Geldwäsche aus Russland - wie im Schleudergang | Wirtschaft | DW | 05.03.2019
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Banken

Geldwäsche aus Russland - wie im Schleudergang

Nun also auch Nordea. Die größte Bank Skandinaviens sieht sich mit dem Vorwurf der Geldwäsche konfrontiert. Die Konkurrenz steht wegen solcher Vorwürfe schon länger unter Druck.

Nordea Bank-Filiale in Helsinki, Finland (picture-alliance/dpa/M. Antin)

Nordea - die dritte der großen skandinavischen Banken unter Geldwäsche-Verdacht

Bereits bevor der finnische Sender Yle seinen TV-Bericht über angebliche Geldwäsche-Geschäfte der Nordea Bank am Montag ausstrahlte, reagierten Anleger ausgesprochen nervös. Die Aktien des Geldhauses fielen am Montag in Helsinki um bis zu 6,6 Prozent - der größte Kurssturz seit einem Jahr.

Dem Sender zufolge wurden hunderte Millionen Euro aus dubiosen Quellen über Nordea geschleust. Yle berichtete, das Institut habe zwischen 2005 und 2017 verdächtige Zahlungen in einem Volumen von rund 700 Millionen Euro erhalten.

Im Oktober hatten skandinavische Behörden mitgeteilt, dass sie Unterlagen über mutmaßliche Verletzungen von Geldwäsche-Gesetzen durch Nordea erhalten hätten. Die Bank hatte daraufhin beteuert, sie wolle eng mit den Behörden zusammenarbeiten.

Geld Geldwäsche Symbolbild (Fotolia/Feng Yu)

Geldwäsche erfreut sich großer Beliebtheit - außer in der Waschmaschine

Kontrollen nicht ausreichend

Die Informationen, die Yle verbreitet habe, seien nicht neu, so Nordea jetzt in einer Stellungnahme. Die Bank müsse aber anerkennen, dass ihre Kontrollsysteme in der Vergangenheit angesichts "dieser Art von Finanzkriminalität" nicht ausreichend gewesen seien. Nordea-Aktien konnten am Dienstag wieder zulegen und einen Teil der Verluste wettmachen.

Auf welch findige Weise Geld aus Russland ins Ausland verschoben wird, kann man auch anhand von Enthüllungen nachvollziehen, die der internationale Rechercheverbund OCCRP jetzt vorgelegt hat. Grundlage dafür sind zahlreiche geleakte Dokumente. Auch hier geht es unter anderem um eine baltische Bank, die Ukio Bank in Litauen. Wegen des Verdachts der Geldwäsche und anderer Vorwürfe hatte die litauische Zentralbank das Finanzhaus schon 2013 geschlossen. Die Vorwürfe beziehen sich auf Gelder zweifelhaften Ursprungs in einer Höhe von mehr als vier Milliarden Dollar.

"Troika Waschsalon"

Die Rechercheure, zu denen unter anderem Journalisten der "Süddeutschen Zeitung", des "Guardian" und des Züricher "Tages-Anzeiger" gehören, nennen das Geldwäsche-Schema "Troika Waschsalon". Offenbar stand der Recherche zufolge die russische Investmentbank Troika Dialog, die zur russischen Sberbank gehört, im Zentrum des Transferschemas.

In diesem "Waschsalon" flossen legale und illegale Zahlungen aus mehreren Quellen zusammen und wurden zwischen mehreren Konten oft eines einzigen beteiligten Unternehmens hin und her geschoben und gemischt wie in einem Schleudergang. Ein weiterer Trick: "Man tarnt eine illegale Zahlung, indem man so tut, als wäre sie mit einer Warensendung verbunden", so zitiert die "Süddeutsche Zeitung" die Expertin Louise Shelley vom Forschungszentrum "Terrorism, Transnational Crime and Corruption Center". Verschwanden auf diese Weise Spuren der ursprünglichen Herkunft der Gelder, wurden sie im Westen auf unterschiedlichste Weise eingesetzt - um Immobilien oder Kunst zu kaufen oder Rechnungen etwa für Arztbesuche zu begleichen, aber auch für gemeinnützige Spenden. Innerhalb weniger Jahre seien so allein nach Deutschland knapp 190 Millionen Euro gelangt.

Das Recherchenetzwerk hatte bereits 2014 den Fall "Russian Laundromat" - zu Deutsch der "russische Waschsalon" - öffentlich gemacht. Dabei sollen in den Jahren 2012 bis 2014 Milliardenbeträge aus Russland ins Ausland geschafft worden sein. Damals soll ein leitender Manager einer lettischen Bank eine zentrale Rolle gespielt haben.

Ähnliche Vorwürfe - und entsprechende Ermittlungen - laufen seit längerem gegen Danske Bank aus Kopenhagen und Swedbank aus Stockholm.

Dänemark Danske Bank (picture-alliance/Scanpix Denmark/T. Lekfeldt)

Sitz von Danske Bank in Kopenhagen - Waschsalon für 200 Milliarden?

Meist geht es dabei um Geldwäsche via Estland: Über das kleine Land soll insgesamt ein dreistelliger Milliarden-Euro-Betrag von Geldern aus Russland und ehemaligen Sowjet-Republiken gewaschen worden sein. Die Rede ist von 200 Milliarden Euro, die allein über die estnische Filiale der Danske Bank geflosssen sein sollen und offenbar aus Russland kamen. Die Deutsche Bank aus Frankfurt soll geholfen haben, dieses Geld in Dollar zu wandeln und in die internationalen Finanzkreisläufe einzuspeisen.

Deutsche Bank als "Korrespondenzbank"

Die Deutsche Bank war eine sogenannte Korrespondenzbank der Danske, eine von drei ihrer wichtigsten Partnerbanken. Vor wenigen Wochen wunderten sich Abgeordnete des Geldwäsche-Ausschusses im Europäischen Parlament über die Einsilbigkeit der Deutschen Bank in der Sache. Vertreter der Bank mussten Rede und Antwort stehen. Medienberichten zufolge blieben sie eine Antwort auf die Frage schuldig, warum die Deutsche Bank ihre Geschäfte mit der Danske Bank erst sehr spät beendete, nämlich 2015. Misstrauischere US-Banken wie JP Morgan hatten sich schon zwei Jahre vorher zurückgezogen.

Bei dem Skandal geht es allerdings nicht nur um russische Gelder. In einem Fall vermuten die Ermittler, über baltische Banken seien auch Gelder des entmachteten ukrainischen Ex-Präsidenten Janukowitsch geflossen. Ein Gericht in Kiew verurteilte Janukowitsch letzten Monat wegen Hochverrrat. Er soll 3,7 Millionen Euro über eine Bank in Litauen ausgeführt haben. Dabei ging es um eine Filiale der Swedbank.
Überhaupt hat der ausufernde Geldwäsche-Skandal immer wieder politische Schauplätze. In Estland spielte die Affäre bei den Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende eine bedeutende Rolle. Bei der Wahl verdoppelte die rechtspopulistische Partei Ekre die Zahl ihrer Abgeordneten. Sie hatte ihren Wahlkampf nicht zuletzt rund um das Thema Geldwäsche betrieben.

 ar/hb (rtr, afp, AP - Archiv)

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