Gefängnisarbeit? C&A und H&M in Erklärungsnot | Wirtschaft | DW | 21.02.2018
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Wirtschaft

Gefängnisarbeit? C&A und H&M in Erklärungsnot

Ein ehemaliger Journalist und Privatdetektiv beschuldigt mehrere Textilkonzerne der Ausbeutung. Er habe gesehen, wie Insassen eines chinesischen Gefängnisses für mehrere Handelsketten produziert hätten.

Gefängniswärter in Peking China (picture-alliance/dpa/D. Azubel)

Ein Gefängniswärter in China - nach den USA sitzen in dem Land am meisten Menschen in Haft

"Unsere Männer stellten Verpackungsteile her. Ich erkannte bekannte Marken wie 3M, C&A, H&M", schreibt der ehemalige Journalist und Privatdetektiv Peter Humphrey in einem Bericht der "Financial Times".

Humphrey war 2014 in Shanghai zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, weil er sich unrechtmäßig Zugang zu Daten von Privatleuten verschafft haben soll. Als Privatdetektiv war er vom britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline beauftragt worden herauszufinden, wer Korruptionsvorwürfe gegen den Konzern in China erhoben hatte.

"Das Gefängnis war ein Unternehmen, das Industriearbeit verrichtete", berichtet Humphrey, der 2015 aus gesundheitlichen Gründen früher aus der Haft entlassen wurde und nach Großbritannien zurückkehrte. 

Konzerne reagieren verwundert

Ein C&A-Sprecher erklärte, von dem speziellen Vorgang bislang keine Kenntnis zu haben. "Wir sind gerade dabei, diese Behauptung zu untersuchen." Es scheine aber klar, dass es nicht um die Herstellung von Textilien geht. Der Sprecher betonte, die Textilkette fahre eine Null-Toleranz-Politik bei jeder Form der modernen Sklaverei, einschließlich Zwangs- oder Gefängnisarbeit. "Wenn wir einen Fall feststellen, beenden wir unsere Beziehung mit dem Lieferanten sofort."

Eine H&M-Sprecherin sagte, der schwedische Konzern werde den Vorwürfen nachgehen. Bislang sei aber noch unklar, ob sie wahr seien. "Es ist völlig inakzeptabel, dass in Gefängnissen produziert wird und es verletzt ernsthaft die rechtlichen Rahmenbedingungen, denen unsere Lieferanten folgen müssen", sagte sie. "Eine Nichteinhaltung würde sofort zu einer dauerhaften Kündigung unseres Geschäftsvertrags führen." Beim Technologiekonzern 3M war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Gefängnisarbeit in China seit 2013 illegal

Für Bernd Hinzmann vom entwicklungspolitischen Netzwerk Inkota ist der Bericht des Briten dennoch ernst zu nehmen. "Es ist nicht selten, dass Gefangene in Gefängnissen in China für verschiedene Firmen arbeiten müssen. Man muss dem Vorwurf deshalb nachgehen", meint er. Die aktuellen Vorwürfe zeigen, dass die vorhandene Transparenz noch nicht ausreiche.

Eine H&M-Filiale auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil (picture-alliance/dpa)

Eine H&M-Filiale auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil

Laut Menschenrechtsorganisationen gibt es weder Beweise noch Gegenbeweise, dass Zwangsarbeit in chinesischen Gefängnissen weiterhin existiert. Offiziell sei sie 2013 abgeschafft worden. Die Vorwürfe treffen zwei Unternehmen, die sich nach Ansicht von Experten in den vergangenen Jahren Mühe gegeben haben, ihre Lieferketten transparent zu machen und damit Verantwortung für die Produktionsbedingungen vor Ort zu übernehmen. Allein H&M listet auf seiner Website über 660 Fabriken in China mit Namen, Adressen und Eigentümern auf. C&A nennt 273 Produktionsstätten in dem Land.

Im "Mode-Transparenz-Index" der nach dem Rana-Plaza Unglück in einer Textilfabrik Bangladesch entstandenen weltweiten Initiative "Fashion Revolution" rangiert H&M unter den 100 überprüften globalen Mode-Marken und -Händler auf Rang drei, C&A auf Platz 18. C&A wurde außerdem erst vor wenigen Monaten von der Thomson Reuters Stiftung in London für seine Bemühungen im Kampf gegen Sklaverei mit dem "Stop Slavery Award" ausgezeichnet.

nm/qu (dpa, rtr)

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