Frauenanteil in deutschen Chefetagen steigt leicht | Wirtschaft | DW | 06.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Gleichberechtigung

Frauenanteil in deutschen Chefetagen steigt leicht

Auch wenn es langsam besser wird: Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dann werden Frauen erst im Jahr 2040 ein Drittel der Vorstände in börsennotierten deutschen Unternehmen stellen.

Aktuell stehen 54 Frauen 638 Männern in den Chefetagen der 160 Dax, MDax-, SDax und TecDax Firmen gegenüber, hat die Unternehmensberatung EY in einer Studie ermittelt. Vor einem halben Jahr waren es fünf weniger, damit sei der Frauenanteil im ersten Halbjahr von 7,2 auf 7,8 Prozent gestiegen. In 29 Prozent der Unternehmen ist nun mindestens eine Frau im Vorstand vertreten, in nur vier Prozent sitzen zwei. Weibliche Chefs gibt es jedoch nur in vier Firmen, nämlich bei Grenke - dort führt seit Januar eine Frau - das Unternehmen ist im SDax notiert genauso wie die Hamburger Hafen und Logistik und die DIC Asset. Außerdem gibt es eine Chefin beim MDax-Unternehmen MediGene.

Es geht also nur sehr langsam voran. Einen Grund dafür sieht EY-Partnerin Ilja Ramirez darin, dass es keine gesetzliche Quote für Vorstände gibt. Für die Aufsichtsräte gilt seit Mai 2015 das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen. Seit 2016 müssen die börsennotierten Unternehmen, deren Kontrollgremium zur Hälfte mit Arbeitnehmern besetzt ist, bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat einen Frauenanteil von 30 Prozent erreichen. Das gilt für Vorstände eben nicht: "Entsprechend ist der Druck längst nicht so groß", sagt Ramirez. Dass aber öffentlicher Druck wirke, zeige sich am Frauenanteil in den 30 großen DAX-Unternehmen: Der ist mit 13 Prozent fast doppelt so hoch. Immerhin aber, so beobachtet die EY-Partnerin, bemühten sich die meisten Unternehmen schon darum, mehr Frauen in die Vorstände zu berufen

Infografik Männliche und weibliche Vorstände DE

.

Es braucht "Druck von ganz oben"

Es gebe jedoch nicht "übermäßig viele weibliche Kandidaten mit ausreichender Managementerfahrung und Qualifikation." Das aber liege nicht unbedingt an den Frauen. Denn es gebe zwar in vielen Unternehmen Programme zur Frauenförderung und Kurse für angehende weibliche Führungskräfte, und auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehe oben auf der Tagesordnung. Um da wirklich voranzukommen, müsse es "echten Druck von ganz oben" geben.

Das sieht auch Elke Holst so, sie ist  Forschungsdirektorin für Gender Studies am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Damit man nachhaltig mehr Frauen in Führungspositionen bringen, sollten die Unternehmen im eigenen Interesse zügig einen Pool geeigneter Kandidatinnen auf- und ausbauen, hatte sie schon zu Beginn des Jahres zur Vorstellung des vom DIW erstellten "Managerinnen-Barometers" gesagt. Andernfalls müsse auch die Politik darüber nachdenken, die bisherigen Regelungen für Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen, die auf Freiwilligkeit basieren, zu verschärfen. Es gehe aber grundsätzlich nicht um ein Gegeneinander von Politik und Unternehmen, sondern vielmehr um gemeinsame Anstrengungen - etwa beim qualitativen und quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung, meint Holst.

Das gute alte Rollenbild

Nicht zuletzt macht Ramirez noch immer tradierte Rollenbilder aus: "Noch sind es zumeist Frauen, die sich um die Kinder kümmern und dafür Abstriche bei der eigenen Karriere machen." Solche Rollenbilder erstickten aber erfolgreiche Frauenkarrieren schon früh im Keim. Fachkräftemangel aber ist auf mittlere Sicht eine der größten Herausforderungen für die Unternehmen: "Wir können es uns einfach nicht leisten, dass so viele Frauen freiwillig oder unfreiwillig auf eine Karriere verzichten."

Zuständig sind die Frauen in den Vorständen meist für operative Bereiche: 30 Prozent seien da tätig, knapp ein Viertel verantworte Personal. 22 Prozent sonstige Zentralfunktionen wie Marketing, Forschung oder Compliance. Am geringsten sind Frauen, das hatte die Studie des DIW zu Beginn des Jahres ergeben, in den Chefetagen des Finanzsektors vertreten, obwohl sie dort insgesamt die Hälfte der Beschäftigten stellen.

Audio und Video zum Thema