Geniale Köpfe: Bauhaus-Ideen werden zu Design-Ikonen | Kunst | DW | 16.01.2019
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Start Bauhausjahr 2019

Geniale Köpfe: Bauhaus-Ideen werden zu Design-Ikonen

Sie waren Kinder ihrer Zeit. Doch was wollten die Künstler des Bauhauses um den Gründer Walter Gropius? Und was ist von ihren Ideen geblieben? Ein Überblick zum offiziellen Start des Bauhausjubiläums 2019.

Als Walter Gropius 1919 das "Staatliche Bauhaus in Weimar" aus der Taufe hob, ahnte niemand, wie revolutionär seine Ideen sein würden - vom Zusammenschluss von Kunst, Industrie und Handwerk, vom modernen Bauen, von der Formulierung einer einheitlichen Stilsprache. Mit der Formel "form follows function" ("Funktionalität vor Form") entpuppte sich Gropius als Revolutionär: Bauhaus-Produkte sollten schlichte, einfache Formen annehmen.

Bauhaus Universität Weimar Außenansicht (Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Nathalie Mohadjer)

Die Bauhaus-Universität in Weimar heute

Die Vorgeschichte leuchtet ein: Ende des 19. Jahrhunderts will das aufstrebende Deutschland die Briten als führende Wirtschaftsmacht in Europa ablösen. Industrielle Produktionsweisen und handwerkliche Verfahren schwappen von der Insel herüber. Die preußischen Kunstgewerbeschulen, bis dahin rein künstlerisch orientiert, orientieren sich am englischen Vorbild und richten Werkstätten ein. Moderne Künstler wie Peter Behrens oder Henry van de Velde übernehmen die Leitung der Kunstgewerbeschulen in Düsseldorf und Weimar.

Deutsches Design für die Welt

Gut gestaltete Industriegüter sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das spricht sich herum, und so wird 1907 in München der "Deutsche Werkbund" gegründet. Deutsche Produkte sollen auf dem Weltmarkt durch "gute Gestaltung", durch beste "Funktionalität und Materialgerechtigkeit" herausstechen.

Große Firmen wie Bahlsen oder AEG lassen ihre gesamte Produktpalette und Architektur von Künstlern des Werkbundes entwerfen. Ihre Hoffnung: ein Siegeszug des deutschen Designs.

Walter Gropius, 1933 (picture-alliance/AP Photo)

Bauhaus-Gründer Walter Gropius

Die Wirtschaft boomt, das nationale Bewusstsein erstarkt. Doch der Erste Weltkrieg droht. Eine kulturkritische, reformerische Gegenbewegung formiert sich. Einer ihrer Vordenker in der Kunst ist Walter Gropius. Der junge Architekt hat sich mit wagemutigen, modernen Bauten schon einen Namen gemacht, während er theoretische Schriften verfasst.

Nach dem Krieg löst er Henry van de Velde als Leiter der "Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Künste" ab - und packt die Gelegenheit beim Schopf: Er ruft die modernste und umstrittenste Kunstschule der 1920er Jahre ins Leben - das "Staatliche Bauhaus in Weimar".

Eine Kathedrale für das Bauhaus-Manifest

Lehrende heißen hier nicht Professoren, sondern "Meister". Zu ihnen gesellen sich namhafte Künstler wie Feininger, Kandinsky, Marcks oder Klee. Später stoßen Bauhaus-Absolventen als Jungmeister hinzu. Gastdozenten und Vortragsredner machen die universelle Ausbildung der Bauhaus-Studenten komplett. Den Titel des Bauhaus-Manifests ziert Lyonel Feiningers "Kathedrale", ein Holzschnitt, der zeigt, wohin die Reise gehen soll: Handwerk und Kunst bilden eine Einheit.

Ein Geldschein im Bauhaus-Design (picture-alliance/ZB)

Bauhauskünstler Herbert Bayer entwarf diesen Geldschein während der Inflation

Als Bauhaus-Mann der ersten Stunde leitet der Maler Lyonel Feininger die Druckerei. Bald darauf erscheint eine Mappe mit Holzschnitten Feiningers - die erste Veröffentlichung des Bauhauses. Seine Arbeiten am Bauhaus machen Feininger zu einem der wichtigsten Künstler der Klassischen Moderne. Seine Werke gelangen in zahlreiche Ausstellungen - im Berliner Kronprinzenpalais ebenso wie im New Yorker Museum of Modern Art. Auf der Flucht vor den Nazis, die seine Bilder als "entartet" brandmarken, emigriert Feininger 1937 in die USA.

Nazis finden Bauhaus-Kunst "entartet"

Mit Gerhard Marcks betritt 1919 ein Bildhauer und Grafiker die Bauhaus-Bühne. Gropius beruft ihn zum Formmeister der Keramikwerkstatt. Unter Marcks' Einfluss entstehen experimentelle Keramikgefäße und - als ein Technologiesprung einsetzt - erste Prototypen zur seriellen Produktion. Viele bekannte Töpferwaren kommen aus der Bauhaus-Keramik-Werkstatt - etwa die Kaffeemaschine Sintrax (1924). Schon 1924 verlässt Marcks das Bauhaus.

Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe (picture-alliance/ dpa)

Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe

Zwischenzeitlich tritt Oskar Schlemmer eine Meisterstelle in Weimar an. Der Maler, Bildhauer und Bühnenbildner leitet zunächst die Bauhaus-Werkstatt für Wandmalerei, später auch die für Holz- und Steinbildhauerei und war zuletzt Leiter der Bühnenwerkstatt. Er entwirft Bühnenbildner, durch die seltsam anmutende Kostümkörper tanzen, sogenannte Figurinen. In seinen Arbeiten, die von den Nazis als "entartet" verfemt werden, erkundet er die Stellung der menschlichen Figur im Raum. Zwölf Jahre bleibt Schlemmer dem Bauhaus treu. Kurz vor Kriegsende stirbt er verarmt.

Zunächst als Studierender, später als Jungmeister arbeitet Marcel Breuer am Bauhaus. Als erster Möbeldesigner setzt er Stahlrohr ein, um Stühle und Tische zu fertigen. Von 1925 bis 1928 leitet er die Möbelwerkstatt, auch Tischlereiwerkstatt genannt. Nicht nur sein erster Sesselentwurf von 1925 gilt heute als ausgemachter Designklassiker, ebenso sein Piscator-Tisch.

Wagenfeld-Lampe wird zur Design-Ikone

Wagenfeld Tischleuchte (picture-alliance/dpa/ZB/R. Hischberger)

Die Wagenfeld-Tischleuchte von 1923/24

Josef Albers künstlerisches Talent überzeugt Gropius derart, dass er ihn noch vor seiner Gesellenprüfung zum Jungmeister beruft. Als Leiter des Vorkurses entwickelt Albers eine richtungsweisende Kunstpädagogik. 1925 zieht er mit dem Bauhaus nach Dessau um und heiratet Anneliese Fleischmann, die spätere Bauhaus-Künstlerin Anni Albers. 1932 hatte er seine erste Einzelausstellung mit Glasarbeiten. Nach der Schließung des Bauhaus' durch die Nationalsozialisten 1933 fliehen Albers und seine Frau Anni in die USA.

Auch Wilhelm Wagenfeld beginnt als Student am Bauhaus in Weimar. Gleich sein erster Entwurf wird sein bekanntester: Ein schlichter Schirm aus Opalglas, der Schaft aus vernickeltem Stahl – die WA24-Leuchte von Wagenfeld gerät zur Designikone. Bauhaus- und Designliebhaber kaufen sie noch heute als Re-Edition der Firma Tecnolumen.

Deutschland Neue Dauerausstellung im Bauhaus Dessau (picture-alliance/dpa/W. Grubitzsch)

Dauerausstellung im Bauhaus Dessau mit Arbeiten von Marianne Brandt

László Moholy-Nagy, unter anderem Leiter der Metallkurse, erkennt schon früh das Talent von Marianne Brandt. Auf seine Anregung hin studiert sie in der Männerdomäne Metallwerkstatt - und wird erfolgreicher als viele ihrer Kommilitonen. Brandts metallene Alltagsgegenstände sind bis heute Markenzeichen des Dessauer Bauhauses. Viele ihrer Entwürfe gehen in Serie. Einige ihrer Aschenbecher, Kaffee- oder Teeservices und Lampen werden bis heute als Design-Klassiker in unveränderter Form hergestellt. Marianne Brandt gehört zu den bekanntesten Bauhaus-Künstlern.

Herbert Bayer schließlich prägt das Erscheinungsbild des Dessauer Bauhauses. Die von ihm entwickelte Werbetypographie steigert die Popularität der Hochschule für Gestaltung enorm. Auch Bayer verbringt vier Jahre als Student am Bauhaus, bevor er von 1925 bis 1928 sein Wissen als Jungmeister an die Studierenden weiterreicht. Typographen und Drucker schätzen noch heute Bayers Universalalphabet in Kleinschreibung als zeitlos modernes Werbedesign.

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