Frauen hinter der Kamera: Berlinale-Retrospektive 2019 | Filme | DW | 13.11.2018
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Berlinale 2019

Frauen hinter der Kamera: Berlinale-Retrospektive 2019

"Selbstbestimmt. Perspektiven von Filmemacherinnen" - so lautet der Titel der großen filmhistorischen Schau der kommenden Berlinale. Das Thema ist absolut zeitgemäß - und blickt in beide Teile Deutschlands vor 1990.

Filme von Frauen, oft über Frauen, aber nicht nur für Frauen - das Kino von Regisseurinnen, die in der Zeitspanne zwischen 1968 und 1999 gearbeitet haben, steht im Mittelpunkt der Berlinale-Retrospektive 2019. Die filmhistorische Schau, die das jeweils aktuelle Programm der Berliner Filmfestspiele flankiert, passt angesichts der #MeToo-Debatte oder der laufenden Diskussion über die Gleichberechtigung in der Filmbranche  gut in die Zeit.

Eine Filmschau, die ebenso in die BRD wie in die DDR blickt

Die Berlinale schaut in ihrer 69. Ausgabe im kommenden Jahr (07. bis 17.02.2019) genauer auf das Schaffen der Regisseurinnen hierzulande - und das betrifft beide Teile Deutschlands. Sowohl die Aufbruchbewegung, die in der Bundesrepublik nach dem Umbruchjahr 1968 einsetzte, als auch die zarten Versuche der DDR-Filmbürokratie in Sachen Kunst- und Meinungsfreiheit sollen beleuchtet werden.

Schauspielerin Helke Sander (Imago/United Archives)

Pionierin des westdeutschen Frauenfilms: Helke Sander

"Entwickeln konnte sich dieses Filmschaffen in der Bundesrepublik Deutschland im Kontext der Student*innenbewegung von 1968, eng verbunden mit der Neuen Frauenbewegung und dem Neuen Deutschen Film," heißt es von Seiten der Veranstalter der Retrospektive. In der DDR hingegen seien alle Filme innerhalb eines staatlich gelenkten Studiosystems entstanden: "Die DEFA bot einigen Pionierinnen bereits in den 1950er Jahren die Möglichkeit, Regie zu führen, allerdings vornehmlich bei Filmen für Kinder." Ab Ende der 1960er Jahre sei dann der sozialistische Alltag in den Fokus der Regisseurinnen in der DDR gerückt.

Reiner Rother: "Großartige filmische Vielfalt"

Reiner Rother, Leiter der Retrospektive und Künstlerischer Direktor der "Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen" sieht im Thema der Berlinale-Retro 2019 eine konsequente Fortschreibung früherer filmhistorischer Schauen: "'Selbstbestimmt' setzt auch die Retrospektive 'Deutschland 1966' fort, in der der Karrierebeginn westdeutscher Regisseurinnen dokumentiert wurde." In den Jahren nach '68 sei in West und Ost eine "großartige filmische Vielfalt" entstanden, "stilistisch wie thematisch".

Berlinale 2019 | Peppermint Frieden (Deutsche Kinemathek)

Bildgewaltig: "Peppermint Frieden" von Marianne Rosenbaum aus dem Jahr 1983

Dabei werden Filme aus vielen unterschiedlichen Genres gezeigt. Die heute als Kultfilm geltende Komödie "Zur Sache, Schätzchen" von Regisseurin May Spils (BRD 1968, Artikelbild) ist ebenso dabei wie ein Dokumentarfilm, der auf die Lebenserinnerungen von sechs Frauen zurückblickt, die vor oder während der Weimarer Republik geboren wurden: "Mit Haut und Haar" von Martina Döcker und Crescentia Dünßer (D 1999).

Klassiker des Frauenfilms, aber auch einige Entdeckungen

Gezeigt werden Filme bekannter Regisseurinnen aus Westdeutschland wie Helma Sanders-Brahms, Jutta Brückner, Marianne Rosenbaum oder Ulrike Ottinger. Wesentlich unbekannter dürften dagegen die Werke der aus der DDR stammenden Filmemacherinnen sein, wie zum Beispiel Ingrid Reschkes "Kennen Sie Urban?", der 1971 gedreht wurde.

Berlinale 2019 | Berlin – Prenzlauer Berg (DEFA-Stiftung/Michael Lösch)

"Berlin - Prenzlauer Berg. Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990" von Petra Tschörtner

Insgesamt sollen bei der Retrospektive der 69. Berlinale 26 lange Spiel- und Dokumentarfilme sowie 20 kurze und mittellange Filme gezeigt werden. Der im kommenden Jahr scheidende Berlinale-Direktor Dieter Kosslick verwies auf die Aktualität der kommenden Filmschau: "Dank dieser Aktivistinnen, darunter engagierte Filmemacherinnen wie Helke Sander, Ula Stöckl oder Jutta Brückner, entfaltete sich das weibliche Filmschaffen selbstbewusst. Die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit in der Filmbranche ist bis heute aktuell geblieben."

jk/suc (Berlinale/Kinemathek)

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