Forscher fürchten neue Konflikte wegen Corona | Aktuell Welt | DW | 10.06.2020
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Krieg und Gewalt

Forscher fürchten neue Konflikte wegen Corona

Der "Global Peace Index" bildet jedes Jahr ab, wie es um den Frieden in der Welt steht. Dieses Mal schreiben die Experten besondere Warnungen in ihren Bericht. Die Corona-Pandemie verheißt nichts Gutes.

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Die Friedlichkeit nimmt wieder ab

Als Konsequenz der Corona-Pandemie könnten Gewalt und Konflikte in vielen Regionen der Welt zunehmen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Internationalen Instituts für Wirtschaft und Frieden (IEP) mit Hauptsitz im australischen Sydney. Die Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen hätten massive Auswirkungen auf die Gesellschaft, heißt es im "Global Peace Index 2020".

Gerade Länder, die ohnehin instabil und von Spannungen geprägt seien, kämen so noch stärker unter Druck, schreiben die Forscher mit Blick auf drohende Hungersnöte in Afrika und das Ringen um begrenzte Ressourcen. Das IEP bewertet jedes Jahr die Lage in mehr als 160 Ländern der Welt anhand von Kriterien wie beispielsweise Krieg, Terrorismus, Polizeigewalt und Waffenexporten.

"Die Welt ist weniger friedlich"

Das IEP verzeichnete weltweit einen Rückgang friedlicher Verhältnisse in neun von zwölf der vergangenen Jahre. Das gilt auch für den Berichtszeitraum 2019. "Die Welt ist erheblich weniger friedlich, als sie 2008 war", heißt es im jüngsten Index. Dabei lasse sich aber eine Zweiteilung beobachten - in Gruppen von je 80 Ländern. Bei der einen Gruppe verbesserte sich die Situation, bei der anderen wurde sie schlechter.

Kämpfer in der libyschen Hauptstadt Tripolis (Foto: Getty Images/AFP/M. Turkia)

Kämpfer in der libyschen Hauptstadt Tripolis (Archivbild)

Die Corona-Pandemie dürfte die Situation weiter belasten, auch deshalb, weil Kürzungen bei der Entwicklungshilfe und bei UN-Friedensmissionen zu erwarten sind. Das könne anfällige und von Konflikten betroffene Länder wie Liberia, Afghanistan und Südsudan weiter destabilisieren, so die Forscher.

Zudem seien Staaten wie Brasilien, Pakistan und Argentinien durch wirtschaftliche Turbulenzen einem höheren Risiko durch politische Instabilität, Unruhen und Gewalt ausgesetzt. Allerdings gebe es auch einen positiven Effekt der Corona-Krise: Möglicherweise seien Stellvertreter-Kriege künftig schwerer zu finanzieren. Ob sich beispielsweise das Engagement Saudi-Arabiens im Jemen oder Russlands in Syrien tatsächlich verringere, sei freilich offen.

Deutschland auf Rang 16

Deutschland stieg im Ranking der friedlichsten Länder um sechs Plätze nach oben und wird nun an 16. Stelle geführt. Die Schweiz rangiert unverändert auf Platz zehn, Österreich wie im vergangenen Jahr auf Platz vier. Das dem Index zufolge friedlichste Land der Welt ist Island. An letzter Stelle steht Afghanistan.

Rauchwolke nach einer schweren Explosion in der afghanischen Hauptstadt Kabul (Foto: Getty Images/AFP/W. Kohsar)

Rauchwolke nach einer schweren Explosion in der afghanischen Hauptstadt Kabul (Archivbild)

Die Verbesserung in Deutschland gehe auf eine ganze Reihe von Indikatoren zurück, sagte IEP-Gründer Steve Killelea der Deutschen Presse-Agentur. Dazu gehörten eine Abnahme von Waffenexporten, eine geringere Zahl an Tötungsdelikten sowie ein Rückgang terroristischer Vorfälle.

Auch weltweit ist die Zahl der Toten durch terroristische Angriffe rückläufig. Starben 2015 etwa 33.500 Menschen durch Terrorismus, so waren es im vergangenen Jahr noch 8000. In 100 Ländern gingen zudem die Militärausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt zurück, in 133 Staaten sank der Anteil der Militärangehörigen gemessen an der Gesamtbevölkerung.

Eine Zunahme verzeichnet der Index dagegen bei inneren Unruhen. Im Jahr 2019 waren fast 60 Prozent aller Länder von gewaltsamen Protesten betroffen. Die IEP-Experten beobachten hier einen Langzeit-Trend: Die Zahl der Ausschreitungen weltweit hat sich demnach in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdreifacht. Die ökonomischen Kosten von Gewalt und Konflikten im Jahr 2019 beziffert das IEP weltweit auf 14,5 Billionen US-Dollar (umgerechnet rund 12,8 Billionen Euro).

jj/qu (dpa, afp, epd)

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