Frauenherzen schlagen anders - Deutscher Herzbericht 2016 | Wissen & Umwelt | DW | 25.01.2017
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Frauenherzen schlagen anders - Deutscher Herzbericht 2016

Mehr als 350.000 Menschen sterben jährlich an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Das sind weit mehr als an Krebs sterben. Aber wer denkt, Männer sind häufiger betroffen als Frauen, der irrt ganz gewaltig.

Laut Herzbericht 2016 sterben deutlich mehr Frauen an Herzerkrankungen als Männer. Die häufigsten Diagnosen lauten: Herzschwäche, Rhythmusstörungen und Erkrankung der Herzklappen.

"Diese starken Sterblichkeitsunterschiede bestehen seit Jahren", sagt Professor Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. "Diese Unterschiede stehen im Kontrast zur stationären Erkrankungshäufigkeit, die bei Männern deutlich höher ist. Sie sollten Anlass für genauere Untersuchungen sein, um Engpässe in der medizinischen Versorgung von Herzpatientinnen auszuschließen." Im Jahr 2014 starben 110.915 Frauen und 90.061 Männer an koronarer Herzkrankheit/Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen, Rhythmusstörungen, Herzschwäche und angeborenen Herzfehlern.

Deutschland Symbolbild Medizin Herzinfarkt bei Frauen (Fotolia/R. Kneschke)

Immer häufiger erleiden Frauen einen Herzinfarkt

Doch Frauen werden wesentlich seltener operiert als Männer. 2015 wurden beispielsweise bei Männer 51.941 Bypass-Operationen vorgenommen, bei Frauen nur 11.521 Eingriffen. Ob ein Zusammenhang zwischen diesen Unterschieden in der medizinischen Versorgung von Herzpatientinnen und der ungünstigeren Prognose für Frauen mit Herzerkrankungen bestehe, müsse zukünftig durch Analysen geklärt werden, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung.

Wenn die Klappe nicht mehr klappt

Auch bei den Herzklappen-Erkrankungen liegen Frauen vorn. Bei Frauen ist die Sterbeziffer wesentlich höher als bei Männern, heißt es im Herzbericht - 8.732 Frauen starben daran und 5.232 Männer. Aber der chirurgische Eingriff am offenen Herzen wird immer häufiger durch schonende Methoden ersetzt wie etwa Verfahren mit Herzkatheter. Früher habe man die Herzklappe ersetzen müssen, jetzt könne man in vielen Fällen die alte Klappe erhalten und rekonstruieren.

Zwischen 1995 und 2015 ist die Zahl der Patienten, die wegen Erkrankung der Herzklappen in Krankenhäusern aufgenommen wurden, enorm angestiegen. Von 69 pro 100.000 Einwohner auf 112. Das entspricht einer Steigerung von über 63 Prozent. Noch eklatanter ist es bei den über 75-jährigen: Hier gibt es über 164 Prozent mehr Patienten, 593 pro 100.000 Einwohner. Dass die Zahl der Herzkranken steigt, liegt daran, dass die Menschen immer älter werden und die Diagnosemethoden immer besser. 

Gute Fortschritte

Bei der Behandlung angeborener Herzfehler bescheinigt der Herzbericht Deutschland gute Noten. Meinertz sieht in diesem Bereich die größte Entwicklung. "Innerhalb der letzten 20 Jahre starb noch ein Großteil der Säuglinge mit schweren, angeborenen Herzfehlern." Heute dagegen habe man die Chance, auch ganz schwere Formen bis ins Erwachsenenalter zu bringen - zum Beispiel Patienten mit einem univentrikuläres Herz, bei dem nur eine Herzkammer besteht. Früher habe die Sterblichkeit bei 30 Prozent gelegen, heute bei einem, so der Mediziner.

Insgesamt sind weniger Menschen an Herzerkrankungen gestorben als noch in  den vergangenen Jahren. Im europäischen Vergleich aber glänzt Deutschland nicht durch eine geringe Sterblichkeitsrate, sondern liegt vielmehr im Mittelfeld, vergleichbar mit Finnland und Griechenland. Während viele Länder in Europa die Rate erheblich senken konnten, konnte sie in Deutschland im Verlauf von zehn Jahren um knapp 30 Prozent reduziert werden, Großbritannien hingegen um gut 42. "An der Spitze steht Deutschland im Mangel an Präventionsstrategien", urteilt Meinertz.

Prävention an der Schule

Aufklärung zu Risiken sollte schon bei Kindern auf dem Stundenplan stehen. Dazu gehört gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und Kindern möglichst früh zu erklären, wie das Herz-Kreislauf-System überhaupt funktioniert. Meinertz hält es für wichtig, dass in den Schulen ein guter Biologieunterricht angeboten wird, dass Kinder richtige Ernährung lernen und gar nicht erst dick werden. "Man kann unheimlich viel machen, aber es wird nichts getan", so die Kritik. Die zuständigen Landesbehörden müssten viel mehr in Vorsorgeprogramme investieren.

Aber laut Meinertz gibt es einen positiven Aspekt des Herzberichts, der nicht direkt etwas mit Herzerkrankungen zu tun hat: "Es  gibt unter Herzchirurgen und Kardiologen eine Menge Streitpunkte. Mit dem Herzbericht finden alle drei Gesellschaften zusammen. Sie geben ihn gemeinsam heraus und was in dem Bericht steht, unterschreiben sie gemeinsam." Ein erster Schritt zu einer Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten.

Der Deutsche Herzbericht wird von der Deutschen Herzstiftung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung (DGK), der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) erstellt und publiziert.

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