Friedensnobelpreis geht an das tunesische ″Quartett für den nationalen Dialog″ | Aktuell Welt | DW | 09.10.2015
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Aktuell Welt

Friedensnobelpreis geht an das tunesische "Quartett für den nationalen Dialog"

Das "Quartett für den nationalen Dialog" in Tunesien erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Die Entscheidung wurde in Oslo bekanntgegeben. Das Nobel-Komitee will so die Demokratisierung in Tunesien unterstützen.

Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben, hieß es in der Begründung für die prestigeträchtige Auszeichnung.

Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer des Landes. Das Nobel-Komitee äußerte die Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde. Die Vereinigung der vier Organisationen wurde 2013 gebildet, als der Prozess der Demokratisierung infolge sozialer Unruhen und Mordanschläge zu scheitern drohte.

Tunesien: Houcine Abassi, Gewerkschafter

Der Gewerkschafter Houcine Abassi, einer der Preisträger

Mehr als 270 Kandidaten

2014 hatten sich die erst 17 Jahre alte Malala Yousafzai aus Pakistan und der Inder Kailash Satyarthi den Preis für ihren Kampf für Kinderrechte geteilt. Damals hatte die Jury aus der Rekordzahl von 278 Kandidaten auswählen müssen. Dieses Jahr standen zwei Namen weniger auf der Nominierungsliste.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, das Quartett zeige den Weg aus der Krise in der Region - über nationale Einheit und Demokratie. Frankreichs Premierminister Manuel Valls zeigte sich, wie zahlreiche weitere europäische Spitzenpolitiker, ebenfalls erfreut über die Wahl des Nobel-Komitees.

Die bekannte tunesische Menschenrechtlerin und Journalisten Sihem Bensedrine sagte der DW: "Der Preis ist eine Würdigung für alle Tunesier." Die Auszeichnung sei zugleich eine Ohrfeige für alle Kräfte, die Zwietracht im Land stiften wollten und den Terrorismus förderten. Die Entscheidung des Nobel-Komitees werde die Bevölkerung ermutigen, "den Weg in die Demokratie weiterzugehen".

Merkel als Preisträgerin gehandelt

In den vergangenen Tagen war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel als aussichtsreiche Kandidatin gehandelt worden. Sie war wegen ihres Einsatzes für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine nominiert worden, hatte sich aber auch durch ihre Flüchtlingspolitik für die Auszeichnung empfohlen. Merkel gratulierte den Preisträgern; Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, das Nobelkomitee habe eine "ausgezeichnete Entscheidung" getroffen. Der Preis sei der "verdiente Lohn" für das Festhalten an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Der Preis ist mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert und wird - anders als die anderen Nobelpreise - nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekanntgegeben. Überreicht werden alle Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

ml/mm (dpa, rtr, afp)