Frau verklagt Eltern wegen Facebook-Fotos | Welt | DW | 15.09.2016
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Welt

Frau verklagt Eltern wegen Facebook-Fotos

Eine 18-Jährige aus Österreich geht gegen ihre Eltern vor Gericht, weil sie Kinderfotos von ihr auf Facebook gepostet hatten. Sie sagt, die Fotos seien entwürdigend und hätten ihr Leben zur Qual gemacht.

Die junge Frau aus Kärnten sagt, ihre Eltern hätten rund 500 Fotos auf Facebook ohne ihre Erlaubnis hochgeladen.

"Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem Töpfchen saß oder nackt in meinem Kinderbettchen lag - jeder Schritt von mir wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht," erzählte die 18-jährige der Internetzeitung "The Local Austria".

Sie erzählt, wie ihre Eltern 2009 angefangen hätten, ihre Kinderfotos mit allen ihren 700 Facebook-Freunden zu teilen, seit sie elf Jahre alt gewesen sei. Ihre Mutter und ihr Vater hätten ihren Wunsch, die Bilder von der Seite des Netzwerks zu nehmen, ignoriert, woraufhin sie den Fall vors Gericht gebracht habe.

"Sie haben mich nie gefragt, ob mir das recht sei. Ich habe es satt, von meinen Eltern nicht ernstgenommen zu werden", zitiert die "Bild"-Zeitung die 18-Jährige.

Dagegen ist der Vater der jungen Frau der Ansicht, er habe das Recht, die Bilder zu veröffentlichen, da er sie schließlich selbst aufgenommen habe.

"Letztendlich ist sie unsere Tochter, und für meine Frau und mich ist es ein nettes Familienalbum, das sehr gut aufgenommen worden ist von unseren Freunden", erzählte der Vater dem Magazin "Die ganze Woche".

Facebook Kinder Polizei Hagen EINSCHRÄNKUNG (Foto: Polizei Hagen)

Die Polizei warnt bereits Eltern, vorsichtiger mit Bildern von Kindern umzugehen

Auswirkungen über Österreich hinaus

Der Anwalt der jungen Frau, Michael Rami, berichtete gegenüber österreichischen Medien, seine Klientin habe gute Chancen, den Prozess zu gewinnen, wenn bewiesen werden könne, dass die Bilder ihr Recht auf Privatsphäre verletzt hätten. Falls die Eltern den Prozess verlieren, müssen sie möglicherweise ihrer Tochter Schadensersatz leisten und die Gerichtskosten übernehmen.

Das Teilen solcher Bilder online und dessen mögliche Auswirkungen auf jüngere Generationen ist erst seit kurzem ein Thema. Daher wird das Gerichtsverfahren, das auf Anfang November angesetzt ist, mit großem Interesse verfolgt. In Österreich ist dies der erste derartige Fall, aber das Urteil könnte Folgen auch für andere EU-Länder haben.

Die Behörden in Frankreich raten Eltern, die Fotos ihrer Kinder nicht ins Netz zu stellen. Jeder, dem nachgewiesen werden kann, dass er Bilder anderer Personen ohne deren Einwilligung veröffentlicht - und das gilt auch für Familienmitglieder -, kann mit bis zu einem Jahr Gefängnis und einer deftigen Geldstrafe belangt werden.

Obwohl die Regeln in Deutschland nicht ganz so streng sind, können auch deutsche Kinder gerichtlich gegen ihre Eltern vorgehen, wenn der geteilte Inhalt ohne ihre Erlaubnis gepostet wurde. Im vergangenen Jahr rief die Polizei in Hagen Eltern auf, die Privatsphäre ihrer Kinder zu respektieren. Sie warnte davor, dass derartige Bilder Sextäter anziehen oder zu sozialen Problemen im späteren Leben der Kinder führen könnten.

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