Geflüchtete Journalisten machen Tageszeitung | Deutsch Aktuell | DW | 14.10.2016
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Geflüchtete Journalisten machen Tageszeitung

Sie verließen ihre Heimat, sahen dort für sich keine Zukunft mehr: Syrer, Afghanen, Iraner, die jetzt in Deutschland als Journalisten arbeiten wollen. Doch das ist schwer. Eine Zeitung setzt darum ein Zeichen.

Amloud Alamir lebt seit bereits mehr als zweieinhalb Jahren in Deutschland. Ihr Mann, ein Arzt, hatte das Assad-Regime kritisiert, saß dafür jahrelang in Haft. Irgendwann fürchtete Alamir auch um ihre eigene Sicherheit und die ihrer beiden Kinder - und verließ Syrien. Im Internet finden sich zahlreiche Artikel über die 40-jährige Journalistin und ihre Geschichte. Über ihre Probleme, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen.

Im Wochenmagazin "Stern" berichtete sie, wie sich das Klima in Deutschland verändert habe. Von der Hilfsbereitschaft, die sie zunächst erlebt habe, bis zu der Angst, die sie inzwischen spüre. Und im Medienportal "Meedia" sprach sie über das Gefühl, als Flüchtling im Journalismus weniger wahr- und ernstgenommen werden. Wie sie oft zu hören bekommen habe, es doch als Sekretärin oder Ähnliches zu versuchen. Und betont, doch wieder als Journalistin arbeiten zu wollen.

"Für mich ist freier Journalismus wichtig"

Im Berliner "Tagesspiegel" erhält sie dazu nun Gelegenheit - in einer Ausgabe, die zu großen Teilen von Journalisten aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Iran und Somalia geschrieben und gestaltet wurde. Seit Juli seien die 25 Flüchtlinge regelmäßig zu Workshops in die Redaktion gekommen, teilte die Redaktion vorab mit. Gemeinsam mit Kollegen aus allen Ressorts hätten die Frauen und Männer die Ausgabe vorbereitet. Unterstützt wurde die Arbeit von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

"Für mich ist freier Journalismus wichtig", sagt in einer Videobotschaft die beteiligte Hiba Obaid, die seit 2015 in Deutschland lebt. "Dass man schreiben kann, was man möchte. Dass niemand zu deinen Gedanken und Ideen sagen kann: Nein, so kannst du das nicht schreiben."

Die Mitarbeit an der Zeitung habe ihr die Chance gegeben, ein Netzwerk zu finden, freut sich Obaid.

"Katastrophale Lage für Journalisten"

Reporter ohne Grenzen" (ROG) weist immer wieder auf die schlechten Arbeitsbedingungen für Journalisten in Syrien hin. Die Lage sei "katastrophal", sagte jüngst im Deutschlandfunk ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit der Organisation steht das Land derzeit auf Platz 177 von 180 Staaten.

Obwohl täglich in den Medien über Flüchtlinge diskutiert werde, kämen die Betroffenen selbst kaum zu Wort, begründet der "Tagesspiegel" seine Aktion. Mit der besonderen Samstagsausgabe wolle man "die übliche Perspektive umkehren".

Inhaltlich gehe es um Fragen wie: Was erwarten Flüchtlinge von der deutschen Politik? Welche Ängste, Wünsche, Träume haben sie? Was heißt "Meinungsfreiheit" in Deutschland - und was in Syrien? In einem Interview stellt sich außerdem Kanzleramtschef Peter Altmaier den Fragen von fünf Exil-Journalisten.

"Wir schaffen das - zusammen"

Ihr sei es wichtig, dass in der Sonderausgabe über die Probleme für Flüchtlinge in Deutschland gesprochen werde, sagt Amloud Alamir in ihrer Videobotschaft.

Die Journalistin, die zwar noch gebrochen, aber fließend Deutsch spricht, blickt mit Zuversicht nach vorne. "Wir schaffen das", sagt sie in Anlehnung an das berühmte Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den Herausforderungen der Flüchtlingskrise, lacht - und fügt hinzu: "Aber zusammen!"

bor/mak (mit epd)