Frauenrechte sind auch gut für die Gesundheit | Wissen & Umwelt | DW | 19.07.2019
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Gleichberechtigung

Frauenrechte sind auch gut für die Gesundheit

Forscher haben herausgefunden, dass die öffentliche Gesundheit in Ländern mit starken Frauenrechten besser ist. Und das gilt nicht nur für Industriestaaten, sondern auch für ärmere Länder.

Türkei Weltfrauentag in Istanbul - Protest (Reuters/M Sezer)

Frauen demonstrieren in Istanbul für ihre Rechte.

Es wirkt naheliegend, dass Menschen in Ländern, in denen starke Frauenrechte gelten, meist gesünder sind. Schließlich sind Frauenrechte oft in reichen, demokratisch verfassten Industrieländern mit einer Gewaltenteilung besser geschützt als etwa in religiös verfassten Entwicklungsländern. Entsprechend ist in reichen Staaten oft auch das Gesundheitssystem besser entwickelt.

Doch ein Forscherteam um Dr. Kamir Alaei, der an der Drexel University in Philadelphia und am St. Anthony's College im britischen Oxford zum Thema Weltgesundheit lehrt, hat nun Hinweise gefunden, dass es möglicherweise noch andere Verbindungen gibt.

Recht ist kein Privileg der Reichen

Die Forscher haben für den Zeitraum von 2004 bis 2010 Datenbanken mit Informationen über Gesundheit, Menschenrechte, die wirtschaftliche und soziale Lage für 162 Länder abgeglichen. 

Dabei kam heraus, dass es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen den Rechtsstandards für Frauen und mehreren Gesundheitsparametern gibt.

Besonders wichtig: Dieses Ergebnis spiegelt nicht nur den Vergleich zwischen reichen und armen Ländern wider. Vielmehr sind auch unter mehreren armen Ländern die Gesundheitsparameter stets dort besser, wo Frauen starke Rechte genießen. Die bessere Gesundheit geht immer einher mit einer höheren Wachstumsrate, so die wissenschaftlich geprüfte ("peer-reviewed") Studie, die am 18. Juli 2019 in der Fachzeitschrift BMJ Open erschien. 

Mehr dazu: Reisefreiheit für saudische Frauen?

Die wenigsten Länder haben starke Frauenrechte

Die Bedeutung der Frauenrechte für die gesellschaftliche Entwicklung sei oft nicht ausreichend gewürdigt worden, schreiben die Autoren. Zwar hätten die meisten Staaten der Welt die Internationale Frauenrechtskonvention (The Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women – CEDAW) unterschrieben, dennoch seien in 63 der untersuchten Länder die wirtschaftlichen und sozialen Rechte von Frauen "mangelhaft" gewesen. Für 51 Staaten bewerteten die Forscher den Stand der Frauenrechte als "mittelmäßig" und nur in 44 Staaten als "hoch".

Das Fazit: Wo Frauen starke wirtschaftliche und soziale Rechte genießen, ist die Gesundheitsversorgung besser. Möglicherweise liegt das daran, dass dort mehr pro Kopf für die Vorsorge und Pflege ausgegeben wird, schreiben die Forscher.

Insbesondere gelte das für Impfungen, Verhütung und die Betreuung und Pflege von Schwangeren und Kleinkindern. Aber auch die Todesraten sinken und die Lebenserwartung liege dort höher.

"Die Ergebnisse belegen, dass selbst wenn es nur geringe [finanzielle] Ressourcen gibt, der Gesundheitsbereich besser aufgestellt ist, wenn ein Land die Menschenrechte strukturell stärkt."

Genauer Wirkzusammenhang noch unklar

Dennoch warnen die Forscher, dass die Studie zuerst einmal als Beobachtungsstudie ("observational study") zu werten sei und noch keine Kausalität behaupte. Weitere vergleichende Forschung sei nötig, um klare Trends auszumachen.

Dennoch zeige die Studie, dass Länder, die ihre wirtschaftliche Entwicklung vor Frauenrechte stellen, im Irrtum seien. "Heutzutage wird der Wert von Menschenrechten oft aus wirtschaftlicher Sicht in Frage gestellt", schreibt das Forscherteam. "Unsere Daten zeigen [hingegen], dass Menschenrechte [bzw. Frauenrechte] nur [für die Entwicklung] förderlich sein können." 

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