Gefahren beim Sex - Humane Papillomviren | Wissen & Umwelt | DW | 22.09.2018
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Wissen & Umwelt

Gefahren beim Sex - Humane Papillomviren

Mit HPV steckt sich fast jeder sexuell aktive Mensch im Laufe seines Lebens an. Einige HPV-Typen können Krebs verursachen, etwa Gebärmutterhalskrebs. Infizieren kann sich jeder – auch ohne Sex.

Illustration einer Feigwarze

Illustration einer Feigwarze: Die HP-Viren sind in hellblau neben der Warze zu sehen. Die blauen Kreise in der Warze sind Immunzellen.

Feigwarzen sehen sehr unschön aus, können unangenehm sein und sogar Schmerzen beim Sex verursachen. Ihren Namen haben Feigwarzen durch ihre Form, die meist nach oben hin spitz zuläuft. Einige sind eher stecknadelkopfgroße, flache Knötchen und zunächst nur schwer zu erkennen. Bekannt sind sie auch als Genitalwarzen. Diese Hautwucherungen im Intimbereich gehören zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten, aber Sex ist nicht der einzige Infektionsweg. 

Häufig werden die Erreger auch über Schmierinfektion übertragen. "Mit Humanen Papillomviren (kurz: HPV) kann man sich beispielsweise auch in der Sauna infizieren oder bei leichtem Körperkontakt", erklärt Norbert Brockmeyer. Er leitet das Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin "WIR" in Bochum. "HPV ist hochkontagiös, also hochansteckend. Es gibt über 200 verschiedene Typen." Die ungefährlichen fallen unter die Bezeichnung Niedrigrisiko-Typen. Dazu gehören unter anderen HPV 6 und 11. Sie sind Hauptauslöser für Feigwarzen und tauchen am häufigsten an den Genitalien und am After auf.

Krebsvorstufen

Unser Körper schafft es in der Regel, mit der Infektion auch ohne Medikamente fertig zu werden. Das gilt vor allem für Menschen, die ein intaktes Immunsystem haben. Unser Körper erkennt die Viren und zerstört sie.

Wer glaubt, sich angesteckt zu haben, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Liegen Hochrisiko-HPV-Typen vor, können sich Krebsvorstufen entwickeln. "Tumoren können erst mal wie Warzen aussehen und sich dann weiterentwickeln, oder es gibt sofort Hautveränderungen", so Experte Brockmeyer. "Sie sehen dann wie ein kleines Ekzem aus, sind manchmal leicht gerötet und schuppen ein bisschen. Dahinter steckt dann aber schon der Beginn eines Krebses, also eine Krebsvorstufe, beispielsweise am Muttermund." Quasi 100 Prozent aller Arten von Gebärmutterhalskrebs werden durch HPV verursacht. Die Typen 16 und 18 sind besonders gefährlich.

Durch einen Abstrich können in einem Labor sowohl Zellveränderungen analysiert und zugeordnet als auch die HP-Viren bestimmt werden. Ist es ein Niedrigrisiko-Typ oder ein Hochrisiko-Typ? Der Arzt wird zunächst die Veränderungen entfernen. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Entfernung durch Laser oder aber durch eine kleine, nicht schmerzhafte Operation. Aber das ist keine Garantie, dass die Haut- oder Schleimhautveränderungen wirklich ein für alle Mal entfernt werden konnten. Sie können immer wieder nachwachsen. Also: regelmäßig kontrollieren lassen.

Auch Männer können sich infizieren

Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 4600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Rund ein Drittel von ihnen stirbt an dieser Krebsart. In Europa ist Gebärmutterhalskrebs eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Mädchen und Frauen zwischen 15 und 45 Jahren. Aber auch weitere Zahlen sind alarmierend: So werden jährlich mehr als 50.000 Operationen wegen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals durchgeführt. Frauen, die sich solch einem Eingriff unterziehen müssen, haben in späteren Schwangerschaften ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten.

Auch an den Schamlippen können zum Beispiel Warzen auftreten, und nicht nur Frauen sind betroffen, auch Männer können sich infizieren und ein entsprechendes Krankheitsbild entwickeln - beispielsweise am Penis. Aber auch an anderen empfindlichen Bereichen unseres Körpers können bei allen Menschen Warzen, oder Krebs entstehen. Und selbst wenn es nicht direkt auf der Hand zu liegen scheint: Auch der Mund- und Rachenbereich gehört dazu. Durch Oralverkehr kann das Virus auf die Mundschleimhaut übertragen werden und Tumoren im Mund auslösen.

Hochinfektiös

Viele HPV-Infektionen verlaufen symptomlos. Das macht sie noch unberechenbarer. "Schon die Berührung der Warzen reicht manchmal aus, um einen HP-Virus zu übertragen. Winzige Hautschüppchen können genügen." Gelangen HP-Viren auf Verletzungen - auch wenn sie noch so klein und unscheinbar sind – kann das Virus weitergegeben werden. Kondome können das Risiko einer Infektion verringern - wie bei allen  sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Aber eine Garantie sind auch sie nicht.

Keine Panik

Ist unser Körper gesund und hat ein funktionierendes Immunsystem, wird er mit einer Infektion recht gut fertig. "HPV-Viren werden in der Regel zu 90 Prozent von gesunden Menschen eliminiert. Das gilt auch für die genitalen HP-Viren, also die Viren, die Tumoren induzieren können", erläutert Brockmeyer. Das heißt: Nur etwa zehn Prozent der Gesunden haben das Risiko, einen HPV-induzierten Tumor zu bekommen. Aber wie bei allen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) gilt: Je früher eine Infektion erkannt wird, umso früher und damit umso besser kann sie behandelt werden.

Merck-Wissenschafts-Konferenz Curious Future Insight in Darmstadt (DW/A. Freund)

Harald zur Hausen hat den Zusammenhang von Viren und Gebärmutterhalskrebs entdeckt und die Grundlage zur Entwicklung des HPV-Impfstoffs geschaffen. 2008 erhielt er dafür den Nobelpreis.

Impfung als dringende Vorsorge

Seit etwa zehn Jahren werden Mädchen in Deutschland gegen HPV geimpft. Der Impfstoff wirke gegen die wichtigsten Papillomviren, also auch gegen HP 16 und HPV 18, die Krebs auslösen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, dass Mädchen sich im Alter von neun bis 14 Jahren impfen lassen. Mittlerweile gilt die Impfung auch für Jungen, denn auch sie können sich infizieren und das Virus weitertragen. "Durch den Impfstoff erreichen wir eine Schutzwirkung von über 95 Prozent gegen Tumoren und Tumorvorstufen. Deshalb ist es so wichtig, möglichst alle zu impfen", appelliert Brockmeyer. "Wir brauchen Impfprogramme und wir brauchen Aufklärung in den Schulen. Dazu müssen wir die Jugend- und die Kinderuntersuchungen nutzen. Außerdem müssen wir die Eltern möglichst umfassend informieren."

Nach der Impfung kann es zu Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle kommen sowie zu Schmerzen. All das aber geht nach wenigen Tagen vorbei. Verglichen mit dem Risiko Krebs zu entwickeln, sind diese Nebenwirkungen allerdings ein sehr geringes Übel.

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