Fußball-WM 2026: Für oder gegen Donald Trump? | Fußball | DW | 11.06.2018
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FIFA-Kongress in Moskau

Fußball-WM 2026: Für oder gegen Donald Trump?

Politischer Druck durch Trump

In der Nacht des 27. April um 1.39 Uhr drückt der US-Präsident, der häufig früh morgens oder spät abends aus seinem Bett twittert, auf 'absenden'. Und verändert damit die Welt rund um die Wahl an diesem Mittwoch. Er schreibt, dass die USA mit Kanada und Mexiko eine starke Bewerbung um die WM 2026 hätten. Und dann fragt er, warum die USA noch Länder unterstützen sollten, wenn diese sie nicht bei dieser Wahl unterstützen würden.

Noch nie hat ein Politiker so deutlich öffentlich Einfluss auf eine Wahl im Weltsport genommen. Ab jetzt ist jedes Abstimmungsverhalten am Mittwoch auch eine Abstimmung für oder gegen die USA, für oder gegen Trump.

Und das Problem für Marokko ist: Die Wahl am Mittwoch ist nicht geheim, die FIFA veröffentlicht anschließend, welcher Fußballverband wie abgestimmt hat. Die Frage ist nun, wie viele Fußballverbände sich auch als verlängerter Arm ihrer Regierungen sehen oder wie viele ganz absichtlich gegen Trump stimmen wollen. Bisher ist das völlig offen.

Nur selten wird der politische Einfluss so deutlich wie beim Fußballverband Zimbabwes, der in einem Statement vor einigen Tagen schreibt, dass man "selbstverständlich" Rücksprache mit der Regierung des eigenen Landes genommen habe und die erwärme sich für "United 2026", also stimme man auch so ab. Für Trump also.

Saudi-Arabien wirbt für "United 2026"

Klar ist bisher nur, dass ein Großteil der 54 afrikanischen Stimmen an Marokko gehen werden, zudem die des ein oder anderen muslimischen Landes und die Stimmen einiger Europäer, die wie Frankreich durch Einwanderung enge Verbindungen nach Marokko haben oder einfach auf die bessere Zeitzone für ihre Fans und Märkte setzen. Da ist es nicht mehr weit bis zu den 104 Stimmen, die man braucht. Bei Stimmengleichheit gewinnt die Bewerbung mit der besseren Task Force-Bewertung, also die Nord- und Mittelamerika-Kandidatur.

Mexiko FIFA-Kongress in Mexiko Stadt 2016 (picture-alliance/dpa/Bildfunk/J. Mendez)

Der FIFA-Kongress (hier 2016 in Mexiko-Stadt) stimmt diesmal über den WM-Gastgeber ab

Die wird Stimmen aus Mittel- und Südamerika ziehen, aus Asien - hinter den Kulissen kümmert sich offenbar vor allem Saudi-Arabien um Stimmen für den politischen Verbündeten USA und hat just kurz vor der WM 2026-Entscheidung einen neuen Fußballverband für Südwestasien mit 13 Mitgliedern gegründet - und natürlich jene der vier US-Außengebiete Puerto Rico, Guam, die Amerikanischen Jungferninseln und Amerikanisch-Samoa. Wochenlang hatte Marokko versucht und bei der FIFA beantragt, diese aufgrund von Befangenheit von der Wahl auszuschließen. Ohne Erfolg. Denn bei der Wahl steht auch für die FIFA und dessen Präsidenten Gianni Infantino viel auf dem Spiel.

Finanzen sprechen für USA und Co.

Die größere WM mit 16 zusätzlichen Mannschaften wird nämlich auch deutlich teurer. Und mit dem Geld ist das sowieso gerade so eine Sache bei der FIFA, nachdem Infantino bei seiner Wahl im Februar 2016 jedem Mitgliedsverband ordentlich mehr Geld, nämlich fünf Millionen US Dollar pro Vierjahreszeitraum versprach. Außerdem haben die Anwaltskosten für die vermeintliche Korruptionsaufklärung nach den Skandalen um Stimmenkauf und Bestechung von FIFA-Offiziellen Millionen gekostet. Und Sponsoren scheinen derzeit mehr als vorsichtig, Geld in das FIFA-Geschäft zu pumpen.

Da kommt die US-Bewerbung mit ihrem großen Markt, den finanzstarken Sponsoren und TV-Anstalten gerade recht. Über 14,3 Milliarden US Dollar verspricht eine WM in Nordamerika zu erlösen, schreibt die FIFA Task Force in ihrem Bericht. Eine WM in Marokko würde demnach nur 7,2 Milliarden bringen.

Und Infantino verdankt seine Wahl vor allem einem Mann: Sunil Gulati. Sie erinnern sich: dem ehemaligen Präsidenten des US-Fußballverbandes. Er war es, der am Tag der Wahl Infantinos die nötigen Stimmen für ihn sicherte. Ein Sieg der US-Bewerbung ist für Infantino möglicherweise also überlebenswichtig, wenn es um seine Wiederwahl im nächsten Jahr geht.

FIFA International Legends Game 2017 (picture-alliance/Pressefoto Ulmer)

"Best friends": Infantino (2.v.l.) und Gulati (3.v.l.) - hier mit Ex-Superstar Diego Maradona (l.)

Spielen US-Ermittlungen gegen FIFA eine Rolle?

Dass US-Präsident Donald Trump gerade nach dem G7-Gipfel am Wochenende den kanadischen Premier auf Twitter als "unehrlich" und "schwach" bezeichnete, und sich viele Kanadier möglicherweise gar nicht mehr so sicher sind, ob es eine gute Idee war, mit den USA und Mexiko gemeinsam eine WM-Austragung zu beantragen, mag eine Randnotiz sein. Genauso, dass Trump ja eigentlich eine Mauer zu Mexiko bauen will.

Dass der US-amerikanische Inlandsgeheimdienst FBI und ein Gericht in New York weiterhin im FIFA-Korruptionssumpf ermitteln und viele Fußballverbände möglicherweise daher nicht unbedingt die WM just in das Heimatland der Ermittler vergeben wollen, könnte schon eher Folgen haben. Vielleicht wird am Ende auch Hope Solo Recht behalten. Eine der Ikonen des US-Frauenfußballs, Weltmeisterin und Olympiasiegerin, rät stark ab, für ihr Heimatland zu stimmen.

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