Gefangenenaustausch wieder verschoben | Aktuell Welt | DW | 30.03.2020
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Afghanistan-Konflikt

Gefangenenaustausch wieder verschoben

Der innerafghanische Frieden lässt auf sich warten. Die Führung in Kabul zögert den Gefangenenaustausch mit den radikalislamischen Taliban hinaus. Derweil setzen diese ihre Angriffe auf Soldaten fort.

Afghanistan Kabul Angriff auf Sikh-Tempel (Reuters/M. Ismail)

Afghanische Sicherheitskräfte an einem Anschlagsort in Kabul (Archivbild)

Der Gefangenenaustausch zwischen den islamistischen Taliban und der afghanischen Regierung ist erneut verschoben worden. "Morgen gibt es keine Freilassung von Gefangenen", twitterte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Dschawid Faisal. Eigentlich hatten sich beide Seiten in einer Videokonferenz vor wenigen Tagen auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach hätten bis zum 31. März zunächst 100 Taliban freigelassen werden sollen. Dies sei aus humanitären Gründen entschieden worden, hatte der Nationale Sicherheitsrat am Donnerstag angekündigt.

Auch die Taliban wollten Gefangene freilassen. Die militante Gruppe wolle nun aber in den nächsten Tagen erst ein Team für Vorgespräche nach Kabul schicken, schrieb Faisal weiter. Der Gefangenaustausch war bereits mehrfach aufgeschoben worden. Seit Wochen herrscht Stillstand zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Die Freilassung von bis zu 5000 Gefangenen war als Vorbedingung für innerafghanische Friedensgespräche in das Abkommen aufgenommen worden, das die USA mit den Taliban am 29. Februar unterzeichnet hatten. Die Gefangenen gelten laut Experten als das Hauptdruckmittel der Regierung in Kabul, die Taliban zu Gesprächen zu bringen.

Uneinigkeit über Verhandlungsteam

Streit gibt es zudem über die jüngst vorgestellten Unterhändler der afghanischen Regierung. Die Taliban reagierten abweisend auf das 21-köpfige Team, das vom dem ehemaligen Leiter des Nationalen Sicherheitsdirektoriums, Masum Staneksai, angeführt wird. "Wir werden nur zu Gesprächen mit einem Verhandlungsteam zusammenkommen, das unseren Vereinbarungen entspricht und nach den festgelegten Grundsätzen zusammengestellt ist", sagte Talibansprecher Sabiullah Mudschahid. 

Tote und Verletzte bei Angriffen der Taliban

Derweil geht die Gewalt im Land weiter. Bei landesweiten Angriffen der radikalislamischen Taliban sind in der Nacht zum Montag mindestens 19 Sicherheitskräfte getötet worden. In der nördlichen Provinz Tachar, etwa 50 Kilometer von Kundus entfernt, starben nach Angaben des Provinzgouverneurs bei Angriffen mindestens 14 Menschen, darunter auch ein Zivilist. "Wenn wir keine Unterstützung erhalten, kann der Bezirk in die Hände der Feinde fallen", sagte Provinzgouverneur Mohammad Omar.

In der südlichen Provinz Sabul kamen sechs Soldaten bei Attacken auf Kontrollposten ums Leben, wie ein Sprecher der Provinz mitteilte. In der afghanischen Hauptstadt Kabul habe am Montagmorgen zudem ein Attentat mit einer Magnetbombe stattgefunden, hieß es aus dem Innenministerium. Dabei wurden mindestens vier Menschen verletzt.

bri/se (ap, afp, dpa)