Funkel beim 1. FC Köln: Rettung mit Routine? | Sport | DW | 12.04.2021
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Bundesliga

Funkel beim 1. FC Köln: Rettung mit Routine?

Beim 1. FC Köln soll Friedhelm Funkel dafür sorgen, dass in den letzten sechs Bundesliga-Partien doch noch der Klassenerhalt gelingt. Der 67-Jährige steht für einen konservativen Ansatz mit Augenmerk auf der Defensive.

So richtig hatte ihm wohl niemand, der ihn länger kennt, abgekauft, dass Friedhelm Funkel tatsächlich seine Rente genießen könnte und würde. Mit 67 Jahren hätte er eigentlich guten Grund dafür. Und würde die Corona-Pandemie nicht das normale Leben seit geraumer Zeit torpedieren, womöglich hätte Funkel seine Pläne tatsächlich umgesetzt und seine neu gewonnene Freizeit mit Weltreisen, Tennisturnieren und Skitouren verbracht. Das alles ist aber aufgrund der Pandemielage derzeit nicht möglich. Und so hatte sich bei Funkel wohl Langeweile breit gemacht. "Ich konnte nicht die Freiheiten genießen, wie ich mir das vorgestellt habe. Ende des letzten Jahres ist der Gedanke gereift, ich könnte nochmal arbeiten", sagte Funkel bei seiner Vorstellung am Montagnachmittag. 

So kommt die Möglichkeit, den 1. FC Köln für die letzten sechs Spiele zu übernehmen und womöglich vor dem Abstieg zu retten, als kurzzeitige und intensive Beschäftigung für die nächsten Wochen gerade recht. Darüber hinaus wird es dann keine Zusammenarbeit mehr mit dem FC geben, kündigte Funkel an.

FC-Manager Horst Heldt hatte Markus Gisdol nach der unglücklichen 2:3-Niederlage gegen das ebenfalls abstiegsbedrohte FSV Mainz 05 noch am Sonntagabend beurlaubt und die bereits seit längerer Zeit laufenden Gespräche mit Funkel telefonisch finalisiert. Am späteren Montagmorgen bestätigte der Klub die Verpflichtung. "Wir sind davon überzeugt, dass wir nochmal einen neuen Impuls brauchen. Und er kann den Input liefern, den wir benötigen", sagte Manager Horst Heldt. 

Funkel sieht in der Aufgabe eine "schwierige, aber nicht unmögliche Aufgabe. Ich werde die Aufgabe mit sehr viel Optimismus angehen."

Schlechte Stimmung

Die Kölner sind nach 28 Spieltagen mit 23 Punkten Vorletzter der Bundesliga-Tabelle. Heldt hofft, dass Funkel mit seiner enormen Erfahrung von allein 510 Spielen als Trainer in der Bundesliga der Mannschaft auf der Zielgeraden den nötigen Halt gibt. Mit Klubs wie dem MSV Duisburg, Bayer 05 Uerdingen und einigen anderen Vereinen hat Funkel so viel Routine im Abstiegskampf gesammelt, dass ihm diese Aufgabe keine schlaflosen Nächte bereiten wird. Zumal er in Köln bereits gearbeitet hat und den Klub und sein emotionales Umfeld gut kennt. 

Einst, im Jahr 2003, stieg er mit den Rheinländern in die Bundesliga auf - einer seiner insgesamt sechs Aufstiege in die deutsche Eliteklasse. Allerdings dauerte seine Zeit bei den Kölnern danach nur noch zehn Partien (insgesamt 20 Monate), weil sein eher destruktiver Ansatz, Fußball spielen zu lassen, für kollektiven Unmut sorgte.

Fußball: Friedhelm Funkel und Andreas Rettig

Zum zweiten Mal in Köln: Friedhelm Funkel (l.) mit FC-Manager Andreas Rettig (r.) im Jahr 2003

"Die Grundstimmung im Umfeld war einfach miserabel. Wir mussten uns zuletzt ja schon für Erfolge bei den Fans entschuldigen. Alles Negative wurde Funkel angelastet", klagte Manager Andreas Rettig damals. Fußball war für Funkel in erster Linie nie Spektakel, sondern vielmehr Arbeit und taktische Disziplin. Ihm ging es immer zunächst darum, Gegentreffer zu verhindern statt die Flucht nach vorne zu suchen. Das sorgte für unansehnliche Spiele und viel Unzufriedenheit.  

Keine Ausgewogenheit

Aber genau diesen Ansatz dürfte auch Heldt mit der Verpflichtung verfolgen. Mit derzeit 50 Gegentoren haben die Kölner aktuell die zweitschlechteste Bilanz hinter dem FC Schalke 04 (71 Gegentore) aufzuweisen. Die drei Gegentreffer beim Abstiegsgipfel gegen die Mainzer zeigen das Dilemma auf. Unter Gisdol bekam die Mannschaft nie eine Ausgewogenheit zwischen erzielten Toren und Gegentreffern hin. "Wir müssen kompromissloser verteidigen und vielleicht auch mal härter zur Sache gehen. Das müssen wir gemeinsam schaffen", sagte Funkel.  

Funkel wird nun schnellstens versuchen dafür zu sorgen, dass die Flut an Gegentoren deutlich abgemildert wird. Und in diesem prekären Fall werden die Köln-Anhänger einen konservativen Ansatz sicher klaglos über sich ergehen lassen.