Freedom of Speech Award 2020: Laudatio von Michelle Bachelet, Vereinte Nationen | Presse | DW | 03.05.2020
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Presse

Freedom of Speech Award 2020: Laudatio von Michelle Bachelet, Vereinte Nationen

Am Internationalen Tag der Pressefreiheit würdigt Michelle Bachelet die Preisträger des DW Freedom of Speech Award 2020. Hier ist der Text im Wortlaut.

Schweiz Genf | UN-Hochkommissarin | Michelle Bachelet (Getty Images/AFP/F. Coffrini)

Michelle Bachelet, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte

Die per Videobotschaft übermittelte Laudatio von Michelle Bachelet, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, im Wortlaut: 

Unabhängige, evidenzbasierte Informationen sind das Lebenselixier der Gesellschaft. Der Journalismus bereichert unser Verständnis für jede Art von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen und trägt dazu bei, die Regierungsführung auf allen Ebenen transparent, rechenschaftspflichtig und gut informiert zu halten. 

Und die Arbeit von Journalisten ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir uns den beispiellosen, facettenreichen Herausforderungen der Covid-19-Epidemie stellen. 

Information rettet Leben. Der Journalismus erfüllt in einer Zeit des öffentlichen Gesundheitsnotstands eine entscheidende Funktion – die Information der Öffentlichkeit und die Überprüfung der behördlichen Maßnahmen. 

Jetzt brauchen wir mehr denn je einen freien Informationsfluss und Zugang der Menschen zu diesen Informationen.

Regierungen brauchen Informationen, um präzise Entscheidungen treffen zu können, die den Realitäten vor Ort entsprechen. Die breite Öffentlichkeit – wir alle – brauchen vollständige und genaue Informationen über die Pandemie und müssen in die Entscheidungen, die in unserem Namen getroffen werden, einbezogen werden. Die Beteiligung an diesen Entscheidungen erhöht das Verständnis der Menschen für die Maßnahmen, die ergriffen werden, und verstärkt deren Einhaltung. 

In einem solchen Kontext ist es schockierend, dass Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über die Pandemie angegriffen, bedroht, verhaftet, wegen falscher Verbrechen angeklagt werden und sogar verschwinden.

Das sind Angriffe auf die Medienfreiheit und Angriffe auf das Recht der Öffentlichkeit, informiert zu werden.

Ich bin ebenfalls schockiert über die Repressalien gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen, die in den Sozialen Medien über die Bedingungen berichten, unter denen sie arbeiten, oder über ihren Mangel an angemessener Schutzausrüstung. Auch diese Informationen sind im öffentlichen Interesse.

Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um sicherzustellen, dass vollständige Informationen gesammelt und allen zugänglich gemacht werden. 

Ich bin hier, um den Mut der Journalisten zu würdigen, die sich trotz solcher Angriffe zu Wort melden und weiterhin ohne Angst kritisch recherchieren und berichten.

Ich zolle dem Mut derer Anerkennung, die aufgrund der Ausübung ihrer Arbeit verschwunden sind, verhaftet oder bedroht wurden. Mein Büro und die Vereinten Nationen werden sich weiterhin für ihre Rechte einsetzen. 

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