Fußballer Ronaldinho in Paraguay zum zweiten Mal festgesetzt | Aktuell Amerika | DW | 07.03.2020
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Justiz

Fußballer Ronaldinho in Paraguay zum zweiten Mal festgesetzt

Wegen der Einreise mit einem falschen Pass nach Paraguay ist der frühere brasilianische Fußballnationalspieler Ronaldinho abermals festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen ihn und seinen Bruder.

Paraguay Asuncion Ronaldinho vor Gericht wegen gefälschtem Pass (Reuters/J. Adorno)

Ronaldinho nach seiner Aussage vor Gericht in Asuncion

Die Generalstaatsanwaltschaft in Asuncion teilte mit, sie habe die Festnahme sowie Untersuchungshaft für den 39-jährigen Ronaldinho und seinen Bruder Roberto de Assis Moreira "wegen Verwendung eines staatlichen Dokumentes mit gefälschtem Inhalt" angeordnet. Sie machte damit die Entscheidung des ursprünglich zuständigen Staatsanwaltes rückgängig, der wenige Stunden zuvor die Freilassung des brasilianischen Weltmeisters von 2002 verfügt hatte. Nun werde sogar wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen die beiden ermittelt, heißt es aus Asuncion.

Die Generalstaatsanwaltschaft tauschte in dem Fall den Staatsanwalt aus. Der neue Zuständige ordnete die erneute Festnahme von Ronaldinho und seinem Bruder an. Sie wurden von Beamten in Zivil aus ihrem Hotel geholt und zum Sitz der Nationalen Polizei gefahren. Dort sollten sie über Nacht bleiben. Ronaldinhos Anwalt Adolfo Marín sagte vor Journalisten, er kenne den Grund für die Festnahme nicht. Die Inhaftierung sei "seltsam, wir wissen nichts", sagte der Anwalt.

"In gutem Glauben" gehandelt?

Am Freitag hatte Staatsanwalt Federico Delfino darauf verzichtet, gegen Ronaldinho und seinen Bruder Anklage zu erheben. Die Brüder seien "betrogen" worden und hätten "in gutem Glauben" gehandelt, als sie in Brasilien die gefälschten Pässe erhielten, sagte Delfino. Außerdem lobte er, dass die beiden Brüder während einer siebenstündigen Anhörung am Donnerstag nützliche Zeugenaussagen gemacht hätten.     Der zuständige Richter erklärte, Ronaldinho und sein Bruder seien frei zu gehen, wohin sie wollten. Sie verließen am Freitagabend (Ortszeit) das Justizgebäude in Asunción, knapp zwei Stunden später erfolgte die erneute Festnahme.

Paraguay Ronaldinho entgeht Anklage wegen gefälschtem Pass (picture-alliance/AP/J. Saenz)

Ronaldinho bei der ersten Festnahme durch Polizisten am Mittwoch in Asuncion

Die erste Festnahme der beiden Brasilianer hatte sich am Mittwoch in ihrem Hotel ereignet. Ihre gefälschten Pässe waren nach Angaben der Ermittler zuvor bei der Einreise am Flughafen von Asunción aufgefallen. Der zweimalige Weltmeister war nach Paraguay gekommen, um Werbung für sein neues Buch zu machen. Zugleich wollte er ein Programm starten, das Kinder für einen sportlichen Lebensstil begeistern soll.

Nachträglich Daten manipuliert?

Bei dem beanstandeten Pass handelte es sich ersten Ermittlungsergebnissen zufolge um ein echtes paraguayisches Dokument, in dem nachträglich einige Daten verändert worden waren. Nach Angaben von Ronaldinho hatte ein Unternehmer ihm und seinem Bruder die Pässe bei ihrer Ankunft in Paraguay übergeben. Gegen drei in den Fall verwickelte Personen wurde bereits Anklage erhoben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

BG Fußball Champions League 45th Joan Gamper Trophy soccer match - FC Barcelona vs AC Milan (picture-alliance/Cordon Press)

Glückliche Tage: Ronaldinho (rechts außen) mit dem FC Barcelona im Jahr 2010

Zudem seien Ermittlungen gegen mehrere Beamte und Privatleute eingeleitet worden. Gegen einen Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde sei Haftbefehl erlassen worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Verdächtigen Mitglieder einer kriminellen Bande sind, die sich auf die Fälschung von Ausweisdokumenten spezialisiert hat.

Dem früheren Starspieler des FC Barcelona und seinem Bruder waren im November 2018 in ihrer Heimat Brasilien die Reisepässe entzogen worden, weil sie gegen sie verhängte Strafzahlungen in Höhe von umgerechnet 2,2 Millionen Euro nicht geleistet hatten. Diese Strafe war verhängt worden, weil sie bei der Bebauung eines Grundstücks in Porto Alegre im Süden des Landes massive Umweltschäden verursacht hatten.

kle/se (afp, sid, dpa)

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