Gefahren beim Sex - Bei Genital-Herpes wird man die Viren nicht mehr los | Wissen & Umwelt | DW | 30.11.2018
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Geschlechtskrankheiten

Gefahren beim Sex - Bei Genital-Herpes wird man die Viren nicht mehr los

Herpes-Viren sind unberechenbar. Wer sich infiziert hat, trägt sie ein Leben lang im Körper. Das gilt für Lippenherpes, aber auch für Genital-Herpes. Übertragen wird er meist schneller als man denkt.

Herpes-Viren sind weit verbreitet. Das gilt vor allem für Lippenherpes, verursacht durch das Herpes simplex-Virus 1 kurz HSV 1. Bei 90 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland finden sich Antikörper gegen dieses Virus im Blut. Die Viren verbleiben das ganze Leben über in den Nervenganglien, oft auch als Nervenknoten bezeichnet. Sie können jederzeit wieder aktiv werden. Das gilt auch für das Herpes simplex-Virus Typ 2, HSV 2. Es ist Auslöser für Genitalherpes. 

Übertragungswege

Herpes-Viren werden vor allem durch Haut -oder Schleimhautkontakt übertragen. Die Viren nisten sich regelrecht ein. 80 bis 90 Prozent der genitalen Infektionen werden durch das Herpes Simplex Virus 2 ausgelöst. Aber das Problem habe sich durch die veränderten Sexualaktivitäten und Sexualpraktiken verlagert, sagt Norbert Brockmeyer vom Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum. "Immer häufiger sehen wir Herpes Simplex 1 auch im Genitalbereich und Herpes Simplex 2 an der Lippe. Das passiert mittlerweile häufiger als das früher der Fall war. Der Oralverkehr hat also vermutlich Einfluss auf die Lokalisation dieser Herpes Simplex Typen."

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Lippenherpes (Colourbox)

Lippenherpes kann auch zu einem ästhetischen Problem werden

Wenn es juckt und kribbelt

Erste Symptome für eine Infektion mit dem Herpes Virus Typ 2 sind Schmerzen, Juckreiz und Kribbeln, die Lymphknoten schwellen an. Brennen und Ausfluss können ebenfalls auf eine Infektion mit Genitalherpes deuten. 

"Herpes-Viren verursachen fast immer Läsionen an der Haut", erklärt Brockmeyer. Schon kurz nach einer Ansteckung bilden sich im Genitalbereich kleinere gruppiert stehende Bläschen. Sie siedeln sich in der Scheide und am Penis an, aber auch Harnröhre und Enddarm können betroffen sein.

Die Bläschen sind empfindlich und platzen im späteren Verlauf auf. Danach bilden sich an diesen Stellen Krusten. Auch die sind ansteckend. "Bei einer Erstmanifestation kann es sehr schwere Krankheitsbilder geben", sagt Brockmeyer. "Auch die Augen können von Herpes Simplex betroffen sein."

Deutschland Norbert Brockmeyer Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum (picture-alliance/dpa/Katholisches Klinikum Bochum)

Norbert Brockmeyer leitet das Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum

Immer wieder

Die Herpes-Simplex-Viren wird man nicht wieder los, es kommt immer wieder zu Rezidiven. "Manche Menschen haben einmal im Jahr eine Episode oder alle zwei Jahre. Im Kontext mit der Regelblutung kann bei Frauen der Herpes-Simplex auch alle vier Wochen immer wieder auftreten."

Herpes-Simplex-Viren können auch dann freigesetzt werden, wenn keine offensichtlichen Symptome vorhanden sind. "Die Betroffenen haben keine Läsionen, aber das Virus ist trotzdem in den Schleimhäuten vorhanden und kann auch übertragen werden", erläutert Brockmeyer. Die meisten Infektionen aber passieren über sexuellen Kontakt. 

Um die Diagnose anhand dieser äußerlichen Symptome zu sichern, nimmt der Arzt meist einen Abstrich. Im Labor können dann die Erreger genau bestimmt werden. Die Symptome heilen meist innerhalb von etwa zwei Wochen wieder ab. Starke Sonneneinstrahlung, aber auch Stress, direkte mechanische Reizungen oder ein nicht funktionierendes Immunsystem können das Virus aktivieren. Herpes-Simplex-Viren sind unberechenbar, und das gilt für beide Typen. 

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Kryo-Elektronentomographie des Infektionsvorgangs des Herpes Simplex Virus (www.idw-online.de)

Infektionsvorgang des Herpes Simplex Virus

Von der Mutter aufs Kind

Ist die werdende Mutter mit dem Herpes Virus 2 infiziert, kann es passieren, dass sie das Virus bei der Geburt auf ihr Kind überträgt. "Wenn Läsionen da sind, sollte man die Mutter vor der Geburt therapieren, sodass es zu einer Unterdrückung der Viren kommt", rät Brockmeyer. Etwa die Hälfte aller Babys mit infizierten Müttern werden während der Geburt angesteckt. Die einzige Möglichkeit, das zu vermeiden, ist ein Kaiserschnitt. 

Therapie, aber keine Heilung

Eine Impfung gibt es nicht. Mediziner können die Symptome bei Genitalherpes behandeln, das Virus im Körper aber nicht abtöten. Ärzte therapieren die Erkrankung mit virushemmenden Medikamenten. Solche Medikamente können im akuten Stadium die Abheilung fördern und zumindest die Gefahr verringern, dass sich die Viren vermehren. "Bei häufigen Rezidiven sollte auch eine Dauertherapie über mehrere Wochen und Monate erwogen werden", empfiehlt Brockmeyer.

Bis die Bläschen abgeheilt sind, sollten Berührungen der entsprechenden Körperstellen vermieden werden und: Sex nur mit Kondom!

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