Gleich zwei Begriffe zum ″Unwort des Jahres 2020″ gekürt | Kultur | DW | 12.01.2021
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Sprachkritische Aktion

Gleich zwei Begriffe zum "Unwort des Jahres 2020" gekürt

"Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur" sind als Paar zum "Unwort des Jahres 2020" gewählt worden. Das Thema Corona dominierte die Einreichungen.

Die aktuelle politische Debatte und der jeweilige Zeitgeist spiegeln sich jedes Jahr in der Wahl des Unwortes wider. Zum ersten Mal kürte die Jury der sprachkritischen Aktion als 30. Unwort ein Wortpaar: "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur". 

Die ehrenamtlich und institutionell unabhängig arbeitende Jury kreiert nicht etwa selbst ein Unwort. Sie ist auf Einsendungen aus der Bevölkerung, die bis zum 31.12. des Vorjahres schriftlich vorliegen müssen, angewiesen. Für das Unwort 2020 gingen 1826 Einsendungen ein, vorgeschlagen wurden 625 unterschiedliche Begriffe.

Viele kreisten um das dominierende Thema des Jahres 2020, die Corona-Pandemie. Wie die Jury bekanntgab, waren auch die Ausdrücke "Absonderung", "Systemling", "Wirrologen" oder "Grippchen" darunter. Mit der Doppelwahl möchte sie laut einer Pressemitteilung darauf aufmerksam machen, "dass auch in anderen Themenbereichen weiterhin inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet werden."

Für 2020 existiert auch ein "Wort des Jahres"

Deutschland Corona-Pandemie | Impfstart in Pfaffenhofen | Eine Frau mit Schutzbrille und Mundschutz hält eine Impfstoffdose in der von einem Handschuh geschützten Hand

Begriffe um die Corona-Pandemie prägten die Wahlen zum "Wort des Jahres" und zum "Unwort des Jahres 2020"

"Corona-Pandemie" war bereits Ende November 2020 zum "Wort des Jahres" gekürt worden. Die Entscheidung darüber liegt in der Hand der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Die GfdS kürte erstmals 1971 ein "Wort des Jahres" und tut dies seit 1977 regelmäßig.

Über das jährliche "Unwort" wird seit 1991 entschieden. In den vergangenen Jahren entschieden beispielsweise "Klimahysterie" (2019),"alternative Fakten" (2017), "Gutmensch" (2015) oder "Döner-Morde" (2011) die Wahl für sich.

Die Wahl zum jeweiligen "Unwort"

Ein Unwort ist laut Lexikoneintrag ein "unschönes Wort" beziehungsweise kann es sich um ein "unangebrachtes Wort" oder gar um einen "üblen Ausdruck" handeln. Wie Unwörter entstehen, erklärt die sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" auf ihrer Webseite: "Sprachliche Ausdrücke werden dadurch zu Unwörtern, dass sie von Sprechern entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden, und dies im öffentlichen Kontext." Vor allem vier Bereichen widmet die Jury ihren sprachkritischen Blick. Sie ahndet mit ihrer Wahl beispielsweise Verstöße gegen das Prinzip der Menschenwürde oder gegen die Prinzipien der Demokratie.

Wie oft ein Begriff von unterschiedlichen Personen eingereicht werden würde, ist für die Entscheidung weniger prägend als die inhaltlichen Kriterien. Am häufigsten seien 2020 "systemrelevant" (180) und "Querdenker" (116) vorgeschlagen worden. Es gab aber auch Vorschläge aus anderen Themengebieten, beispielsweise eben aus dem Feld Migration, darunter "Abschiebepatenschaft" und "Migrationsabwehr".

Die Jury, die mit ihrer kritischen Wahl "mehr Verantwortung im sprachlichen Handeln" erzielen möchte, besteht aus vier Sprachwissenschaftlern, die an unterschiedlichen deutschen Universitäten lehren, und einem Journalisten sowie einem weiteren sprachinteressierten Mitglied aus dem Bereich des öffentlichen Kultur- und Medienbetriebs.

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