Gezielter Anschlag auf Journalisten in Kabul | Aktuell Asien | DW | 30.04.2018
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Afghanistan

Gezielter Anschlag auf Journalisten in Kabul

Bei mehreren Bombenanschlägen in verschiedenen Teilen Afghanistans sind zahlreiche Menschen getötet worden. Bei einem der Anschläge wurden absichtlich Reporter getötet, bei einem anderen starben viele Kinder.

Sicherheitskräfte stehen in der Wolke der zweiten Explosion (picture-alliance/dpa/M. Hossaini)

Sicherheitskräfte stehen in der Wolke der zweiten Explosion

Bei zwei Sprengstoffanschlägen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 25 Menschen getötet und 49 weitere schwer verletzt worden. Unter den Toten sind mindestens neun Journalisten. Ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad habe die erste Detonation an einer Kontrollstelle nahe des Geheimdienstquartiers ausgelöst, sagte ein Polizeisprecher. Bei den Opfern handle es sich um Zivilisten, berichteten Medien unter Berufung auf Sicherheitskräfte. In dem Stadtviertel befinden sich auch die US-Botschaft und das NATO-Hauptquartier. 

Ein Verletzter wird in Sicherheit gebracht (picture-alliance/dpa/R. Gul)

Ein Verletzter wird in Sicherheit gebracht

Dem Innenministerium zufolge galt der zweite Anschlag offensichtlich gezielt den Reportern. Sie waren nach der Explosion der ersten Bombe an den Anschlagsort geeilt, um von dort zu berichten. Die zweite Bombe detonierte etwa eine halbe Stunde nach der ersten und traf die an einer Sicherheitsabsperrung wartenden Berichterstatter. Ein als Medienvertreter getarnter Selbstmordattentäter habe sich zu der Gruppe gesellt, einen Presseausweis vorgezeigt und dann den Sprengsatz gezündet, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) beanspruchte die Tat für sich.

Verletzte werden nach dem zweiten Anschlag versorgt (Reuters/O. Sobhani)

Verletzte werden nach dem zweiten Anschlag versorgt

Die Reporter waren alle afghanische Staatsbürger. Sieben von ihnen arbeiteten für afghanische Medien. Der Chef-Fotograf der französischen Nachrichtenagentur AFP, Shah Marai, war unter den Todesopfern, wie die Agentur auf Twitter mitteilte. AFP-Informationsdirektorin Michèle Léridon würdigte den getöteten Fotografen für seinen Mut. Von oft "traumatischen und schrecklichen Ereignissen" habe er mit "vollendeter Professionalität" berichtet. Sein Tod sei ein "schrecklicher Schlag" für die gesamte Nachrichtenagentur. Zahlreiche Kollegen verschiedener Medien zollten dem Fotojournalisten auf Twitter Tribut. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters wurde durch Granatsplitter leicht verletzt.

Bei einem Angriff im Osten Afghanistans wurde außerdem ein Reporter des britischen Rundfunksenders BBC getötet. In einer in Kabul veröffentlichten Mitteilung informierte der Sender über den Tod des afghanischen Reporters Ahmad Shah. Der Angriff habe sich in der afghanischen Provinz Chost ereignet.

Bei einem weiteren Anschlag in Kandahar im Süden des Landes wurden nach Polizeiangaben elf Kinder getötet und 16 weitere Menschen verletzt, wie die Polizei mitteilte. Der Sprengstoffanschlag wurde im südafghanischen Kandahar auf einen NATO-Konvoi verübt, um den sich zahlreiche Kinder geschart hatten, wie Behördenvertreter mitteilten. Bei dem Anschlag nahe des Flughafens wurden demnach 16 weitere Menschen verletzt, unter ihnen fünf rumänische Soldaten und zwei afghanische Polizisten. Zu dieser Tat bekannte sich zunächst niemand.

Die Taliban, die ein streng islamisches Regime in Afghanistan errichten wollen, hatten vergangene Woche ihre Frühjahrsoffensive angekündigt. Seitdem kam es zu heftigen Kämpfen in mehreren Teilen des Landes. Vor einer Woche waren bei einem Bombenanschlag in Kabul 60 Menschen getötet worden. 

In der Provinz Nangarhar wurde zudem bei einem Anschlag der Chef der Kriminalpolizei des Distrikts Behsud getötet. Der Vize-Bezirksgouverneur sowie drei weitere Polizisten seien verletzt worden, berichtete der Sender Tolo News unter Berufung auf Behörden. Diesen Anschlag reklamierte bisher niemand für sich.

Frankreich verurteilte den Doppelanschlag in Kabul aufs Schärfste. Angesichts der getöteten Journalisten sprach die Regierung in einer Stellungnahme auf der Webseite ihrer Botschaft in Kabul ihre Unterstützung für die Presse- und Meinungsfreiheit aus. Sie seien "zentrale Stützen einer demokratischen und freien Gesellschaft in Afghanistan." Auch die USA würdigten in einer Mitteilung auf der Internetseite ihrer Botschaft die "tapferen Journalisten", die bei ihrer Arbeit ums Leben kamen. "Wo die Medien in Gefahr sind, sind alle anderen Menschenrechte umso mehr bedroht", hieß es. 

Nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" (ROG) ist Afghanistan das drittgefährlichste Land für Journalisten hinter Syrien und Mexiko. Neun Journalisten verloren dort demnach 2017 in Verbindung mit ihrer Arbeit ihr Leben.

Der Oberkommandierende der NATO-Streitkräfte in Afghanistan, John Nicholson, verurteilte ebenfalls die "feigen Anschläge" in der Hauptstadt. Zugleich drohte er, die "Feinde Afghanistans" könnten nicht gewinnen. "Aktionen wie diese stärken nur unseren unerschütterlichen Einsatz für die Menschen in Afghanistan." 

Bei den Explosionen vom Montag handelt es sich bereits um den achten größeren Anschlag in Kabul seit Jahresanfang. In den ersten vier Monaten des Jahres wurden in der afghanischen Hauptstadt Hunderte Menschen getötet und verletzt. 

stu/uh (rtr, dpa, afp)