Frankfurter Optimismus in der sportlichen Delle | Sport | DW | 17.04.2019
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Europa-League-Viertelfinale

Frankfurter Optimismus in der sportlichen Delle

Für Eintracht Frankfurt geht es im Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League auch um das Gelingen einer ganzen Saison. Die Hessen gehen die schwierige Aufgabe mit viel Zuversicht an - trotz der jüngsten Rückschläge.

Der großen Unterstützung darf sich die Mannschaft von Eintracht Frankfurt sicher sein. Die Arena ist wie selbstverständlich wieder ausverkauft. 48.000 enthusiastische Zuschauer werden ihr Team am Donnerstagabend im Viertelfinal-Rückspiel der Europa-League gegen Benfica Lissabon (Anpfiff 21 Uhr MESZ, ab 20.45 Uhr im DW-Liveticker) wieder anfeuern, so wie es in den letzten Wochen im Europapokal und in der Bundesliga stets der Fall war.

Und vermutlich werden sich die Anhänger des Klubs auch wieder eine der spektakulären  Choreografien einfallen lassen, mit denen der Klub - neben den sportlichen Erfolgen - auch über die Landesgrenzen hinaus für großes Aufsehen gesorgt hat. Für diese Partie gegen Benfica hätten die Frankfurter wohl problemlos die doppelte Anzahl an Tickets verkaufen können, die Euphorie rund um den Klub und das Team ist seit Monaten enorm - und doch gibt es dieses Mal einen kleinen Haken.

Ungewohnte Ausgangsposition

Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter muss zwei Misserfolgserlebnisse in Folge verdauen. Im Hinspiel in der portugiesischen Hauptstadt unterlag das Team mit 2:4. Und zuletzt auch beim 1:3 im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg (Angreifer Goncalo Paciencia: "Das war das schlechteste Spiel der Saison"). Ein Umstand, den die Hessen kaum noch kennen.

Zuletzt war die Eintracht nur so durch die jeweiligen Ligen geflogen. 15 Partien ohne Pflichtspiel-Niederlage hatten sie zu einem Titelkandidaten in der Europa League und in der Bundesliga zu einem Anwärter auf die direkte Champions-League-Qualifikation gemacht. Es schien, als sei das Team nicht mehr aufzuhalten. Und nun? "Ich bleibe trotzdem positiv. Mich ärgern die Niederlagen. Trotz allem schauen wir immer noch einer positiven Saison entgegen", sagt Hütter.

Offenbar scheint sich nun aber erstmals Müdigkeit bei den Spielern bemerkbar zu machen und die Euphorie an die Seite zu drängen. Gegen den FCA bestritt die Eintracht bereits das 42. Pflichtspiel in dieser Spielzeit - und dies häufig mit demselben Personal in der Startelf. "Das geht an die Substanz und in den Kopf. Das hat uns den Zahn gezogen", sagt Hütter.

Positive Sichtweise

Eintracht-Trainer Adi Hütter strahlt Zuversicht aus (Imago/P. Hartenfelser)

Eintracht-Trainer Adi Hütter strahlt Zuversicht aus

Die Frankfurter haben ganz bewusst nie gejammert über die zusätzlichen Partien und sie als Chance gesehen, was sicher auch einen Teil ihrer teils spektakulären Auftritte nicht nur in der Europa League ausgemacht hat. Doch so langsam machen sich erste Verschleißerscheinungen bemerkbar.

Angreifer Sebastien Haller fällt seit ein paar Spielen aus, sein Einsatz gegen Lissabon ist noch fraglich. Der rechte Verteidiger Danny da Costa, einer der wesentlichen Antreiber des Teams, wirkt zunehmend erschöpft ob seines großen läuferischen Einsatzes in dieser langen Saison. Verteidiger Evan Ndicka ist nach dem Hinspiel gesperrt. Sein Kollege Martin Hinteregger laboriert an einer Oberschenkelverletzung. Die Liste ließe sich fortsetzen.    

Jovic bis 2023 verpflichtet

Doch es spricht für die Eintracht, dass die Verantwortlichen von derlei Problemen nichts hören wollen - allein schon deshalb, weil die Gedanken aller Beteiligten nicht um Probleme, sondern vielmehr um Möglichkeiten kreisen sollen. "Die hauen wir zuhause weg", hatte Sportvorstand Fredi Bobic unmittelbar nach der Pleite in Lissabon gesagt. "Unsere Kampfeslust ist geweckt. Wir sind sehr, sehr heiß. Unsere Motivation liegt bei 150 Prozent", sagt Mittelfeldspieler Sebastian Rode unmittelbar vor dem Rückspiel.

Für Pessimismus ist bei der Eintracht kein Platz. Ein 2:0 würde schließlich schon reichen. Recht passend dazu kam am Mittwochnachmittag die Meldung, dass der Klub die Kaufoption für Luka Jovic gezogen und den Angreifer bis zum Jahr 2023 an sich gebunden hat. 

Eintracht hat viel zu verlieren

Und doch wissen sowohl Verantwortliche als auch Spieler, dass sie sich in der entscheidenden Saisonphase befinden. Eine Ausweitung der sportlichen Delle käme zum unpassendsten Zeitpunkt, weil kaum noch Möglichkeiten bestünden, diese noch auszubeulen. Die Eintracht hat viel zu verlieren in diesen Tagen - womöglich die hart erarbeiteten Errungenschaften einer ganzen Saison. Umso bedeutender ist die anstehende Partie gegen Benfica Lissabon.

Bei einem Ausscheiden aus dem internationalen Wettbewerb käme bei den Frankfurtern sicher ein wenig Nervenflattern mit Blick auf die direkte Champions-League-Qualifikation auf. Aber das ist nichts, womit sich die Hessen beschäftigen wollen. Bei der Eintracht geht man vom Einzug ins Halbfinale der Europa League aus. "Wir wollen unseren Traum weiterleben", sagt Trainer Hütter fast trotzig.  

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