Geflüchtete Mütter lernen mit ihren Kindern Deutsch | Deutschlehrer-Info | DW | 16.12.2021
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Deutschlehrer-Info

Geflüchtete Mütter lernen mit ihren Kindern Deutsch

Geflüchtete Mütter mit Kindern in ganztägigen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen lernen besser Deutsch, so eine aktuelle Studie. Daneben sind zahlreiche weitere Faktoren für ihren Lernerfolg entscheidend.

Kinder sitzen in einer Kindertagesstätte beim Essen (Symbolbild)

Von der sprachlichen Bildung in Betreuungseinrichtungen profitieren nicht nur die Kinder.

Geflüchtete Mütter sprechen einer Studie zufolge besser Deutsch, wenn ihre Kinder schulische oder vorschulische Betreuungsangebote wie Kinderkrippen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Ganztagsschulen und Horteinrichtungen besuchen, wie die Anfang Dezember veröffentlichte Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg zeigt.

Der Besuch von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen kommt laut IAB-Forscherin Sarah Bernhard nicht nur den geflüchteten Kindern selbst, sondern auch deren Müttern zugute. „Schulkinder und betreute kleinere Kinder im Haushalt sind für geflüchtete Mütter offenbar eine Sprachlernressource. Kleinere Kinder ohne institutionalisierte Betreuung haben eher Mütter mit geringeren Deutschkenntnissen“, sagte sie.

Dass bei Vätern ein solcher positiver Effekt nicht vorhanden ist, führten die Forscher und Forscherinnen auf eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in den Familien zurück. „Die primäre Zuständigkeit der Mütter für die Sorgearbeit verhilft ihnen zu Berührungspunkten mit der deutschen Sprache – Berührungspunkte, die sich für Väter nicht in gleicher Weise ergeben“, so Bernhard.

Allerdings erschweren individuelle Lebensumstände den Lernprozess, wie es in der Studie weiter heißt. So berichteten Geflüchtete vom Pflegebedarf enger Verwandter oder der Verpflichtung, schnell Geld zu verdienen, um Verwandte zu unterstützen. Bei psychisch sehr belasteten Geflüchteten behinderten Traumatisierungen den Lernprozess oftmals so nachhaltig, dass auch vier Jahre nach der Flucht kaum Verbesserungen der Deutschkenntnisse erkennbar gewesen seien, so die Untersuchung. „Für psychisch stark belastete Personen können Sprachlernangebote Teil von längerfristig ausgerichteten Unterstützungsangeboten sein“, erklärte IAB-Forscher Stefan Bernhard.

Lange Wartezeiten vor Beginn und zwischen den Kursen sowie ein eingeschränktes Lernangebot für Frauen mit kleinen Kindern und Menschen mit besonderen Lernbedarfen erschwerten zudem den Zweitspracherwerb zusätzlich. „Sprachlernangebote sollten stärker auf die Lebensrealität der Geflüchteten ausgerichtet werden“, empfahlen die Forscherinnen und Forscher. Um beispielsweise Mütter mit unbetreuten Kindern, Analphabeten und Analphabetinnen oder Menschen mit Behinderungen zu erreichen, scheine es angebracht, die Diversifizierung des Deutschkursangebots weiter voranzutreiben.

Die Befragung basiert auf Daten aus dem Jahr 2016 von rund 4.500 Geflüchteten, die zuvor Asyl in Deutschland beantragt hatten. Dazu seien biografische Interviews mit 59 Geflüchteten verwendet worden, die um 2015 nach Deutschland kamen und ein- oder zweimal an den Befragungen der IAB-Studie “Netzwerke der Integration” zwischen 2017 und 2020 teilnahmen.

rh/sts (mit epd/KNA)

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