Gasstreit: Erdogan fordert EU zur Neutralität auf | Aktuell Europa | DW | 07.09.2020
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Erdgasvorkommen im Mittelmeer

Gasstreit: Erdogan fordert EU zur Neutralität auf

NATO-Partner gegen NATO-Partner, EU-Mitglied gegen EU-Beitrittskandidat: Der Streit von Griechenland und der Türkei um Rohstoffe im Mittelmeer hat viele Facetten. Und der türkische Präsident hat klare Erwartungen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan neben einem Bildschirm, der das Bohrschiff Fatih zeigt

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan neben einem Bildschirm, der das Bohrschiff Fatih zeigt

Recep Tayyip Erdogan hat die EU aufgefordert, im Gasstreit mit Griechenland "unparteiisch" zu sein. Der türkische Präsident habe mit EU-Ratspräsident Charles Michel telefoniert und dabei die Haltung der Europäischen Union bei diesem Thema zum Test für deren Aufrichtigkeit erklärt, heißt es aus dem Präsidialamt in Ankara. Brüssel und die EU-Mitgliedstaaten müssten "fair, unparteiisch und objektiv" sein und sich in "regionalen Fragen", vor allem im östlichen Mittelmeer, "verantwortungsbewusst verhalten".

Michel wiederum forderte Erdogan nach Angaben eines EU-Vertreters in dem Telefongespräch auf, sich für eine Deeskalation des Konflikts einzusetzen und Aktivitäten zu unterlassen, die die Spannungen mit Griechenland weiter anheizen könnten.

Zypern ist auch mit im Spiel

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Neben Griechenland und der Türkei erhebt auch Zypern Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. Ankara und Athen untermauern ihren Anspruch durch die Entsendung von Kriegsschiffen. Die Beziehungen zwischen den beiden NATO-Mitgliedern sind deshalb extrem angespannt.

Das Bohrschiff Fatih soll 320 Milliarden Kubikmeter Erdgas entdeckt haben

Das Bohrschiff Fatih soll 320 Milliarden Kubikmeter Erdgas entdeckt haben

Seit Sonntag läuft zudem eine Militärübung der türkischen Armee im Norden der Mittelmeerinsel Zypern. Die Insel ist seit einer türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Im Norden wurde mit türkischer Hilfe eine Türkische Republik Nordzypern eingerichtet, die jedoch nur von Ankara anerkannt wird. Dort sind auch türkische Truppen stationiert. Die Gesamtinsel wird als Republik Zypern international anerkannt und ist seit 2004 EU-Mitglied.

Michel hatte sich noch vor dem Wochenende in den Konflikt eingeschaltet und eine "multilaterale Konferenz" unter Beteiligung Ankaras vorgeschlagen. Das Treffen soll nicht nur im Streit über Erdgasvorkommen, sondern auch über Migration und Sicherheitsfragen vermitteln.

rb/AR (afp, dpa, rtr)

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Rohstoffstreit: Riskiert Erdogan einen Krieg?

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