Frank Stäbler erfüllt sich Medaillentraum | Sport | DW | 03.08.2021
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Qualen für Olympia

Frank Stäbler erfüllt sich Medaillentraum

Was bedeutet Olympia für einen Sportler? Die Geschichte von Frank Stäbler kann einiges davon erklären. Statt seine Karriere zu beenden, quält sich der Ausnahme-Ringer noch einmal für Tokio - und gewinnt Bronze.

So richtig wusste Frank Stäbler selber nicht, was überwog. Die Freude über den Gewinn der Bronzemedaille. Oder die Erschöpfung nach diesem knallharten Kampf mit dem Georgier Ramaz Zoidze. Stäbler taumelte, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Dann wiederum riss er die Arme in die Höhe. Es war der letzte Kampf seiner Karriere. Es war ein epischer Kampf bis zur letzten Sekunde, der Stäbler die letzten Reserven kostete. Aber sein unbändiger Wille hatte sich durchgesetzt: Stäbler hat sein großes, letztes Ziel, den Gewinn einer Olympiamedaille, erreicht. Es ist der dritte Platz in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm geworden - griechisch-römisch, wo man nur am Oberkörper zugreifen darf.   

Deutscher Vorzeige-Sportler

Stäbler ist ohnehin ein Vorzeige-Sportler in Deutschland, wurde bereits Welt- und Europameister. Nur bei Olympischen Spielen hatte es zuvor für den 32-Jährigen nie geklappt. "Ich habe mein ganzes Leben darauf ausgerichtet", sagte Stäbler vor den Spielen in Tokio und meinte es im Wortsinne. Seine Familie, mit der er in der Nähe von Stuttgart lebt, musste in der Olympiasaison noch einmal zurückstecken. Und dann wurde auch noch seine eigentliche Gewichtsklasse von 71 Kilogramm abgeschafft. Aber Stäbler nahm auch diese Herausforderung an, wollte unbedingt dieses Edelmetall gewinnen. Dafür nahm er echte Qualen in Kauf: Stäbler hungerte.

Normalerweise hat er ein Gewicht von 75 Kilogramm bei einem Körperfettanteil von nur acht Prozent. Einige Wochen vor den Olympischen Spielen stellte er seine Ernährung um. Stäbler verzichtete vollständig auf Zucker, ernährte sich mit "Trockenfutter". Datteln, scharfe Gewürze, alles, was das Gewicht nach unten bringt. Über Monate hielt er strikte Diät und zog dennoch sein Trainingsprogramm durch. Ein echter, körperzehrender Kraftakt. Der von den vielen Wettkampfjahren geschundene Körper machte es ihm nicht gerade leichter. Stäbler kämpft mit Schmerzen - die Folge einer schweren Schulterverletzung. Gerade im Abwehrkampf am Boden macht das Probleme.

Corona kostet Leistungsfähigkeit 

Als hätte er bei seinem neuen Anlauf für Olympia nicht schon genug Hindernisse zu überwinden, fing sich Stäbler im Herbst 2020 auch noch das Coronavirus ein. Obwohl er kaum Symptome spürte, fiel seine Leistungsfähigkeit zwischenzeitlich um 20 Prozent ab. Für einen Leistungssportler eine geradezu niederschmetternde Bilanz. Gegen diese Folgeerscheinungen von COVID-19 nahm er spezielle Atemübungen mit in sein Training auf. Tägliche, intensive Atemübungen mit seinem Freund und Atemtrainer Yasin Seiwasser brachten ihn zurück in die Spur. "Das Thema habe ich komplett überstanden und hinter mir gelassen", betonte Stäbler und schaffte es rechtzeitig für Tokio zurück in die Weltspitze.

Dder deutsche Ringer Frank Stäbler war an Corona erkrankt

Atemübungen gegen COVID-19-Folgen: Ringer Frank Stäbler beim Training

Dass er die Schinderei überhaupt auf sich nahm, zeigt, wie viel Motivation Olympia bei Sportlern freisetzt. Gewonnen hat Stäbler schließlich schon genug: "Ich bin der einzige Kämpfer der Welt, der in drei verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister wurde. Dazu war ich zweimal Europameister", sagte er mit Blick auf die Sommerspiele. Aber ein "Mosaiksteinchen" fehle eben noch. Schon zweimal verpasste er dieses äußerst unglücklich. 2012 in London verlor Stäbler seinen Bronze-Kampf gegen den Georgier Manuchar Tschadaia und wurde Fünfter. 2016 in Rio de Janeiro unterlag er, gehandicapt von einer Fußverletzung, im Viertelfinale und verlor anschließend auch in der Hoffnungsrunde.

Diesmal hat er es besser gemacht. Stäbler hat all seine Kräfte mobilisiert und sich ein allerletztes Mal gequält. Es hat sich für ihn gelohnt. Stäbler hat nun alle seine Ziele in seiner Lieblingssportart erreicht.

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