Gewaltsame Proteste gegen Lebensbedingungen in Bosnien | Aktuell Europa | DW | 07.02.2014
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Aktuell Europa

Gewaltsame Proteste gegen Lebensbedingungen in Bosnien

Die Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina macht ihrer Wut über die schlechten Lebensbedingungen und die miserable Wirtschaftslage Luft. Die Anti-Regierungs-Proteste sind die schwersten Unruhen seit dem Krieg von 1992-95.

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Gewaltausbruch in Bosnien nicht überraschend

Es ist der dritte Tag in Folge, an dem sich Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei liefern. Bei Ausschreitungen in der bosnischen Stadt Tuzla steckten Demonstranten Gebäude der Regionalregierung in Brand. Um den Flammen zu entkommen seien mehrere Menschen aus den Fenstern gesprungen, berichten Augenzeugen. Schätzungsweise 10.000 Menschen waren in der Stadt im Nordosten des Landes auf die Straße gegangen, um auf ihre Armut aufmerksam zu machen und gegen Korruption zu protestieren.

An die Politiker der Region gewandt skandierten die Menschen "Diebe, Diebe!" Die Demonstranten hatten sich mit Pflastersteinen, Knüppeln und Feuerwerkskörper bewaffnet. Die Polizei trieb die Menge am Abend mit Tränengas auseinander. Tuzla war in den vergangenen Jahren nach der Privatisierung von Unternehmen besonders stark von Fabrikschließungen betroffen.

Die Proteste weiten sich aus

In der Hauptstadt Sarajevo wurden ein Trakt des Präsidialamtes sowie der Sitz der Regionalregierung in Brand gesetzt. Zuvor hatten Demonstranten versucht, den Amtssitz des Präsidenten zu stürmen. Auch in weiteren Städten gingen Regierungsgebäude in Flammen auf. Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschosse und Blendgranaten gegen Demonstranten ein. Allein in Sarajevo wurden 60 verletzte Polizisten und 40 verletzte Demonstranten gemeldet. Die Regierung kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen und rief die Demonstranten zu Verhandlungen auf.

Empörung gegen Armut und Korruption

Ein Demonstrant rennt mit einem Stein in der Hand auf Polizisten zu (Foto: afp)

Die Gewalt bei den Auseinandersetzungen nimmt zu

"In diesem Land ereignet sich ein Tsunami der bestohlenen Bürger", kommentierte der bosnische Innenminister Fahrudin Radoncic die Demonstrationen. Er rief die Regionalregierung in Tuzla auf zurückzutreten. Die Polizisten sollten keine Gewalt gegen ihre Mitbürger anwenden, verlangte der Innenminister weiter.

Auslöser der seit Mittwoch eskalierenden Demonstrationen waren Forderungen von Arbeitern, die keinen Lohn erhalten hatten. Zunächst war es in vier Städten zu Solidaritätsaktionen gekommen, dann mündeten diese in eine breite Bewegung gegen die schlechte Wirtschaftslage, hohe Arbeitslosigkeit und die grassierende Korruption.

Schlechte Bedingungen in Bosnien

Seit dem Bürgerkrieg (1992-1995) steckt Bosnien in einer Krise. Das Land hat mit 27,5 Prozent die höchste Arbeitslosenquote auf dem Balkan. Eine wirtschaftliche Erholung wird dadurch erschwert, dass wirtschaftliche und politische Posten nach einem Quotensystem unter den drei Volksgruppen Serben, Kroaten und Bosniern vergeben werden müssen. Der Dauerkonflikt zwischen muslimischen Bosniaken, orthodoxen Serben und katholischen Kroaten legt das Land immer wieder lahm.
Der Staatshaushalt wird zum größten Teil von ineffektiver Verwaltung und Korruption aufgezehrt. Große Teile der Bevölkerung sind bitterarm. Die Industrie ist zerstört, ausländische Investitionen bleiben aus.

cw/sti (dpa, rtr)

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