″Genügend Beweise″ im Kim Jong Nam-Mordprozess | Aktuell Asien | DW | 16.08.2018
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Giftanschlag

"Genügend Beweise" im Kim Jong Nam-Mordprozess

Den beiden angeklagten Frauen droht weiterhin die Todesstrafe: Das Gericht lehnte einen Antrag auf Freispruch ab. Die Frauen hätten gewusst, dass es sich nicht um einen Streich gehandelt habe. Dafür gebe es Beweise.

Malaysia Prozess wegen Mordes an Kim Jong Uns Halbbruder wird fortgesetzt (Reuters/Lai Seng Sin)

Eine der beiden Angeklagten wird ins Gericht gebracht

Der Prozess um den Giftmord an Kim Jong Nam, dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, geht weiter: Das Gericht im malayischen Shah Alam bei Kuala Lumpur befand, es gebe genügend Beweise für eine Verurteilung der beiden Angeklagten wegen Mordes. Es handele sich um eine "sorgfältig geplante Verschwörung", eine Gruppe nordkoreanischer Verdächtiger sei auf der Flucht.

Den beiden mutmaßlichen Täterinnen, eine 25-Jährige aus Indonesien und eine 29-Jährige aus Vietnam, droht die Todesstrafe durch den Strick. Die Verteidiger der beiden Frauen hatten einen Freispruch beantragt, das lehnte das zuständige Gericht ab. Die Familien der Angeklagten bleiben bei ihrer Darstellung, die Frauen seien ahnungslos gewesen.

Belastendes Videomaterial

Videoaufnahmen zeigen, wie eine Frau im Februar 2017 am Flughafen von Kuala Lumpur dem 45-jährigen Nordkoreaner von hinten ins Gesicht greift. Auf anderen Aufnahmen ist zu sehen, wie die Frauen separate Waschräume aufsuchten und den Flughafen in getrennten Taxis verließen. Die beiden Angeklagten hatten erklärt, sie seien für einen Streich mit versteckter Kamera angeheuert worden und wussten nicht, um welche Substanz es sich handelte. Nach dieser Darstellung hätten sie womöglich eine Verurteilung wegen Mordes abwenden können, der Richter Azmi Ariffin glaubte ihnen jedoch nicht: Der Angriff sei "kein Scherz" gewesen, sagte Ariffin am ersten Prozesstermin nach der Sommerpause. Aus den Videos gehe hervor, dass die Frauen von der giftigen Wirkung der Flüssigkeit an ihren Händen wussten. Die Staatsanwaltschaft verglich die Attacke mit den Handlungen von James-Bond-Filmen und stellte die beiden als gut ausgebildete Attentäterinnen dar, die genau gewusst hätten, was sie taten.

Kim Jong Nam (picture-alliance/AP Photo/S. Kambayashi)

Kim Jong Nam auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2001

VX gilt als Chemiewaffe

Bei der Substanz handelte es sich um das Nervengift VX, das als Massenvernichtungswaffe unter die UN-Chemiewaffenkonvention fällt. Das Opfer war der älteste Sohn des früheren Machthabers Kim Jong Il aus einer früheren Ehe. Er galt jahrelang als erster Anwärter auf die Nachfolge, bevor er in Ungnade fiel. Die letzten Jahre lebte er im Exil, Regimekritiker war er nicht. Manche Experten mutmaßen, dass er sich für einen Sturz seines Halbbruders bereithielt, und der nordkoreanische Geheimdienst deshalb seine Ermordung in Auftrag gegeben haben könnte.

ehl/haz (dpa, afp)