Ganz ohne Regeln – die Datscha | Archiv | DW | 02.10.2013
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Ganz ohne Regeln – die Datscha

Im Reisetagebuch schildern die Kandidaten abwechselnd ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Gedanken rund um die Dreharbeiten. Heute vergleicht Kristina deutsche Kleingärten mit russischen Datschas.

Als ich unsere Aufgabe gehört hatte, dachte ich zuerst, dass ein Kleingarten ein Garten für Kinder sei. Aber als wir endlich die Kleingärten gefunden hatten, habe ich sofort gedacht: „Das gibt es doch in Russland auch!“ Wir nennen solche Kleingärten „Datscha“.

„Datscha“ nennt man in Russland ein Land- oder Ferienhaus, in dem die Stadtbewohner gerne das Wochenende oder ihren Sommerurlaub verbringen. Die Größe einer Datscha hängt nur davon ab, wie dick der Geldbeutel ist. Es gibt alles: von riesigen Villen bis zu klitzekleinen Schrebergärten.Doch die meisten Datschas sind relativ kleine Holzhütten oder zweistöckige Holzhäuschen mit einem kleinen Garten.

Die Datscha ist für die Russen entweder Erholung oder harte Arbeit. Ich kenne seit meiner Kindheit die zweite Variante. Immer wenn wir in unseren Kleingarten gefahren sind, gab es in meinem Kopf eine Kleinkatastrophe: „Nein, Leute, nur nicht in die Datscha. Nicht wieder den ganzen Tag im Garten arbeiten“.

Unsere zweite Aufgabe in Stuttgart war es, zu überprüfen, ob alle Regeln eingehalten werden. Ich brauchte viel Toleranz, um die strengen Regeln in diesem Garten zu akzeptieren. Wie hoch sollen die Bäume oder die Tomatenabdeckungen sein? Für mich war das echt Unsinn, weil es in der Datscha in Russland überhaupt keine Regeln gibt.

Als ich ein Kind war, hatten wir eine Datscha, die in der Stadt lag. Das ist sehr bequem und billig. Die Datscha unserer Verwandten lag in der Vorstadt. Das bedeutet eine stundenlange, besonders im Sommer ermüdende Reise mit der Elektritschka (so heißt eine elektrische Vorortbahn in Russland). Die Leute fahren in einem stickigen Wagen, einige sitzend, andere stehend. Danach müssen sie noch ihre riesigen Taschen zu Fuß zur Datscha schleppen. Wenn sie das Häuschen endlich erreichen, fangen sie gleich an zu arbeiten: Gemüse und Obst wird angepflanzt und gegossen. Nur selten bleibt Platz für Blumen. Warum die Russen daran Vergnügen finden, verstehe ich bis heute nicht.

Heute haben immer mehr Stadtbewohner die Datscha nur noch zum Grillen. Sie bauen auch kaum noch Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, rote Rüben, Kohl und Zucchini an, sondern haben im Garten nur noch Johannisbeer- und Himbeersträucher oder Apfelbäume.

Text: Kristina