Frauen in Spanien geben Gas bei Robotik | Wirtschaft | DW | 01.02.2021
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Künstliche Intelligenz

Frauen in Spanien geben Gas bei Robotik

In absoluten Zahlen sind sie noch wenige, aber ihr Einfluss steigt. Frauen in Spanien erschaffen Roboter, gründen KI-Unternehmen und werden von der Regierung in Madrid gefördert.

Marie André Destarac entwickelt Roboter zur Unterstützung von Kindern mit Bewegungseinschränkung

Die gebürtige Guatemaltekin Marie André Destarac entwickelt in Spanien Roboter zur Unterstützung von Kindern

Dass Frauen arbeiten, ist in Spanien weitaus üblicher als in Deutschland - vor allem, wenn sie Kinder haben. Zuhause bleiben ist auch bei Müttern nicht gut angesehen. Die Versorgung des Nachwuchses ist ab dem 3. Lebensjahr durch die kostenfreie Vorschule garantiert. Bis dahin werden die Kleinsten von Großeltern und in Kinderkrippen betreut. Kinder- oder Elterngeld gibt es nicht.

"Wenn Frauen in Spanien Arbeit suchen, dann wählen sie oft soziale Berufe, weil das unserem Naturell entspricht, wenige gehen in die Ingenieurstudiengänge. Die aktuelle Pandemie hat uns jedoch gezeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) Leben retten kann. Der Sektor bietet uns enorme Chancen", sagt Verónica Pascual, Geschäftsführerin des in Burgos ansässigen Familienunternehmens ASTI, das gerade zusammen mit seinem Tochterunternehmen in Berlin einen Reinigungsroboter für Krankenhäuser auf den Markt brachte.

"Frauen verstecken sich manchmal hinter Berufen, die zu ihnen passen, und suchen nicht solche Chancen, wo sie wirklich aufsteigen und Geld verdienen können", glaubt Pascual. Die Flugzeugingenieurin ist das beste Beispiel dafür, dass vor allem Frauen in Spanien in der Robotik erfolgreich sein können.

Veronica Pascual, CEO der ASTI Technologies Group in Burgos

Veronica Pascual, CEO der ASTI Technologies Group in Burgos

600 Millionen Euro für Robotik

Da der spanische Premier als der Politiker in die Geschichte eingehen will, dessen Regierung am meisten für Frauen getan hat, ist Pedro Sánchez im Dezember angekündigter 600 Millionen Euro schwere KI-Investitionsplan auch darauf ausgerichtet, bis 2023 noch mehr weibliche Intelligenz ins heimische Roboterwesen zu integrieren. Mädchen sollen schon an der Schule animiert werden, Informatik oder Mathematik zu studieren. Gleichzeitig will das Land diese enorme Chance nicht verpassen, um industriell bedeutsamer zu werden.

Die International Federation of Robotics (IFR) schätzt, dass sich der Umsatz im Robotikmarkt in den nächsten fünf Jahren auf 275 Milliarden Dollar verdreifachen wird. "Die Coronavirus-Krise hat uns in Rekordzeit und sehr plastisch aufgezeigt, dass Robotik die Arbeit des Menschen ergänzt. Es ist Zeit für uns, nicht nur in Unternehmen, sondern auch in öffentlichen Verwaltungen auf KI-Technologie und Talente zu setzen, um ein attraktiver Ort für Innovation und Wertschöpfung zu werden", glaubt Pascual.

In den Fabriken haben sich die künstlichen Gehilfen bereits durchgesetzt. Im nächsten Jahr wird damit gerechnet, dass weltweit vier Millionen Industrieroboter im Einsatz sind. "Aber wir erleben gerade auch den Durchbruch der Roboter im Sozial- und Gesundheitswesen ", sagt Pascual.

Infografik Roboter im Haushalt kommen in Mode DE

Und genau dort arbeitet und forscht bereits die 39-jährige Marie André Destarac, die ursprünglich aus Guatemala kommt, wo sie die einzige Doktorin für Robotik ist (siehe Artikelbild). Durch ein Stipendium kam sie auf Umwegen nach Madrid. Hier arbeitet sie in dem von der spanischen Elektroingenieurin Elena García gegründeten Unternehmen Marsi Bionics.

Das Spin-off der Polytechnischen Uni von Madrid und der staatlichen Forschungsgesellschaft CSIC erlebte 2020 seinen Durchbruch mit ATLAS 2030, einem KI-Skelett, das behinderten Menschen hilft, aufzustehen und zu gehen. Destarac hat maβgeblich daran mitgewirkt, worauf sie sehr stolz ist: "Und irgendwann werde ich mit meinem Wissen wieder zurück in meine Heimat gehen, um dort die Wirtschaft und das Gesundheitswesen durch Roboter effizienter zu machen und auch Frauen zu animieren, meinem Beispiel zu folgen."

Frauen wollen mit Robotern die Welt positiv verändern

Wie Destarac will auch die Spanierin Mónica Priefert mit ihrer Arbeit im Rahmen der spanischen Branchen-Plattform Odiseia mehr Mädchen für die Robotik begeistern: "Es wird einen enormen Boom bei sozialen Robotern geben und wir haben viel zu wenig Menschen, die diesen Zweig als Studium wählen oder überhaupt Ingenieurwissenschaften." Priefert ist selber auch keine Ingenieurin, aber sie hat einen Master-Abschluss in künstlicher Intelligenz und sieht es derzeit als ihre primäre Aufgabe an, gesellschaftliche Ängste in Bezug auf Roboter zu beseitigen.

Sie arbeitet zudem an der erst vor zwei Jahren gegründeten KI-Uni, dem IMMUNE Technology Institute in Madrid, wo sie versucht, Kindern Robotik schmackhaft zu machen, wobei sie sich klar ist: "Frauen werden ihren Platz vor allem dort haben, wo techno-humanistische Themen gefragt sind und auch bei der Entwicklung von Ethik im Umgang mit Robotern", glaubt Priefert.

Mónica Priefert

Mónica Priefert forscht am Immune Technology Institute in Madrid

Auch für die Ingenieurin Sofia Coloma war klar, dass sie mit ihrer Arbeit etwas bewirken wollte. Die 28-Jährige gehört zu den Frauen in Spanien, die nicht nur zuschauen wollen, sondern an der KI-Revolution aktiv und positiv für die Gesellschaft mitwirken wollen.

Coloma ist nicht nur Teil des Roboterteams des weltweiten Projekts IFMIF-DONES (International Fusion Materials Irradiation Facility​ DEMO Oriented Neutron Source). Die junge Forscherin hat sich zudem auf Telerobotik in verstrahlten Umgebungen spezialisiert: "Ich möchte in allem, was es derzeit auf diesem Gebiet gibt, führend sein", sagt die Mallorquinerin selbstbewusst.

Für sie wie für viele junge Spanierinnen, die mit Robotik anfangen, ist eine bereits ältere Dame das Vorbild: Carme Torras. Die Spanierin sprach schon von Robotern, als Frauen in anderen Teilen der Welt noch kämpfen mussten, um überhaupt wählen oder zur Arbeit gehen zu können.

Die 1956 in Barcelona geborene CSIC-Wissenschaftlerin wurde nicht nur für ihren Beitrag zur sozialen Robotik mit dem National Research Award 2020 ausgezeichnet, sondern auch für ihre innovativen Visionen, die sich in ihren Büchern widerspiegeln. Das Motto der Science-Fiction-Schriftstellerin und Informatikerin: "Habt keine Angst vor dem, was kommt." Das propagiert auch Pascual. Sie kündigt aber auch eine Schlacht um das Know-how im Roboterwesen an und appelliert an ihre eigene Regierung und die Wirtschaftselite ihres Landes: "Im Laufe der Geschichte haben wir gesehen, wie sich in Krisenzeiten die Giganten von morgen bilden, weil sie in Technologie investieren und damit über bessere Waffen verfügen."

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