Gedenkgottesdienst für Liu Xiaobo | Aktuell Deutschland | DW | 13.07.2018
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Erinnerung an Menschenrechtler

Gedenkgottesdienst für Liu Xiaobo

Ein Jahr nach seinem Tod gedachten in Berlin Politiker und Künstler des chinesischen Friedensnobelpreisträgers. Vorgetragen wurde unter anderem ein Klassiker der Protestkultur. Auch weltweit wurde an Liu Xiaobo erinnert.

Eine der berühmtesten ersten Zeilen eines Protestliedes erklang in der Berliner Gethsemanekirche beim Gedenkgottesdienst für Liu Xiaobo: "Du lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit". Sie stammt aus dem Titel "Ermutigung" des Liedermachers Wolf Biermann, der insgesamt zwei Stücke vortrug (Artikelbild).

Vor den rund 500 Teilnehmern der Feier erinnerten die taiwanesische Autorin und Vorsitzende des PEN-Centers in Taipei, Tienchi Martin-Liao und der Pulitzer Preisträger Ian Johnson an das Engagement Liu Xiaobos für ein demokratisches China. Unter  den Gästen waren auch Altbundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt,

Gedenkfeier ohne Ehefrau

Die Witwe Liu Xiaobos, Lu Xia, war nach fast achtjährigem Hausarrest in China am Dienstag in Berlin eingetroffen. Wegen ihres angegriffenen Gesundheitszustandes nahm sie nicht an dem Gottesdienst teil.

Der Bürgerrechtler Liu Xiaobo war am 13. Juli 2017 mit 61 Jahren an Krebs gestorben. 2009 war der Schriftsteller zu elf Jahren Haft verurteilt worden, weil er sich für demokratische Reformen eingesetzt hatte. Ein Jahr später erhielt er den Friedensnobelpreis, den er aber nicht entgegennehmen konnte.

Im Gottesdienst wurde auch an weitere inhaftierte oder unter Hausarrest stehende Bürgerrechtler in China erinnert. Im Rahmen ihrer Initiative "Wachet und betet" lädt die evangelische Kirchengemeinde regelmäßig zu solchen Andachten ein. Sie hatte sich nach der Verhaftung des Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner in der Türkei im vergangenen Sommer gebildet. Geleitet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Roland Kühne aus Kempen in Nordrhein Westfalen. Zudem wirkten Schülerinnen und Schüler des Rhein-Maas-Berufskollegs Kempen mit.

Honkkong Gedenken 1. Jahrestag Todestag Liu Xiaobo (Reuters/B. Yip)

Mit einer Mahnwache erinnerten Weggefährten und Freunde in Hongkong an den vor einem Jahr verstorbenen Liu Xiaobo

Gedenken weltweit

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong versammelten sich Aktivisten und erinnerten an Liu Xiaobo mit einer Mahnwache nahe der Stadtregierung.

In der Volksrepublik China verhinderten die Behörden jede öffentliche Erinnerungsveranstaltung. Freunde und Mitstreiter Liu Xiaobos wurden im Vorfeld durch Drohungen, Reisebeschränkungen und Überwachung eingeschüchtert.

Im Louvre in Paris organisierte der chinesische Cartoonist Badiucao eine Performance, bei der Freiwillige vor dem Gemälde "Mona Lisa" Transparente hochhielten, auf der die weltberühmte Schönheit mit der Brille und der Frisur von Liu Xiaobo zu sehen war.

mak/jmw (epd, afp, kna)