011) und "Ich habe ein Gedicht" (2014), fielen auf. Mit "Synonymes" spürt er dem Thema Heimat, Identität und ihrer Last nach - skurril, originell und witzig.

Aktuelle Themen

Den großen Jurypreis bekommt das Drama "Grâce à Dieu" von François Ozon: Der ist besonders aktuell und brisant. Seit 2014 wurden immer neue pädophile Straftaten in der Erzdiözese Lyon und ihre Vertuschung durch Kirchenobere publik. 2016 wurde Anklage gegen den Priester Bernard Preynat, um den es auch im Film geht, erhoben; die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Im Januar 2019 fand ein Gerichtsverfahren gegen Kardinal Barbarin und sechs andere Geistliche wegen der Nichtanzeige der Fälle statt. Das Urteil wird für März erwartet.

Zwei Deutsche Filmemacherinnen ausgezeichnet

Der Silberne Bär/Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet, ging an "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt. Der deutsche Film erzählt die Geschichte eines neunjährigen Mädchens, mit dem alle pädagogischen Systeme überfordert sind. Den Silbernen Bär für die Beste Regie vergab die sechsköpfige Internationale Jury unter Vorsitz von Juliette Binoche ebenfalls nach Deutschland: Ihn erhielt Angela Schanelec für die deutsch-serbische Produktion "Ich war zuhause, aber". Der Film handelt vom Verschwinden eines 13-jährigen Schülers.

Preise der unabhängigen Jurys

Den FIPRESCI-Preis der Filmkritiker bekam ebenfalls "Synonymes", den Preis der ökumenischen Jury bekam "God Exists, Her Name Is Petrunya", von der mazedonischen Filmemacherin Teona Strugar Mitevska: eine Balkansatire, die von der Dominanz der Religion und der Machokultur in ihrer Heimat erzählt. Der Film war bei Publikum und Kritikern gut angekommen. Auch der Gilde-Filmpreis ging an diesen Film, dem ersten mazedonischen Beitrag im Wettbewerb überhaupt. Den Ehrenbär hatte zuvor bereits Regisseurin Agnes Varda verliehen bekommen.

Frischer Wind mit Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek

69. Berlinale Preisverleihung | (Reuters/H. Hanschke)

Staffelübergabe: Dieter Kosslick, Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek

Es ist der letzte Jahrgang unter der Leitung von Festivalleiter Dieter Kosslick. Neu übernehmen 2020 der Italiener Carlo Chatrian, der zuvor die Filmfestspiele in Locarno verantwortete, flankiert von der Niederländerin Mariette Rissenbeek. Die Berlinale ist das weltgrößte Zuschauerfestival. Insgesamt wurden 2019 wieder über 400 Filme präsentiert. 16 davon liefen im Wettbewerb um die begehrten Goldenen und Silbernen Bären. 

jhi/AR (dpa/kna)

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